„Wir stehen für die WM in Seefeld in den Startlöchern“

Maskottchen „Snowie“ wird in die Regale gestellt, Standln für Speis und Trank werden vorbereitet und Hotels für die nordischen Nationalteams fit gemacht. Die Olympiaregion Seefeld wartet mit Ungeduld auf den Start des sportlichen Großereignisses.

In Seefeld werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Im Bild: Christoph Reich und Christian Kruselburger.
© Thomas Boehm / TT

Von Brigitte Warenski

Seefeld, Leutasch — Über vier Jahre haben sie auf das große Ereignis hingefiebert und sich darauf vorbereitet. Für das Team des Informationsbüros im neu gestalteten Seefelder Bahnhof gibt es daher keine Frage, die nicht beantwortet werden kann. Drei Tage vor Start der Nordischen Ski-WM in Seefeld laufen die Telefone heiß.

Petra Neuner vom Informationsbüro strahlt mit Maskottchen "Snowie" um die Wette.
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„Gäste und Fans wollen wissen, welche Loipen gesperrt sind, welche Strecke die Shuttlebusse fahren, ob es noch Zimmer gibt ?", erklärt Büroleiterin Petra Neuner. Stets mit einem Lächeln auf den Lippen erklärt sie Seefeldgästen stolz, dass es neben den Wettbewerben auf der Fanmeile täglich musikalisch und kulinarisch hoch hergeht. Trotz aller Hektik werden jede Menge Maskottchen vorsorglich in die Regale geräumt. „Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene finden den ?Snowie' toll", sagt Neuner.

Der kleine Schneemann war bei der letzten Nordischen Ski-WM in Seefeld 1985 noch etwas kleiner. „Da war er eine Schneekugel mit einer roten Zipfelmütze", so Neuner. Wie beliebt das Maskottchen ist, können aufmerksame Gäste beim Spaziergang vielleicht selbst bemerken. „Es gibt vermehrt kleine Hunde, die Snowie heißen", sagt Neuner. Letzte Vorbereitungen nicht im warmen Büro, sondern im Freien gibt es für Sigi Kasenbacher und Martin Kreuzberger aus der Agentur von Harti Weirather. Sie montieren gerade eines der Hinweisschilder für die WM. Noch gibt es genug zu tun, aber die Männer sind gut gelaunt, dem Prachtwetter und den angenehmen Temperaturen sei Dank. „Rund um die Veranstaltungsorte weisen dann rund 300 Schilder den Weg u. a. zur Akkreditierung oder zum VIP-Bereich", erklärt Kasenbacher.

Martin Kreuzberger und Sigi Kasenbacher sorgen für Orientierung.
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Immer wieder werden sie auch von Einheimischen angesprochen, deren Meinung über die WM „geteilt" ist. Viele haben Sorge, dass man auf einem Schuldenberg sitzenbleibt. „Ich finde, dass man bedenken muss, dass es ohne WM keinen Bahnhofsneubau und keine Loipenerweiterung gegeben hätte. Auf lange Sicht wertet die WM sicher die Region auf", ist Kasenbacher überzeugt.

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Mitten im Arbeitsstress sind auch Christian Kruselburger und Kollege Christoph Reich. Bereits seit zwei Wochen sind sie mit dem Aufbau der Standln am Kirchplatz mitten in der Seefelder Fußgängerzone beschäftigt. Die 26 kleinen Holzhütten stehen bereits, „aber jetzt geht es um die Ausstattung", sagt Kruselburger, der hofft, dass man ihn nicht mit viel Fragerei vom Schrauben und Bohren abhält. Dass sie selbst das WM-Geschehen mitverfolgen werden, glauben die beiden nicht. „Es wird wohl keine Zeit zum Zusehen sein", meint Reich.

Markus Daschil, Chef des Hotels Bergland, geht den Hausmeister-Pflichten nach.
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Am Rand der Loipe zu stehen, ist für Marku­s Daschil, Chef des Hotels Bergland, dagegen ein Muss, ist der selbst leidenschaftliche Langläufer doch auch der „Nordisch­e Verantwortliche in der Region". Heute gibt es für den Hotelchef aber noch eine Reihe anderer Dinge zu tun. „Einmal in der Woche bin ich immer der Hausmeister. Die Sauna habe ich bereits aufgesperrt, jetzt geht's an das Schaufeln am Parkplatz."

Sehr stolz ist Daschil, dass er das österreichische Team beherbergen darf. „Wir müssen uns noch um die Menüplanung kümmern und einige Zimmer in Behandlungsräume umbauen. Und wir müssen in manchen Bereichen Abtrennungen einziehen. Es gibt nämlich Bereiche, in die nur Sportler dürfen. Das ist eine Sicherheitsmaßnahme, um die Ansteckungsgefahr mit Infekten möglichst klein zu halten", erklärt der Hotelier. Dass der eine oder andere Seefeldgast wegen der WM „verschnupft" ist, kann Daschil verstehen. „Für den Normalurlauber ist so eine WM mit all ihren Sperren ein Stress, aber man kann halt nicht immer alles unter einen Hut bringen."

Richtig verärgert über die bereits jetzt gesperrten Loipen ist scheinbar niemand, wenn man sich ein wenig umhört. „Wir hatten ein bisschen Sorge, dass unsere Loipen zu überfüllt sein könnten, wenn die Seefelder Gäste mit den Gratis-Shuttlebussen zu uns nach Leutasch kommen. Aber das ist Gott sei Dank nicht passiert", sagt Christia­n Wandl, Chef des Leutascherhofs. In seinem Hotel nächtigen die Superstars der nordischen Szene, das norwegische Nationalteam, das mit eigenem Koch anreist. „Da sind mehrfache Olympiasieger und Weltmeister dabei. Alle waren im Vorfeld natürlich sehr professionell, aber auch sehr locker." Die großen Vorbereitungen sind abgeschlossen, „jetzt warten wir nur noch darauf, dass es endlich losgeht. Wir stehen in den Startlöchern", freuen sich Wandl und sein Team.

Jetzt muss nur noch der Sekt eingekühlt werden, „denn beim erfolgreichsten nordischen Team aller Zeiten wollen wir vorbereitet aufs Siegen sein". Bald bezieht auch das Kamerateam des norwegischen Fernsehens seinen Fixposten vor dem Hotel. Ohne viel Herumfahren können die Athleten hier ihre Interviews nicht nur für die erwarteten Tausenden norwegischen Fans geben.

Dass auch Leutasch von der WM profitiert, ist sich Wandl sicher: „Das strahlt auf die gesamte Olympiaregion aus." Und sein größter Wunsch? „Dass die Athleten sagen, dass das die beste WM aller Zeiten war und die Zuschauer finden, dass wir das schönste Langlaufgebiet der Welt sind."


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