“The Umbrella Academy“: Weltenretter sagen Klischees den Kampf an

Passend zum Start der Serie „The Umbrella Academy“ wurden auch die Comics, auf der die ungewöhnliche Superheldensaga basiert, neu aufgelegt.

Angehende Superhelden als verkorkste Familie: Die erste Staffel von „The Umbrella Academy“ ist auf Netflix aufrufbar.
© Netflix

Innsbruck –Noch ist Netflix Krösus unter den (beinahe) globalen Streamingdiensten. Aber das könnte sich in diesem Jahr ändern. Schließlich geht heuer das Abo-Angebot von Entertainment-Multi Disney online. Und das wirft schon jetzt seine Schatten voraus: Die Kontrakte von Disney und Netflix wurden gelöst, Marvel-Superhelden-Serien wie „Daredevil“ oder „Jessica Jones“ werden nicht fortgesetzt.

Bei der Suche nach zugkräftigem Ersatz wurde Netflix bei „The Umbrella Academy“ fündig, einer bislang dreiteiligen Comic-Reihe aus der Feder des einstigen My Chemical Romance-Sängers und Emo-Posterboys Gerald Way und des brasilianischen Illustrators Gabriel Bá. „Weltuntergangs-Suite“, der erste Band der „Umbrella Academy“, erschien 2007 und wurde ein Jahr später mit dem renommiertesten Comic-Preis überhaupt, dem Will-Eisner-Award, ausgezeichnet. Er ist die Vorlage der – vorläufig – ersten Staffel der gleichnamigen Serie, die seit Mitte Februar auf Netflix abrufbar ist. Mit dem Serienstart wurde auch der im deutschen Sprachraum seit Langem vergriffene Comic neu aufgelegt. Auch Band zwei, „Dallas“ – es geht auf gleich mehreren Zeitebenen um die Schüsse auf US-Präsident John F. Kennedy –, erlebt dieser Tage, liebevoll aufbereitet, sein Buchhandels-Comeback. Und dass auch die Netflix-Serie fortgesetzt wird, gilt als ausgemacht. Ehrlicherweise lässt der Cliffhanger nach zehn kurzweiligen Sechzigminütern kaum einen anderen Schluss zu.

Der Plot der Serie ist ebenso irrwitzig wie schnell umrissen: Sieben heillos verkorkste Superhelden – darunter eine von Ellen Page gespielte Violinenvirtuosin – haben wenige Tage Zeit, um die Welt zu retten. Das erfahren sie von einem greisen Zeitreisenden im Körper eines Teenagers – und das ausgerechnet am Grab ihres strengen Ziehvaters. Der hat die am selben Tag von offensichtlich nicht schwangeren Müttern zur Welt gebrachten Kinder einst adoptiert, ausgebildet – und ordentlich malträtiert.

Zeichner Gabriel Bá bekam für „The Umbrella Academy“ den Eisner-Award.

Nicht von ungefähr erinnert die Ausgangslage an Marvels „X-Men“. Sowohl Way und Bá als auch Serienschöpfer Steve Blackman („Fargo“) lieben es, Klischees vorzuführen und Genre-Standards ins Absurde zu drehen: Es kracht und knallt, Zombies drohen, Aliens toben – und ein Schimpanse serviert Kaffee. Weil dabei aber nicht nur Superhelden-Soße aufgekocht wird, sondern durchaus ernsthaft die Folgen von Demütigung und Trauma durchgespielt werden, ist „The Umbrella Academy“ um einiges kurzweiliger als der Einheitsbrei, den Netflix’ Marvel-Serien zuletzt auftischten. (jole)

Comic Gerard Way/Gabriel Bá: The Umbrella Academy: Weltuntergangs-Suite. Cross-Cult, 184 Seite, 22,70 Euro. Comic Gerard Way/Gabriel Bá: The Umbrella Academy: Dallas. Cross-Cult, 184 Seite, 22,70 Euro. The Umbrella Academy ist auf Net­flix aufrufbar.


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