Die EU will eine Pflicht zum Gratis-Wasser im Gasthaus
Die EU-Kommission fordert eine Pflicht zum Gratis-Wasser im Restaurant. Wirte und Regierung lehnen diesen Vorschlag ab. EU-Spitzenkandidat Andreas Schieder (SPÖ) spricht sich dafür aus.
Von Stefan Eckerieder
Wien, Brüssel –Seit Jahren ist das Thema umstritten: Soll man im Restaurant für Leitungswasser zahlen müssen, oder sollte es dem Gast gratis zustehen? Ein aktueller Vorschlag der EU-Kommission sowie vom aktuellen Ratsvorsitzenden Rumänien verlegt die Entscheidung dafür auf EU-Ebene. Neben dem Recht auf sauberes Trinkwasser ist darin auch das Recht auf Gratis-Leitungswasser in Restaurants verankert. Österreich, vertreten durch Umwelt- und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, will der Richtlinie im heutigen Umweltrat in Brüssel nicht zustimmen.
„Wir wollen nicht, dass Brüssel darüber entscheidet, was wir mit unserem Wasser machen“, heißt es dazu aus dem Umweltministerium auf TT-Anfrage. Anders sieht das Andreas Schieder, EU-Spitzenkandidat der SPÖ. Wichtig sei, dass alle immer Zugang zu Wasser haben. „Ich bin deshalb absolut dafür, dass wir Gratis-Wasser in Lokalen und Gasthäusern ermöglichen. Wasser ist schließlich kein Luxusprodukt, sondern für alle da“, fordert er Köstinger auf, der Richtlinie zuzustimmen.
Gegen eine gesetzliche Verordnung zum Gratis-Wasser im Restaurant spricht sich Alois Rainer, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Tiroler Wirtschaftskammer, aus. In der Praxis sieht er das Thema jedoch weit weniger emotional. „Das hängt immer vom Ausmaß ab. Als Beigetränk zu Kaffee oder Wein ist das okay. Wenn nur Wasser konsumiert wird, wird es schwierig“, sagt Rainer. „Die Dienstleistung muss dann verrechnet werden“, sagt der Gastronom, der sich aber die Einrichtung von Gratis-Wasserbrunnen vorstellen kann.
Köstinger hat indes wenig Verständnis für die Kritik Schieders. Schließlich lehnen auch die SPÖ-geführten Bundesländer Burgenland, Kärnten und Wien in einer Stellungnahme die vorliegende Trinkwasserrichtlinie ab. „Es gibt kein Land in Europa, das diesen freien Zugang umfassender hat als Österreich. Bei uns kann man aus jedem Wasserhahn das Wasser trinken.“ Dagegen wolle die SPÖ offenbar weitere Kompetenzen nach Brüssel abgeben.
Die Trinkwasserrichtlinie legt Qualitätsnormen für Wasser für den menschlichen Gebrauch fest. Deutschland habe ein Maßnahmenprogramm für Bleirohre vorgeschlagen, das einen Wert von nur fünf Mikrogramm Blei vorsehe. Dies sei die Hälfte der von der WHO vorgeschlagenen zehn Mikrogramm. Unter anderem deshalb wolle Österreich nicht zustimmen, kritisierte Schieder.
Auch der Zugang zu Wasser soll geregelt werden. Konkret heißt es, dass besonders verletzliche und ausgegrenzte Gruppen Möglichkeiten des Zugangs zu Trinkwasser haben müssten. Ausgegangen ist die Debatte von der ersten EU-Bürgerinitiative „Right to Water“. Eine Einigung unter den 28 EU-Staaten zur Trinkwasserrichtlinien-Überarbeitung wurde eher nicht erwartet.