Emir von Katar kommende Woche in Wien

Wien (APA) - Der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani, wird Österreich kommende Woche einen offiziellen Besuch abstatten. Geplan...

Wien (APA) - Der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani, wird Österreich kommende Woche einen offiziellen Besuch abstatten. Geplant sind Treffen mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sowie ein katarisch-österreichisches Wirtschaftsforum in Wien.

Der Emir wird am Dienstag von Van der Bellen mit militärischen Ehren empfangen, danach stehen ein Vier-Augengespräch und ein Arbeitsgespräch im Beisein der Delegationen auf dem Programm. Pressestatements wird es keine geben. Am Nachmittag trifft der 38-jährige Scheich auf den Kanzler.

Im Mittelpunkt der Gespräche stehen laut Präsidentschaftskanzlei bilaterale Themen, insbesondere die Wirtschaftsbeziehungen. Rund 150 österreichische Firmen sind in dem ölreichen Staat aktiv, davon haben 15 auch Zweigstellen oder Tochtergesellschaften im Land. Österreich suche die Zusammenarbeit in den Bereichen Tourismus, Gesundheit, Umwelt sowie Wissenschaft und Forschung.

Thema wird aber auch die Lage in der Golfregion und im Nahen Osten sein. Das kleine Katar wird seit rund eineinhalb Jahren von Saudi-Arabien und seinen Verbündeten, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Bahrain, boykottiert. Sie werfen dem Nachbarstaat undurchsichtige Beziehungen zum schiitischen Iran - ein Erzrivale des sunnitischen Saudi-Arabiens - sowie Unterstützung islamischer Extremisten vor. Katar wies die Vorwürfe mehrfach zurück. Mitte 2017 wurden die diplomatischen Verbindungen zum kleinen Emirat an der Ostküste der Arabischen Halbinsel gekappt und de facto auch eine Wirtschaftsblockade verhängt. Unter dem Embargo leidet vor allem die katarische Bevölkerung.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Durch den Konflikt ist auch die engere Zusammenarbeit des 1981 gegründeten Golfkooperationsrates (GCC) in Mitleidenschaft gezogen. Der GCC, bestehend aus Bahrain, Katar, Saudi-Arabien, Kuwait, dem Oman und den VAE, strebt eine Kooperation nach Vorbild der EU an. Seit der Krise 2017 stockt der Prozess jedoch. Katar verfügt über das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt und ist nicht nur Mitglied des GCC, sondern auch der Arabischen Liga. Im Jänner trat das Emirat in Folge des Streits mit Saudi-Arabien aus der in Wien ansässigen Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) aus.

Interessant ist Katar auch aus sportlicher Sicht. Das Land, knapp so groß wie Oberösterreich, ist vom 21. November bis 18. Dezember 2022 Gastgeber der nächsten Fußball-WM. Die FIFA brachte kürzlich eine Ausweitung der Gastgeberländer auf Nachbarstaaten des Emirats ins Spiel, da Katar eine geplante Aufstockung der teilnehmenden Teams alleine wohl nicht bewältigen könnte. Van der Bellen betonte im Vorfeld des Besuches des Emirs, er hoffe, dass sich die österreichische Nationalmannschaft für die WM 2022 qualifiziere.

Ungeachtet aller Bedenken klimatischer Natur konnte sich Katar bei der Vergabe der WM gegen die Mitbewerber Australien, Japan, Südkorea und den USA durchsetzen. Die 11.500 qkm große Halbinsel, ein flaches Stück Sand- und Steinwüste, das 150 Kilometer in den Persisch-Arabischen Golf hineinragt, gehörte ursprünglich zu den am meisten zurückgebliebenen Flecken der Region. Erst 1952 wurde die Sklaverei abgeschafft. Katar verfügt über riesige Gasreserven und ist seit weltgrößter Flüssiggas-Exporteur. Dem Kleinstaat gehört auch „Al-Jazeera“, der größte arabische TV-Nachrichtensender.

Das politische System Katars wird von der Herrscherfamilie dominiert, die mehrere tausend Mitglieder zählt und in verschiedene Zweige zerfällt. Von den schätzungsweise bis zu 2,36 Millionen Einwohnern des Emirats besitzen nur etwa 12 Prozent die katarische Staatsbürgerschaft.

Tamim bin Hamad Al-Thani übernahm das Amt des Staatsoberhaupt 2013 von seinem Vater Scheich Hamad Bin Khalifa al-Thani. Er ist mit drei Frauen verheiratet und hat zehn Kinder.


Kommentieren