Bühne

Der Pfarrer als Pharisäer bei den Passionsspielen in Erl

Proben in Winterkleidung: Regisseur Markus Plattner dirigiert den Hohen Rat, darunter ist auch Pfarrer Thomas Schwarzenberger (Bild im Artikel).
© Kitzbichler

Premiere in Erl: Erstmals steht mit Thomas Schwarzenberger bei den Passionsspielen ein Pfarrer auf der Bühne. Dass er dabei im Hohen Rat als Pharisäer Jesus aufs Kreuz schickt, gehört genauso dazu wie Probenstress, lange Haare und Bart.

Von Wolfgang Otter

Erl — Schal und Mütze gehören derzeit zur Standardausrüstung der wackeren Erler im Passionsspielhaus. Der Kälte trotzend sind sie im Probenstress für die Passionsspiele 2019. Mit bewährter Hand führt sie Regisseur Markus Plattner an die Passionsfassung von Felix Mitterer heran. Zum zweiten Mal nach 2013. Leichter ist es trotzdem nicht. „Es ist ja viel passiert seither", sagt der Regisseur. Mitten unter den Darstellern steht ein „Zuagroaster" wie es so schön heißt, eigentlich ein in Niederndorf wohnhafter Mitspieler mit Salzburger Wurzeln — und trotzdem ein ganz wichtiger im Grenzdorf.

Thomas Schwarzenberger.
© Otter

Thomas Schwarzenberger, Pfarrer von Niederndorf und Erl, lauscht wie alle anderen im Hohen Rat den Anweisungen von Plattner, lässt sich von links nach rechts dirigieren. Seine Teilnahme ist eine Premiere, denn erstmals findet sich nämlich ein Priester unter den Darstellern. Noch dazu spielt er einen der Pharisäer, der laut „Kreuzigt ihn!" rufen muss.

„Also ich hätte jede Rolle genommen, notfalls auch den Soldaten gespielt, der geißelt", sieht Schwarzenberger sein Spiel ganz pragmatisch. „Das bin ja nicht ich, sondern meine Rolle", fügt er an.

2013, als die letzten Aufführungen der Passion über die Bühne gingen, war er neu in Erl und durfte einmal als Gast mit dem Volk auf die Bühne gehen. In der heurigen Spielsaison ist er als Pfarrherr stark eingebunden. Als Komiteemitglied besuchte er die Erler, um sie zum Mitspielen einzuladen. „Nur mich hat niemand gefragt, daher habe ich mich selber dem Spielleiter angeboten", erzählt der 52-Jährige. Der ließ sich nicht zweimal bitten, „und als ich die Rolle des Pharisäers erhielt, haben alle gemeint, das gibt eine Superschlagzeile: Der Pfarrer ist Pharisäer", erzählt er schmunzelnd. Zwar komme der Hohe Rat in der Bibel sehr schlecht weg, „weil sie Gegner von Jesus waren. Pharisäer waren sehr aufrechte Menschen und handelten aus Sorge um ihren Glauben", weiß der Theologe. Und: „Sie sind ja ein Teil des Heilgeschehens."

Mitterers Text ist provokant und kirchenkritisch. So wird zum Beispiel Maria Magdalena von Jesus ausgeschickt, um die Lehre zu verbreiten. Und Jesus prophezeit ihr Schwierigkeiten, weil sie eine Frau ist. Kein Problem für den Pfarrer, ganz im Gegenteil: „Ich finde es interessant, wie er den Fokus auf die Frauen legt. Ich glaube, dass das damals auch starke Frauen waren. Es wird sicher ein paar vor den Kopf stoßen, das ist aber durchaus gesund. Es ist zwar Kirchenkritik enthalten, aber auch Kritik an jedem Einzelnen und die Frage, wie wir mit dem anderen umgehen."

Die Teilnahme an den Passionsspielen musst­e sich der Seelsorger für zwei Pfarren gut überlegen. „Ich kann nicht mehr alle Aufgaben wahrnehmen", schildert Schwarzenberger. Und selbst auf die Hochzeitspaare hat es Auswirkungen. Nur an acht Samstagen von Mai bis Oktober hat er spielfrei und kann Trauungen vornehmen „und die sind schon ausgebucht. Die anderen Paare müssen sich einen anderen Pfarrer suchen oder ein anderes Jahr."

Der Aufwand lohne sich jedoch: Das Gesamterlebnis, die Gemeinsamkeit und die Begegnungen und Gespräche, auch mit jungen Erlern, seien wertvoll. Nur eins störe ihn: Seit Monaten sprieße der Bart und wachsen die Haare, „das ist ein bisschen unpraktisch".

Premiere ist am 26. Mai. Es sind 32 Vorstellungstermine geplant. Infos: www.passionsspiele.at