1969-2019

Ein Feuer erlischt: „Firestarter“-Sänger Keith Flint tot

Keith Flint wurde nur 49 Jahre alt.
© AFP

Von Underground-Raves auf die großen Bühnen der Welt: Mit der britischen Band The Prodigy brachte er es zu weltweitem Erfolg. Eine ganze Generation erinnert sich an Keith Flints Auftritt als Teufel. Er wurde 49 Jahre alt.

London — Punk-Frisur, schwarzer Kajal um die Augen und Piercings: Kritiker haben Keith Flint oft als Ikone der harten elektronischen Musik bezeichnet. In den 90ern stürmte er mit seinen Band-Kollegen von The Prodigy die Charts. "Ich bin wie ein Haus mit einem Flur", hat Flint einmal über sich geschrieben.

"Du denkst, Du seiest schon drinnen, doch dann muss man für das echte Ich noch eine Tür öffnen - und das kann zu etwas Gutem oder Schlechtem führen." Am Montag ist der britische Sänger tot aufgefunden worden. Er wurde 49 Jahre alt.

The Prodigy, die im englischen Braintree zusammenfanden, sahen zwar aus wie Punks - allen voran Flint mit damals an grüne Teufelshörner erinnernder Frisur. Sie setzten aber nicht auf Gitarre und Schlagzeug, sondern auf Samples. Es entstand eine Musikrichtung irgendwo zwischen Hardcore, Techno und Rock. "Ich bin wie der Kerl, der bei einem Auftritt aus dem Publikum auf die Bühne springt und sich nicht vertreiben lässt", beschrieb es Flint. "Auch für diesen Kerl spielen wir."

Als Tänzer zur Band gekommen

Eigentlich war Flint als Tänzer zu der Gruppe gestoßen. Später übernahm er aber dazu Gesang und Rap. Auch sein Text machte den Song "Firestarter" zu einem Meilenstein. Sein Auftritt als verrückt umherzappelnder Teufel im dazugehörigen Schwarz-Weiß-Musikvideo blieb in den Köpfen einer Generation hängen.

Brachialer Klang, heftige Videos und als anstößig empfundene harsche Wortwahl brachte der Band Kritik, aber eben auch viel Aufmerksamkeit und Erfolg ein. Flint wurde mit seinen energiegeladenen Auftritten zum Gesicht der Gruppe. In einem Beitrag für die Zeitung "The Guardian" schrieb er über sich selbst: "Die Leute denken oft, dass dieses ganze Energiegeladene nur für die Bühne ist, aber das bin einfach ich." Seiner punkigen Art wegen sei er schon von der Schule geflogen.

Flint war nicht nur Motorradfahrer. Dem Adrenalinjunkie gehörte auch ein Motorsport-Team, mit dem er sogar einige Siege verbuchen konnte. "Ich kann recht selbstzerstörerisch sein, wenn man mich allein lässt, darauf muss ich achten", schrieb er für den "Guardian". Er sei immer durstig nach mehr - würde er nichts tun, er würde explodieren.

Erst im Oktober war das siebente Album von The Prodigy erschienen. Für dieses Jahr standen weltweit schon zahlreiche Konzerttermine an. In Österreich hatten sie zuletzt am Nova Rock im vergangenen Juni eine mitreißende Show geliefert.

Viele Reaktionen auf Social Media

Am Montag schrieb dann Band-Kollege Liam Howlett auf Instagram: "Unser Bruder Keith hat sich am Wochenende das Leben genommen. Ich bin geschockt, scheißwütend, verwirrt und mein Herz ist gebrochen. R.I.P Bruder Liam."

Auch auf Twitter waren vielen Reaktionen auf den Tod Flints zu lesen. Ed Simons vom Elektronik-Duo Chemical Brothers zeigte sich betroffen vom Tod Flints. "Mein Gott, so traurig von Keith Flint zu hören", schrieb Simons auf Twitter. "Großartiger Mann". Das früher vor allem für Post-Punk-Musik bekannte Londoner Label Rough Trade schrieb: "Ikone, furchtlos, Firestarter. Ruhe in Frieden Keith Flint."

Flint wurde Berichten zufolge am Morgen leblos in seinem Haus in der englischen Grafschaft Essex gefunden. (APA/dpa)