Skandinavisches Fest: Wenn Norwegen plötzlich in Tirol liegt

Norwegische Fans, die seit 1997 jede WM besuchen, luden in Seefeld in ihre Zeltstadt ein und sorgten für das leibliche Wohl ihrer Gäste.

Bestens gelaunte norwegische Fans feierten beim „Tag der offenen Zelttür“.
© Domanig

Von Michael Domanig

Seefeld –Flatternde norwegische Flaggen, Wikingerhelme, Fans in aufwändigen Verkleidungen, lautstarke skandinavische Klänge aus den Boxen: Wer die kleine Zeltstadt gegenüber vom Hotel Berghof betritt, wähnt sich plötzlich nicht mehr in Seefeld, sondern im hohen Norden. Hinter dem außergewöhnlichen Fan-Camp steckt eine Gruppe von – im positivsten Sinne – verrückten norwegischen Fans.

Rund 35 Mann sind aus Saltnes im Südosten von Norwegen, unweit der schwedischen Grenze, angereist. Sie bleiben eine Woche lang – und an diesem Abend öffnen sie die Zelttüren für alle.

Die Gastgeber aus dem hohen Norden baute­n eine lange Tafel mit Köstlichkeiten aus ihrem Heimatland auf, jeder konnte sich kostenlos bedienen.
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Seit der Nordischen Heimweltmeisterschaft 1997 in Trondheim waren die treuen Fans bei jeder WM mit dabei, von Lahti bis Val di Fiemme, von Oberstdorf bis zur Rams­au – ja sogar in Sapporo verbreiteten sie nordisches Flair.

In Seefeld sei man aber zum ersten Mal, erzählt Pål Holt, gemeinsam mit Knut Rådal quasi der Hauptorganisator der spektakulären Fanreise. Wie es ihm gefällt? Statt einer Antwort deutet Pål mit glänzenden Augen auf die schneebedeckten Gipfel ringsum, die in der Spätnachmittagssonne aufleuchten. Was soll man da noch groß sagen?

Als Fan ist ihm eines wichtig: „Wir feuern nicht nur die Norweger an, sondern alle Athleten, ob aus Afrika, Japan – egal woher.“ Genauso großzügig und offen zeigen sich die Norweger an diesem Abend auch als Gastgeber: Sie haben eine lange Tafel aufgebaut, üppig gedeckt mit norwegischen Köstlichkeiten aller Art: spezielle Wurst- und Käsesorten, Lachs, Sursild (sauer eingelegter Hering) und mehr. Einige Schritte weiter servieren Köch­e warme Mahlzeiten. Auch Besonderheiten, die für Mitteleuropäer zunächst gewöhnungsbedürftig wirken, etwa Schafskopf oder Elchherz, fehlen nicht. An einer Bar gibt es Bier und Hochprozentiges, Heißgetränke brodeln über dem Lagerfeuer. Jeder, der kommt, darf sich kostenlos bedienen – sogar Stirnbänder und Kappen werden an die Besucher verteilt.

Möglich werde das durch norwegische Sponsoren, erklärt Pål, wobei sich diesmal erfreulicherweise mehr denn je beteiligt hätten. Zwei Container mit 6,5 Tonnen Gesamtgewicht habe man nach Seefeld mitgebracht, lacht Knut. Viel Arbeit, aber auch viel Spaß: „Wenn so viele Leute kommen und sich freuen, haben wir unsere Sache gut gemacht“, bilanziert Pål.

Rasch wird das Gelände immer voller. Auch eine Ober­österreicherin, die seit 14 Jahren in Seefeld lebt, ist gekommen, um diese Stimmung mitzuerleben: „Die Norweger sind sehr angenehme Gäste, friedlich und kommunikativ.“

Auch eine Gruppe von Schweizer Fans aus Val Müstai­r, ausgerüstet mit riesigen, rund 16 kg schweren Kuhglocken, steuert zielstrebig auf das (ausgeschilderte!) Gelände zu. Dieser besonders positiven, nichtkommerziellen Form der Fankultur kann man sich eben nicht entziehen.

Die norwegischen Nationalfarben waren omnipräsent.
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