„Die Mitwisser“ schufen im Grazer Schauspielhaus keimfreie Scheinwelt

Graz (APA) - Ein Übercomputer, der alles regelt von der Kommunikation bis zur Überwachung der Vitalfunktionen, beherrscht die Welt eines Paa...

Graz (APA) - Ein Übercomputer, der alles regelt von der Kommunikation bis zur Überwachung der Vitalfunktionen, beherrscht die Welt eines Paares, das sich erst wehrt, als die Maschinen längst alles übernommen haben: Die Idee zu Philipp Löhles „Die Mitwisser“ ist nicht neu, aber durch moderne Technologien und Datenmissbrauch deutlich näher gerückt, wie die Premiere am Freitag im Grazer Schauspielhauses zeigte.

Der Autor nennt sein Werk selbst „Eine Idiotie“, und eher unterhaltsam, überdreht und plakativ war auch der Beginn. Regisseurin Felicitas Braun zeichnete überzogene Charaktere, die sich zunächst mehr aus Bequemlichkeit immer mehr den Super-Computern überlassen. Diese treten in menschlicher Form auf, heißen alle „Herr Kwant“ und nehmen ihren Besitzen wirklich alles ab. Sie regeln die Einkäufe, kommunizieren mit den Mitmenschen, sind mit Kaufvorschlägen zur Stelle und stehen auch im Job mit unendlichem Wissen zur Seite. Schräg wird es, als sich „Herr Kwant“ auch im Schlafzimmer des Ehepaares einmischt.

Als immer mehr dieser Über-Menschen auftreten, dämmert es Theo, dass das alles doch nicht so optimal ist - vor allem, nachdem die „Kwants“ die Arbeit der Menschen übernehmen, die sich ihrer zuvor nur bedient haben. Das Aussteigen aus dieser perfekten Welt, aus der alle Reibung entfernt wurde, ist nicht möglich. Theo bleibt verlassen zurück, hängt bildlich im Netz, dass er sich selbst geschaffen hat. Das alles ist originell gemacht, hat aber einige Längen, wenn wieder und wieder ähnliche Situationen aneinandergereiht werden.

Die bunte 70er-Jahre-Welt (Kostüme: Aleksandra Kica) mit ihrer pastellfarbenen Sitzlandschaft (Timo von Kriegstein) die die ganze Bühne einnimmt und in der alle herumturnen, verkörpert gelungen die oberflächliche Plastik-Zufriedenheit, die keine Auseinandersetzungen mehr zulässt. Dass am Ende ein Scheitern stehen muss, ist klar - und wird von Clemens Maria Riegler (Theo) deutlich gezeigt. Als seine Frau wehrt sich Henriette Blumenau lange mit Witz und Sarkasmus gegen die technische Übermacht, bis sie den Annehmlichkeiten ihres eigenen „Herrn Kwant“ erliegt. Sarah Sophia Meyer als erster „Herr Kwant“ zieht mit künstlich-forscher Liebenswürdigkeit die Fäden, während Fredrick Jan Hofmann in schriller Aufmachung für heitere Akzente sorgt. Die Schauspielstudenten Mikhail Gusev, Hanh Mai Thi Tran und Leontine Vaterodt fügen sich nahtlos in das präzise Ensemble ein.

(S E R V I C E: „Die Mitwisser“ von Philipp Löhle im Grazer Schauspielhaus, Haus Zwei. Regie: Felicitas Braun, Bühne: Timo Kriegstein, Kostüme: Aleksandra Kica. Mit: Mit: Henriette Blumenau, Mikhail Gusev, Fredrik Jan Hofmann, Sarah Sophia Meyer, Clemens Maria Riegler, Leontine Vaterodt, Hanh Mai Thi Tran. Nächste Vorstellungen: 25.2., 1. und 12.3.2019. http://schauspielhaus-graz.at)


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