Film und TV

Musical „Die fabelhafte Welt der Amélie“: Halbcharmantes Seelenwirrwarr

Bemüht, aber ohne Chance sich wirklich zu beweisen: Sandra Leitner als Amélie.
© Hain/Stage Entertainment

Der Erfolgsfilm „Die fabelhafte Welt der Amélie“ wurde im Münchner Werk7 zum Musical.

München –Allmählich nimmt das Münchner Kulturviertel am Ostbahnhof Gestalt an. Ein neuer Konzertsaal wird gebaut, doch bis der fertig ist, dauert es noch. Zwischenzeitlich gibt es dort diverse Spielstätten, Kreativorte auch für die freie Szene. Und es gibt das Theater Werk7. Hier fand 2018 die fulminante Musical-Uraufführung „Fack Ju Göhte“ statt. Ein Teil des Teams (Regie und Ausstattung) fand sich nun zur Europapremiere einer weiteren Film-„Vermusicalisierung“ zusammen.

„Die fabelhafte Welt der Amélie“ erzählt von einer sehr im eigenen Universum schwebenden jungen Dame, die nach zahllosen Hürden einen nicht ganz selbst- und lebenssicheren Partner findet. Fast berühmter als der Film wurde einst Yann Tiersens luftiger Soundtrack. Ihn hört man in München – und musikalisch sind das die stärkeren Passagen. Denn was die Komponisten Daniel Messé und Nathan Tysen für ihr bereits am Broadway gezeigtes Musical schrieben, ist Massenware: Additiv und wenig abwechslungsreich, die wenigen einprägsamen Motive werden reichlich wiederholt. Schade, dass die tolle Band unter Leitung von Philipp Grass da nicht mehr Substanz in die Instrumente bekommt!

Regisseur Christoph Drewitz inszeniert mit sicherer Hand ein regelrecht immersives Spektakel, einige Zuschaue­r sitzen an Bistrotischen und bekommen Süßes serviert. Der Rest des Publikums sitzt hufeisenförmig um die sehr detailfreudige Bühne: eine Bar samt Tabakladen (Ausstattung: Andrew Edwards), die sich mit ein bisschen Lichtwechsel und wenigen Umbauten in weitere Handlungsorte verwandelt.

Das Musical verschärft gegenüber dem Film die skurrilen Eigenschaften der Figuren. Insgesamt ist das ein bisschen zu viel, hinzu kommen sprachliche Banalitäten. Sandra Leitne­r (Amélie) bemüht sich redlich, ihrer Partie Farbe zu verleihen – es gelingt nicht immer. Zum einen tönt ihre Stimme etwas zu monochrom, zum anderen fehlen fürs wirkliche Aussingen schlicht Stücke. Der zweite Hauptverschrobene des Abends, Nino, macht seine Sache gut. Andreas Bongard besitzt eine grundsolide Musicalstimme, ihm gelingt es, eigenständige Nuancen zu setzen.

Schön ist die Idee, (nicht nur) Amélies Kindheit zum Teil als Puppentheater nachzustellen, auch ein mal hier, mal dort auftauchendes Akkordeon macht hübschen Eindruck. (jff)