Kurz bei Trump - Chronologie der Beziehungen Österreich-USA

Washington (APA) - Als die USA und Österreich vor fast zwei Jahrhunderten diplomatische Beziehungen aufnahmen, war noch das Habsburgerreich ...

Washington (APA) - Als die USA und Österreich vor fast zwei Jahrhunderten diplomatische Beziehungen aufnahmen, war noch das Habsburgerreich die wichtigere Macht. Mittlerweile haben sich die Gewichte zwischen Wien und Washington gehörig verschoben, das bilaterale Verhältnis blieb über die Jahre - abgesehen vom Ersten Weltkrieg - größtenteils freundlich. Eine Chronologie:

1734 - Mehr als vier Jahrzehnte vor der Gründung der USA überqueren fünfzig aus Salzburg vertriebene protestantische Familien den Atlantik und gründen im späteren Staat Georgia eine Gemeinde namens Ebenezer. Diese Einwanderer zählen auch zu den ersten Siedlern, die für die Abschaffung der Sklaverei eintreten. Schätzungen zufolge stellen Einwanderer aus dem Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn bis zum Ersten Weltkrieg die größte Gruppe an Einwanderern in den USA.

1777 - Im Jahr nach der Unabhängigkeitserklärung der englischen Kolonien in Amerika ernennt der US-Kongress William Lee zum ersten diplomatischen Vertreter der Vereinigten Staaten in Wien. Dort zeigt man dem „Rebellen“ die kalte Schulter, weil man keinen Staat anerkennen will, der sich gegen eine Monarchie aufgelehnt hat. Dies hindert Österreich aber nicht, Handel mit dem jungen Staat zu treiben, und sogar Waffen im Unabhängigkeitskrieg der USA gegen die Briten zu liefern.

1797 - Österreich erkennt den US-Konsul in Triest an.

1820 - Österreich errichtet in New York ein Generalkonsulat.

1829 - Österreich und die USA unterzeichnen am 27. August einen Handels- und Schifffahrtsvertrag, der dann bis zum Ersten Weltkrieg in Kraft bleibt.

1838 - Der Geistliche Henry A Muehlenberg wird am 8. Februar zum ersten US-Gesandten am Wiener Hof ernannt. Im Oktober überreicht Wenzel Philipp Baron de Marechal als österreichischer Gesandter sein Beglaubigungsschreiben an den damaligen US-Präsidenten Martin Van Buren, womit die diplomatischen Beziehungen offiziell aufgenommen werden.

1848 - Infolge der gescheiterten Freiheitsrevolution gegen das österreichische Kaiserhaus fliehen zahlreiche Revolutionäre in die USA, darunter auch ehemalige k.-u.-k.-Soldaten, die später im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-65) mehrheitlich an der Seite des Nordens kämpfen sollten.

1861-65 - Im Amerikanischen Bürgerkrieg spielen Zuwanderer aus Europa eine entscheidende Rolle für den Sieg der Union. Darunter sind auch zahlreiche k.u.k.-Soldaten wie der österreichische Offizier Julius Stahel-Szamwald, der zum General aufsteigt und die Tapferkeitsmedaille von Präsident Abraham Lincoln erhält. Ein nicht unwichtiger österreichischer Beitrag zum Bürgerkrieg ist das „Lorenz“-Gewehr, von dem die Union 225.000 Stück ankauft. Anders als etwa Großbritannien oder Frankreich verschwendet Kaiser Franz Joseph keinen Gedanken daran, die Südstaaten anzuerkennen, weswegen Österreich-Ungarn in Washington gut angeschrieben bleibt.

1864 - Der Bruder des österreichischen Kaisers Franz Joseph, Maximilian, wird von Frankreich als Kaiser von Mexiko installiert. Die USA lehnen die Monarchie ab und drängen Frankreich im Jahr 1866 zum Abzug seiner Truppen; Maximilian wird im Jahr 1867 von Revolutionären gestürzt und hingerichtet.

1910 - US-Präsident Theodore Roosevelt besucht nach Ende seiner Präsidentschaft Wien. Ein Treffen mit Franz Joseph hinterlässt bei ihm tiefen Eindruck. Bei der Begegnung sprach der Kaiser die berühmten Worte, wonach es seine Aufgabe sei, seine Völker vor ihren Politikern zu schützen.

1914 - Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs erklären sich die USA für neutral. Franz Joseph dankt US-Präsident Woodrow Wilson am 7. August in einem offiziellen Schreiben für die erwiesene Anteilnahme nach dem Ermordung von Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo.

1917 - Der Beginn des deutschen U-Boot-Krieges gegen US-Schiffe im Atlantik bewegt Washington im April zum Eintritt in den Ersten Weltkrieg. Das mit Berlin verbündete Österreich-Ungarn bricht daraufhin die Beziehungen zu den USA ab. Diese lassen sich aber acht Monate Zeit, bis sie Österreich-Ungarn am 7. Dezember 1917 formell den Krieg erklären. Washington hofft nämlich, einen Keil zwischen die Verbündeten zu treiben.

1918 - US-Präsident Woodrow Wilson stellt dem US-Kongress eine „14 Punkte“ vor, in der auch eine Autonomie für die Völker Österreich-Ungarns gefordert wird. Eine Zerschlagung der Monarchie ist nicht Teil des Programms, doch ermuntert es die Gegner der Habsburger. Zudem beherbergen die USA unter anderem die Exil-Regierungen von Tschechen und Slowaken, die im Mai 1918 in Pittsburgh die Gründung eines gemeinsamen Staates vereinbaren. Mit dem Kriegsende im November zerfällt Österreich-Ungarn.

1921 - Die USA und Österreich unterzeichnen am 24. August einen Vertrag zur Begründung freundschaftlicher Beziehungen, was den Kriegszustand zwischen Wien und Washington offiziell beendet. Dem im Jahr 1920 geschlossenen Friedensvertrag von St. Germain bleiben die USA nämlich fern, weil er auch den vom US-Kongress abgelehnten Völkerbund enthält.

1938 - So wie die europäischen Alliierten bleiben auch die USA passiv, als Hitler-Deutschland im März Österreich annektiert. Jüdischen Flüchtlingen ohne Papiere und Visum wird die Türe versperrt. Bis 1941 können nach US-Angaben 29.000 Österreicher in die USA emigrieren, vier Fünftel davon Juden. Die USA profitieren von einem beispiellosen „Brain Drain“, da sich unter den Flüchtlingen auch zahlreiche Intellektuelle, Wissenschafter und Künstler befinden, wie etwa der spätere Hollywood-Starregisseur Billy Wilder. Ebenfalls in den USA Zuflucht findet Kaisersohn Otto Habsburg, der das Vertrauen von Präsident Franklin D. Roosevelt gewinnt und im US-Kongress Lobbying für ein selbstständiges Österreich beginnt.

1943 - In der Moskauer Deklaration bekennen sich die Alliierten USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion im November zur Wiedererrichtung Österreichs nach der Niederringung von Nazi-Deutschland.

1945 - Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird Österreich von den Siegermächten in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die USA übernehmen die Verwaltung der Bundesländer Salzburg und Oberösterreich (südlich der Donau, sowie bis 1948 einschließlich des Steirischen Salzkammergutes). In Wien verwalten die USA den nordwestlichen Teil der Stadt.

1948 - US-Präsident Harry S. Truman unterzeichnet am 3. April das Gesetz zur Gründung des „European Recovery Program“ (ERP), das als Marshallplan berühmt wird. Es soll die kriegszerstörte Wirtschaft in Europa mit Krediten ankurbeln. Österreich hat für die westlichen Alliierten besonderen Stellenwert, da sie eine Ausbreitung des Einflussbereiches der mit Truppen im Land präsenten Sowjetunion verhindern wollten. Von 1948 bis 1953 ist Österreich mit Gesamthilfe im Ausmaß von 962 Millionen Dollar pro Kopf der größte ERP-Empfänger nach Norwegen. Im Jahr 1961 werden die Gelder im ERP-Fonds, der auch heute noch Geld ausschüttet, Österreich übertragen.

1952 - Als erster Bundeskanzler besucht Leopold Figl im Mai die USA. In den Gesprächen mit US-Präsident Truman geht es vor allem um den von Österreich gewünschten Staatsvertrag.

1955 - Am 15. Mai wird im Wiener Schloss Belvedere der Staatsvertrag unterzeichnet, womit die Besatzungszeit der vier Alliierten beendet wird. Österreich konstituiert sich als neutraler Staat, der aber keinen Zweifel an seiner Zugehörigkeit zum westlichen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem lässt.

1961 - Am 3. und 4. Mai ist Wien Schauplatz des ersten Gipfeltreffens zwischen dem jungen US-Präsidenten John F. Kennedy und Sowjetführer Nikita S. Chruschtschow. Das Treffen vor dem Hintergrund massiver Spannungen im Kalten Krieg endet ergebnislos.

1975 - Das Nahost-Engagement des damaligen Bundeskanzlers Bruno Kreisky führt dazu, dass US-Präsident Gerald Ford im Juni im Schloss Kleßheim mit dem ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat zusammentrifft. Unter Fords Nachfolger Jimmy Carter kommt es vier Jahre später zu einem historischen Friedenschluss zwischen Israel und Ägypten, dessen Inhalte aber von Kreisky kritisch gesehen werden.

1979 - Wien ist vom 15. bis 18. Juni zum zweiten Mal der Ort eines US-Sowjet-Gipfels, diesmal zwischen Jimmy Carter und Leonid Breschnew. Sie unterzeichnen den SALT-II-Abrüstungsvertrag.

1982 - Im November kommen die Lipizzaner auf die Titelseiten von US-Zeitungen, nachdem eine Delegation der Spanischen Hofreitschule auf dem Rasen des Weißen Hauses eine Reitvorführung vollführt hat. US-Präsident Ronald Reagan erhält einen Lipizzaner als lebenslange Leihgabe geschenkt.

1984 - Im Februar absolviert Bundespräsident Rudolf Kirchschläger den ersten Staatsbesuch eines österreichischen Staatsoberhaupts in den USA.

1987 - Die Waldheim-Affäre führt zu einer massiven Verschlechterung der bilateralen Beziehungen. Nachdem die USA am 27. April den damaligen österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim wegen seiner NS-Vergangenheit mit einem Einreiseverbot belegen, steht Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) unter massivem Druck, seinen geplanten Besuch im Weißen Haus abzusagen. Er reist im Mai 1987 trotzdem und übt nach dem Treffen mit Reagan scharfe Kritik an der Entscheidung.

1991 - Österreich erteilt dem US-Militär im Rahmen des Golfkriegs erstmals Durchfuhr- und Überfluggenehmigungen.

1994 - Österreich tritt der NATO-Partnerschaft für den Frieden bei. In der Folge nimmt das Bundesheer an mehreren NATO-geführten Friedensmissionen, unter anderem in Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo, teil.

1995 - Im Oktober reist Bundespräsident Thomas Klestil zum zweiten Staatsbesuch eines österreichischen Staatsoberhaupts in die USA. Klestil legt in den 1980er Jahren den Grundstein für seine politische Karriere als Diplomat in den USA, wo er als Tennispartner ein Vertrauensverhältnis zu den republikanischen Präsidenten Ronald Reagan und George W. Bush aufbaut.

1999 - Die US-geführte NATO-Koalition nützt im Kosovo-Krieg den österreichischen Luftraum, obwohl es keine Genehmigung dafür gibt. Gegen die insgesamt 61 Flugzeuge wird diplomatisch protestiert, Österreichs Abfangjäger bleiben am Boden.

2000 - Die US-Regierung äußert sich kritisch zum Regierungseintritt der FPÖ im Februar, schließt sich den Sanktionen der EU-14 aber nicht an. Die schwarz-blaue Regierung müsse an ihren Taten gemessen werden, erklärt US-Außenministerin Madeleine Albright. Im April äußert sich der US-Kongress in einer Resolution bedauernd über die Regierungsbeteiligung der FPÖ.

2001 - Nach Klagen und aufgrund von Druck der US-Regierung verpflichtet sich die schwarz-blaue Regierung im Washingtoner Abkommen am 17. April, einen Entschädigungsfonds für nicht oder nur unvollständig abgegoltene Vermögenswerte einzurichten, der mit 210 Millionen US-Dollar dotiert wird.

2003 - Österreich verhält sich im umstrittenen Irak-Krieg neutral. Anders als die westeuropäischen NATO-Verbündeten Deutschland und Frankreich übt es aber keine scharfe Kritik am einseitigen Vorgehen von US-Präsident George W. Bush.

2003 - Im Oktober wird der gebürtige Grazer und Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger zum kalifornischen Gouverneur gewählt. Der „Governator“ bleibt bis 2011 im Amt.

2005 - Nach einem Treffen mit US-Präsident Bush in Washington erklärt Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP), dass bei den NS-Entschädigungen „Rechtsfrieden“ erzielt worden sei.

2006 - Bush nimmt im Rahmen der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft an einem EU-USA-Gipfel in Wien teil.

2006 - Im Irak wird gemeinsam mit vier US-Bürgern der Österreicher Bert Nussbaumer entführt, der dort für eine private US-Sicherheitsfirma tätig ist. Wie später aus von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichten Depeschen der US-Botschaft hervorgeht, übt Washington Druck auf Wien aus, kein Lösegeld für ihn zu zahlen. Nussbaumers Leiche wird im Jahr 2008 gefunden. Die Sicherheitsfirma „Crescent Security“ versichert danach, sie hätte ein etwaiges Lösegeld „sofort gezahlt“.

2007 - Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton kommt im Mai im Vorfeld des Life Balls nach Wien, um einen Scheck für seine Stiftung im Kampf gegen HIV/Aids entgegenzunehmen. Zum seit 1993 stattfindenden Charity-Event im Wiener Rathaus kommen alljährlich zahlreiche Hollywood-Stars, die von Organisator Gery Kessler traditionell mit einem Sonderflieger eingeflogen werden.

2008 - Der Wiener Regisseur Stefan Ruzowitzky erhält bei der 80. Oscarverleihung im Februar den Oscar für NS-Drama „Die Fälscher“. Es kommt damit erstmals eine österreichische Produktion zum Zug. Zahlreiche gebürtige Österreicher wie Billy Wilder, Fred Zinnemann, Maximilian Schell oder Christoph Waltz erhielten Oscars für Hollywood-Produktionen.

2013 - Am 31. Jänner und 1. Februar findet in Wien erstmals eine hochrangige Klimakonferenz auf Initiative des kalifornischen Ex-Gouverneurs Arnold Schwarzenegger mit Unterstützung der österreichischen Regierungsspitze statt. Ab 2017 werden unter dem Titel „R20 Austrian World Summit“ alljährlich konkrete Lösungen zur Erreichung von Klimazielen präsentiert.

2013 - Im Zuge der Enthüllungen der NSA-Affäre bestätigt der US-Botschafter in Wien, William Eacho, im Juli, dass Daten von Österreichern abgesaugt worden sein könnten. Der frühere NSA-Mitarbeiter Edward Snowden hatte zuvor von einem großangelegten US-Spionageprogramm berichtet. Weil die USA Snowden im Flugzeug des bolivianischen Präsidenten Evo Morales vermuten, muss dieses im Juli in Wien zwischenlanden. Bolivianische Diplomaten werfen Österreich vor, Morales auf Befehl der USA „gekidnappt“ zu haben. Bundespräsident Heinz Fischer versucht die Wogen zu glätten, indem er Morales am Flughafen besucht.

2014 - Österreich schließt sich der von den USA angeführten internationalen Koalition zum Kampf gegen den „Islamischen Staat“ im Irak und Syrien an, engagiert sich dabei aber ausschließlich humanitär und politisch. Im Kampf gegen die „IS-Barbaren“ gebe es keine Neutralität, sagt der damalige Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) zur Begründung.

2015 - Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) erstattet im Mai nach Berichten und Spionageaktivitäten des US-Geheimdienst NSA in Österreich Anzeige gegen unbekannt.

2017 - Nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump äußern sich österreichische Spitzenpolitiker kritisch über dessen Politik. „Was wir in den ersten Wochen erlebt haben“, sei „definitiv Anlass zur Sorge“, sagt Kurz im Februar. Er kritisiert daraufhin auch scharf den von Trump verkündeten Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen. Vor der Nationalratswahl im September äußert er den Wunsch, ein Gipfeltreffen zwischen Trump und Kreml-Chef Wladimir Putin in Wien zu organisieren.

2018 - Die USA schlagen einen betont freundlichen Kurs gegenüber der türkis-blauen Regierung ein. Der neue US-Botschafter in Wien, Trevor Traina, lässt sogar öffentlich ein offizielles Papier des US-Außenministeriums als überholt dementieren, in dem wegen der Russland-Kontakte der FPÖ von Innenminister Herbert Kickl von Vorbehalten beim Informationsaustausch die Rede ist. „Die USA teilen ohne jedes Zögern Informationen mit der österreichischen Bundesregierung. Alle Minister haben unser volles Vertrauen“, betont Traina in Zeitungsinterviews.

2019 - Im Vorfeld des Treffens von Bundeskanzler Sebastian Kurz mit US-Präsident Trump am 20. Februar im Weißen Haus betont Außenministerin Karin Kneissl, dass Österreich und die USA „in vielen Bereichen auf einer Wellenlänge“ seien.