Ermittlungen gegen Denifl, ÖRV fordert lebenslange Sperren
Laut Anklagebehörde zeigte sich der Tiroler Radprofi Denifl bei seiner Einvernahme geständig. Weitere Sportler oder Sportarten sind vorerst nicht ins Visier der Behörden gerückt. Unterdessen spricht sich der Rad-Verband (ÖRV) für eine Verschärfung der Sanktionen gegen Dopingsünder aus.
Innsbruck - Die Ermittlungen der Innsbrucker Staatsanwaltschaft nach der Doping-Razzia bei der Nordischen WM in Seefeld dauern an. Die Hausdurchsuchungen und Einvernahmen hätten indes keine neuen Verdachtsmomente über den bekannten Personenkreis hinaus gebracht, sagte Sprecher Thomas Willam am Montag. Indes wurden erstmals offiziell Ermittlungen gegen den Tiroler Radprofi Stefan Denifl bestätigt. Der 31-Jährige soll bei Einvernahmen zugegeben haben, die Methode des Blutdopings angewandt zu haben. Bisher hatte die Anklagebehörde den Namen Denifl nicht ausdrücklich genannt, sondern lediglich von einem Tiroler Radsportler gesprochen.
Der Verdacht gegen den Gewinner der Österreich-Radrundfahrt 2017 hatte sich im Zuge der Ermittlungen gegen den deutschen Sportmediziner nach den Doping-Razzien in Seefeld und Erfurt erhärtet. Am Freitag wurde Denifl schließlich einvernommen. Dabei zeigte er sich laut Anklagebehörde geständig. Anschließend wurde der Tiroler wieder enthaftet.
Weitere Sportler oder Sportarten seien vorerst nicht in das Visier der Ermittlungen zumindest der Tiroler Behörden gerückt, so Willam. Die Selbstanzeige des steirischen Radprofis Georg Preider habe jedenfalls nichts mit der Razzia in Seefeld zu tun. Der Name Preidler sei auch bei den Vernehmungen der kurzfristig festgenommenen fünf Langläufer, darunter die Österreicher Max Hauke und Dominik Baldauf, und Komplizen nicht genannt worden. Man sei jedenfalls weiterhin mit der Auswertung der Ermittlungsergebnisse beschäftigt und warte zudem auf jene in Deutschland, erklärte der Staatsanwaltschaftssprecher.
ÖRV für hartes Durchgreifen gegen Dopingsünder
Der Österreichische Radsport-Verband (ÖRV) fordert nach den neuerlichen Dopingfällen eine unmittelbare Verschärfung der Gesetzeslage. Bei Betrugsabsicht sollten lebenslange Sperren für Radprofis durchgesetzt werden, hieß es in einer ÖRV-Stellungnahme vom Montag. Außerdem verwies man auf die eigene, strikte „Null-Toleranz-Haltung" gegenüber Doping.
Der ÖRV und all seine Mitarbeiter würden das Vorgehen der betroffenen Radsportler „unmissverständlich" verurteilen, man sei aber gegen kriminelle Absichten im persönlichen Umfeld des Sportlers nicht geschützt. „Der ÖRV distanziert sich von jeder betrügerischen Methode der Leistungssteigerung und steht nach wie vor zu seiner 'Null Toleranz'-Haltung. Das umfasse die Nichtberücksichtigung verurteilter SportlerInnen in den Kadern des ÖRV und keine Beschäftigung von Trainern oder Funktionären mit Doping-Vergangenheit im ÖRV.
Für die unmittelbare Zukunft fordere man die Verschärfung der Gesetzeslage (bei Betrugsabsicht folgt lebenslanges Berufsverbot als Radsportler), zusätzliche Mittel für die weitere Verdichtung der Doping-Bekämpfung (Zusammenarbeit mit der nationalen Anti-Doping-Agentur, NADA) und deutliche Thematisierung mit den zuständigen internationalen Verbänden (Weltradsportverband, Internationale Anti-Doping-Agentur, WADA). (TT.com,APA)