„Rojava“ im Volkstheater: Ibrahim Amir schickt Wiener nach Syrien

Wien (APA) - Nun gibt es doch eine Uraufführung: Drei Jahre nachdem das Wiener Volkstheater die Produktion von Ibrahim Amirs Flüchtlingskomö...

Wien (APA) - Nun gibt es doch eine Uraufführung: Drei Jahre nachdem das Wiener Volkstheater die Produktion von Ibrahim Amirs Flüchtlingskomödie „Homohalal“ abgeblasen hat, feiert dort mit „Rojava“ am Donnerstag nun doch ein Stück des Wiener Autors Weltpremiere. Sein Haus-Debüt als Regisseur gibt der Musiker Sandy Lopicic, der zuletzt in Graz und St. Pölten erfolgreiche musikalische Inszenierungen schuf.

Während man in Europa derzeit über die Rücknahme von in Syrien inhaftierten ausländischen IS-Kämpfern diskutiert, macht sich der Protagonist in Ibrahim Amirs Stück „Rojava“ gerade erst auf den Weg nach Syrien. Doch ist es nicht der „Islamische Staat“, dem sich der Wiener anschließen will, sondern der „Aufstand der unterdrückten Völker“ im kurdischen Selbstverwaltungsgebiet Rojava. Angetrieben wird der junge Mann dabei von seinem Bedürfnis, endlich einmal einer Revolution anzugehören. Als er in der halbautonomen kurdisch-syrischen Region - in der auch der Wiener Autor aufgewachsen ist - ankommt, trifft seine Utopie jedoch jäh auf die Realität des Krieges.

Nicht nur ist jener Verbindungsmann, der ihn empfangen sollte, vor zwei Tagen bei einem Anschlag gestorben, auch die Männer, die er auf einem Friedhof trifft, können seine Motivation, in einem fremden Land zu kämpfen, nicht wirklich nachvollziehen. Im Gegenteil: Der Kurde Alan hat genug von Kampf, Hunger und Tod und will nach Japan auswandern. Im Handumdrehen schlägt er Michael einen Deal vor: Der Österreicher gibt Alan seinen Pass, im Gegenzug bringt er ihn mit den richtigen Menschen zusammen.

Vergeblich versucht Michael, Alan klar zu machen, was in Europa auf Flüchtlinge wartet: „Man wird dich als drittklassigen Menschen behandeln. Sie werden dich spüren lassen, dass du ungewollt bist. Bei jeder Behörde, auf jedem Amt wirst du erniedrigt werden. Du wirst keine Stimme haben. Keine Chance. Eingeschränkt in deiner Freiheit, kontrolliert bei jeder Bewegung“, weiß der Wiener, der seinen neuen Freund jedoch nicht davon abhalten kann, nach einem besseren Leben zu streben.

Im Gegenzug schlägt Michael Skepsis entgegen, als er sich bei den Kämpferinnen und Kämpfern vorstellt: „Ich freue mich, ein Teil dieser Revolution zu sein. Sie ist eine Inspiration für alle Völker und Menschen“, posaunt er und erntet abfällige Bemerkungen: „Das hat uns noch gefehlt. Ein linker Fanatiker.“ Oder: „Du willst eine Revolution machen und uns befreien? Dann hättest gleich in Europa bleiben sollen. Misch dich nicht in unsere Angelegenheiten ein und lass uns in Ruhe!“ Schließlich bleibt Michael aber doch.

In ineinander verschachtelten kurzen Szenen verfolgt Ibrahim Amir, stets mit ironischen Spitzen versetzt, die weiteren Lebenswege der beiden Männer. Während Alan schließlich bei Michaels Mutter in Wien landet, muss dieser in Syrien erst lernen, mit einer Waffe umzugehen. Auf beiden Seiten prallen Utopien auf den harten Boden der Realität. Nach dem 2017 im Volx/Margareten aufgeführten „Heimwärts“, in dem Amir quasi die Balkanroute umdrehte und vier Personen von Wien nach Aleppo fahren ließ, steht nun ein weiterer Aspekt der Krise im Nahen Osten auf dem Programm. Ob es ein Happy End für Alan und Michael geben wird, wird sich am Donnerstag im Volkstheater zeigen.

(S E R V I C E - „Rojava“ von Ibrahim Amir im Volkstheater, Regie: Sandy Lopicic, mit englischen und kurdischen Übertiteln. Premiere am 28. Februar, 19.30 Uhr. Mit u.a. Peter Fasching, Isabella Knöll, Sebastian Pass, Claudia Sabitzer, Luka Vlatkovic und Rina Kacinari. Weitere Termine: 2., 14., 17., 19., 23. und 24. März. Infos und Tickets unter www.volkstheater.at oder Tel. (01) 52 111-400)


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