Mazda3: Gewinnbringender Verzicht
Vom Herdentrieb hält Mazda traditionell wenig – der neue Mazda3 setzt im Kompaktwagensegment in puncto Design ganz eigene Akzente, ebenso bei den Ausstattungspaketen und bei der Motorisierung.
Von Markus Höscheler
Sintra –Der Widerspruch fasziniert: Der Mazda3 trägt dick auf und tritt gleichzeitig bescheiden auf. Wie das geht? Durch das Zusammenwirken des Designteams, der zuständigen Techniker und des Marketings. Beginnen wir mit dem Äußeren: Hier ziehen die dick geratenen C-Säulen der fünftürigen Schräghecklimousine die Blicke an – allein die Seitenansicht verleiht dem neuen Kompaktwagen der Japaner ein Alleinstellungsmerkmal im hart umkämpften Segment der Kompaktwagen. Es ist offensichtlich, dass die coupéförmige Dachlinie und die Verkleidung der eben erwähnten C-Säulen zu Raum- und Übersichtsverlusten führen, andererseits dem Wagen einen dynamischen, folglich attraktiven und in Summe einzigartigen Auftritt ermöglichen.
Als Konsequenz kennt der bevorstehende Modellwechsel beim Mazda3, der im März erfolgt, eigentlich nur einen Verlierer: den Laderaum. Der fällt beim Fünftürer mit 330 bis 1026 Liter zurückhaltend aus, beim Sedan (Limousine) betragen die Werte 450 beziehungsweise 1138 Liter. Ansonsten hebt sich die vierte Generation von der schon guten dritten Generation wohltuend ab, prescht vor mit einem kecken Kühlergrill in 3D-Optik, schlanken LED-Scheinwerfern und klar strukturierten Flächen.
Innen wählte Mazda einen passablen Weg zwischen ausreichender Digitalisierung und praktischem Analogen: Das Instrumentarium wird beherrscht von einem mittig platzierten TFT-Bildschirm, der wiederum flankierende Schützenhilfe von zwei analog ausgeführten Instrumenten erhält. Der 8,8 Zoll große Bildschirm auf der Mittelkonsole besticht mit eindrucksvoller Schärfe und Farbgebung, verzichtet jedoch auf eine modisch erscheinende Touchfunktion. Stattdessen ist ein Dreh-Drücksteller mit seitlichen Direktwahltasten zu bedienen, um Navigation und Entertainment zu beeinflussen. Weitere Manipulationsmöglichkeiten ergeben sich am Lenkrad mit einigen Tasten. Insgesamt wirkt das Cockpit alles andere als überladen, sondern wohltuend aufgeräumt – auch wenn der neue Mazda3 nur so strotzt vor technischen Einrichtungen.
Beachtung verdient beispielsweise das serienmäßig eingebaute, hochauflösende Head-up-Display, das ausgewählte Fahrzeuginformationen gestochen scharf auf die Windschutzscheibe projiziert. Eine Reihe von Helferlein warnt vor Fahrfehlern, etwa ein aufmerksamer Toter-Winkel-Warner. An eingebauten Kameras mangelt es nicht – sie unterstützen den Fahrer dabei, einen direkten Blechkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern zu vermeiden.
Nun waren schon die zuvor verkauften Mazda3-Modelle – mehr als sechs Millionen Einheiten weltweit seit 2003 – keine Langweiler; der Neue versprüht gleichwohl noch mehr Spannung. Das liegt unter anderem an der Fahrwerksabstimmung und an der Auslegung der Lenkung: Während erster Fahrproben in Portugal in dieser Woche schluckte der Mazda3 Asphaltaufbrüche und Kopfsteinpflaster gekonnt weg, darüber hinaus verhielt er sich bei Richtungswechseln sehr willig. Präzise und direkt arbeitet das Volant, die Sechsgang-Handschaltung vermeidet Überraschungen (Sechsgangautomatik gibt es gegen Aufpreis). Der eine oder andere Interessent mag beim Basismotor, einem 122 PS starken Zweiliter-Vierzylinder-Benziner, den Nachdruck eines Turboladers vermissen – andererseits ist das Aggregat kräftig genug, das 4,46 Meter lange Schrägheckmodell einigermaßen zügig zu beschleunigen (bei einem NEFZ-Normverbrauch von 5,1 Litern je 100 Kilometer). Alternativ steht in Kürze ein 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit 116 PS und 270 Nm Drehmomentmaximum bereit. Als dritte Motorenvariante wird in wenigen Monaten der selbstzündende Benziner (Skyactiv-X) als Weltneuheit nachgereicht – mit der Option auf Allradantrieb.
Mazda verzichtet bei der Neueinführung des Mazda3 auf irreführende Basispreise für mager ausgestattete Modelle, sondern verlangt 23.990 Euro für das fast schon luxuriös anmutende Comfort-Equipment in Verbindung mit dem 122-PS-Benziner. Darüber rangiert Comfort+, dazu gibt es vier verschiedene Pakete.
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