Zehntausende Skandinavier kommen: „Heia Norge!“ in Seefeld

Zehntausende Fans aus Norwegen, der stärksten nordischen Sportnation, werden Tirol in den zwei WM-Wochen stürmen. Schon jetzt weht norwegisches Flair durch Seefeld.

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Philipp Schilcher und Tom Müller von der Café-Bar Fledermaus sind für den Ansturm aus dem hohen Norden bestens gerüstet: Sie sperren während der WM extra eine „Norwegerhütte“ auf.
© Domanig

Von Michael Domanig

Seefeld – Die prominentesten norwegischen Sportfans haben Seefeld noch nicht erreicht: König Harald V. und seine Gattin Sonja sind zwar, wie berichtet, schon am Sonntagabend am Innsbrucker Flughafen gelandet – sie sind danach aber nicht gleich nach Seefeld weitergereist, sondern zunächst nach Oberitalien, wo sie ein paar private Urlaubstage verbringen werden. Am 25. Februar werden die beiden dann am Plateau eintreffen, sie nächtigen im edlen „Astoria Resort“.

Dass das Königspaar in Seefeld auf viele, viele Landsleut­e treffen wird, ist fix, denn die stärkste Sportnation im nordischen Bereich wird sich auch bei den Zuschauer- und Nächtigungszahlen im Spitzenfeld bewegen. „Mehrer­e zehntausend“ Norweger erwarte man über die zwei WM-Wochen hinweg, erklärt Christian Scherer, OK-Chef der Nordischen WM. Rund 28.500 Tickets für die Bewerbe in Seefeld und Innsbruck seien bisher an norwegische Fans verkauft worden, heißt es beim Tourismusverband.

Gäste aus Norwegen prägen auch schon das Straßenbild.
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Die Gäste aus dem hohen Norden belegen übrigens nicht nur Hotelzimmer: Auf einer Wiese beim Hotel Berghof werden rund 40 Nordmänner ab Samstag eine klein­e Zeltstadt aufbauen – und norwegische Spezialitäten von Elchharz über Fisch bis Schafkopf mitbringen. Am 26. Februar laden sie sogar zum „Tag der offenen Zelttür“.

Im Casino wiederum eröffnet ein Reiseveranstalter ein eigenes „Norwegen-Haus“ – in dem auch alle anderen Gäste willkommen sind.

Norwegen für Anfänger

Heia Norge. So feuern die Norweger ihre Sportler an.

Skål. Einfach nur Prost.

Norweger-Pullover. Berühmtester Träger des Norweger-Pullovers ist Ex-ORF-Reporter Robert Seeger. Die Herkunft der Strickmuster liegt in Setesdal im Süden des Landes.

Langlaufen. Kärntner werden mit Eislaufschuhen geboren, die Tiroler mit Skiern wie die Norweger. Nur sie laufen damit, Langlauf ist ihre liebste Freizeitbeschäftigung im Winter.

Elche. Sie sind das Symbol Norwegens und nicht selten fahren uns die Ski-Elche wie Aksel Lund Svindal oder Kjetil Jansrud um die Ohren.

Bruttoinlandsprodukt. Mit rund 60.000 Euro pro Kopf ist Norwegen das drittreichste Land der Welt nach Luxemburg und der Schweiz.

Bei einem Lokalaugenschein ist bereits jetzt kräftiges norwegisches Flair in Seefeld zu spüren: Dafür sorgt etwa das Team rund um Philipp Schilcher, Inhaber der Café-Bar „Fledermaus“ in der Bahnhofstraße, der das Nachbarlokal kurzerhand in eine „Norwegerhütte“ umfunktioniert hat: Auf der Shot-Karte findet man ab heute originalen, hochprozentigen „Linie Aquavit“ aus Norwegen, ein­e riesige norwegische Flagge wird gehisst. „Das Königspaar selbst ist natürlich auch herzlich willkommen“, lacht Schilcher. Das WM-Fieber habe Seefeld inzwischen generell voll erfasst, freut sich auch der Champagner­spezialist Andreas Diener. „Man merkt, wie es knistert, wenn man durchs Dorf geht.“

Norwegische Fans prägen auch schon das Straßenbild: Unweit des Seekirchls genießt ein­e Gruppe die herrlich frühlingshaften Temperaturen. Darunter ist sogar ein Verwandter der norwegischen Langlauflegende Anette Bøe, die ihre größten Erfolge (Weltmeisterin über fünf und zehn Kilometer) 1985 just in Seefeld gefeiert hat.

Auch medial ist das Interesse aus dem hohen Norden gewaltig: Allein im Print- und Fotobereich haben sich rund 65 Medienvertreter aus Norwegen akkreditiert, TV- und Radioteams noch gar nicht eingerechnet. Nur aus Deutschland sind es noch etwas mehr – doch nirgends ist die nordische Euphorie so groß wie im „kleinen“ Norwegen ...


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