Paar vor Gericht: Mit dem Kinderwagen zu Kokainkunden
Ein 37-jähriger Koch soll teils unter Mithilfe seiner kolumbianischen Ehefrau laut Anklage von 2013 bis zur Verhaftung rund 10,5 Kilogramm Kokain mit 70-prozentigem Reinheitsgehalt nach Tirol dirigiert und verkauft haben.
Im Oktober wurde bei Innsbruck ein nach außen hin unauffälliges Paar festgenommen. Ermittlungen und Observationen hatten für die Staatsanwaltschaft ergeben, dass es sich bei beiden um besonders dicke Fische im Tiroler Kokain-Teich handeln würde. So soll der 37-jährige Koch teils unter Mithilfe seiner kolumbianischen Ehefrau laut Anklage von 2013 bis zur Verhaftung nicht weniger als 10,5 Kilogramm Kokain mit 70-prozentigem Reinheitsgehalt nach Tirol dirigiert und verkauft haben. Dadurch sei ein Gewinn von 740.000 Euro erzielt worden, wobei alleine die Frau seit 2016 121.390 Euro nach Kolumbien und Ecuador überwiesen hatte. Die Frau soll ihren Mann übrigens bei den Drogengeschäften nicht nur unterstützt haben, indem sie bei Abnehmern abkassiert hatte, sondern hätte den 37-Jährigen zur perfekten Tarnung sogar mit der eineinhalbjährigen Tochter im Kinderwagen bei Auslieferungsfahrten begleitet. Am Montag kommt es nun am Landesgericht zum Prozess – bis zu 15 Jahre Haft drohen. Verteidiger Mathias Kapferer betont auf Anfrage der TT, dass zur Anklage bislang keine vollen Geständnisse vorliegen würden. Insbesondere die Frau habe Mitwissen und Beteiligung in Abrede gestellt. Schon bei den Ersteinvernahmen hatte die Kolumbianerin ausgesagt, dass „in ihrer Heimat eine Frau nicht nachfragt, woher das Geld stammt, solange der Mann gut für die Frau sorgt“. Für das Paar gilt die Unschuldsvermutung.
Dass sich auch eher kleinere Betrugshandlungen in ihrer Summe für einen Vorbestraften zu einer heftigen Strafe summieren können, zeigte am Landesgericht ein Betrugsprozess gegen einen 31-jährigen Unterländer. Bereits zu 30 Monaten verurteilt, musste sich der zuletzt pfuschende Arbeiter gestern erneut verantworten. Um mit einem Pizzaautomaten auf der Maria-Theresien-Straße zum Jungunternehmer zu werden, lockte er einem Investor erst 5800 Euro heraus. Der Erfolg sollte freilich auch im Privaten sichtbar werden. Ein Kleinwagen für die Freundin wurde angeschafft, die Zahlungsbestätigung war jedoch gefälscht. Zuletzt sorgte ein Urlaubsflug mit den Kreditkartendaten einer Bekannten für strafrechtliche Relevanz und stolze 51 Monate Gefängnis. Zu den schon verhängten 30 Monaten kamen gestern nämlich zehn dazu, einst bedingt ausgesprochene elf Monate wurden ebenfalls widerrufen.
Zu 16 Monaten Haft wurde ein bereits einschlägig vorbestrafter Innsbrucker für den Besitz von 111 Kinderpornodateien, versuchten sexuellen Kindesmissbrauch von Jugendlichen über Online-Chat sowie Kindesentziehung verurteilt. Der 45-Jährige hatte drei Heimkinder bei sich untergebracht, obwohl nach den Abgängigen bereits gesucht worden war. (fell)