EBEL

Der HCI und die Hoffnung auf einen korrekten Abgang

Für den ein oder anderen Hochkaräter wie Andrew Yogan oder Andrew Clark naht der Abgang aus dem Innsbrucker Haifischbecken.
© gepa

Nach dem 1:3 gegen Villach ist das Spiel mit der Play-off-Chance für die Innsbrucker Haie bereits aus. Die Abschiedstournee einer verpatzten Saison geht heute (19.15 Uhr) mit dem Heimspiel gegen Linz weiter.

Von Alex Gruber

Innsbruck – Die erste Saisonniederlage gegen Villach im sechsten Match untermauerte nichts anderes als den Eindruck der letzten Wochen – nämlich, dass der Pfeil bei den blutleeren Innsbrucker Haien stetig nach unten zeigt. Statt in der Qualifikationsrunde noch einmal den letzten Strohhalm zu ergreifen, rückte man sich mit vier Niederlagen in fünf Spielen in ein äußerst düsteres Licht.

„Dass es in der Quali-Runde schwer wird, war klar. Wir haben die Erwartungen nicht erfüllt – in allen Bereichen“, meldete sich Haie-Obmann Günther Hanschitz gestern deutlich zu Wort. Ein Telefonat mit einem völlig enttäuschten Cheftrainer Rob Pallin hatte er dabei bereits geführt: „Er ist am Boden.“

Hanschitz: „Mehr Geld wird‘s nicht geben“

Für die neue Saison kündigen sich nicht nur kleine Veränderungen an. „Ich will Spieler, die über 60 Meter am Eis arbeiten“, hatte Pallin bereits vor geraumer Zeit vermerkt. Das legt den Abschied der offensivstarken Topscorer Andrew Clark (65 Punkte) und Andrew Yogan (56, davon 31 Tore) nahe. „Imports, die keinen Vertrag mehr bekommen, bringen nicht mehr diese Leistung“, hat auch Hanschitz längst Kenntnis von gewissen Dingen am Eis bekommen. „Alle wollen bleiben, aber mehr Geld wird’s bei dieser Platzierung nicht spielen“, stellt das Haie-Oberhaupt deutlich klar. Zumal das Budget eher kleiner als größer werden wird.

Die ganz große Analyse – „Das bringt jetzt nichts, das werden wir ab nächster Woche aufarbeiten“ – verschiebt er intern nach hinten, zumal noch drei Partien in der Qualifikationsrunde warten. Und nach derzeitigem Stand kämpfen alle drei Gegner wie Linz, Dornbirn (Freitag) und Znojmo (Sonntag) noch um ein Play-off-Ticket.

„Wir sind in dieser Woche womöglich noch das Zünglein an der Waage. Und der Respekt gegenüber den anderen Klubs fordert ein, dass wir uns ordentlich präsentieren“, stellt Hanschitz klar. Eine These, die auch Flo Pedevilla unterstreicht: „Es geht jetzt um eine adäquate Arbeitseinstellung und Respekt gegenüber dem Sport. Wir sind es aber vor allem unseren Fans schuldig, die haben heuer mit uns nicht viel zu lachen gehabt. Ich hoffe, wir können in dieser Woche für einen versöhnlichen Abschluss sorgen.“

Zu welchen Maßnahmen Rob Pallin noch greift, wird man heute in der Tiwag-Arena sehen. Trotz des letzten Tabellenplatzes nimmt Hanschitz seinen 52-jährigen Cheftrainer, der noch einen Vertrag für die neue Saison besitzt, in Schutz: „Er hat in den vergangenen beiden Jahren mit der zweimaligen direkten Qualifikation fürs Play-off neue Euphorie entfacht. Diese Saison ist es nicht so gut gegangen. Aber ich glaube schon, dass er das Schiff wieder zum Laufen bekommt.“

Team und Spirit kamen nie zustande

Ob die Haie vor den treuen Fans noch zweimal in der Tiwag-Arena heißlaufen, steht in den Sternen. Nach drei aufgelösten Try-out-Verträgen (die beiden Goalies Matt Climie und Janne Juvonen sowie Verteidiger Jonathan Carlsson), zwei vorzeitigen Trennungen (Levko Koper und Lubomir Stach) und Neuerwerbungen (Tomas Kudelka, Tomas Netik), die nicht mehr viel brachten, kam in dieser Saison nie ein echtes Team und damit auch nie der nötige Spirit zustande.

Platzierungsrunde: Im Kollektiv haben sich da die Vienna Capitals wieder ganz stark gefunden. Nach Grunddurchgangssieger Graz lösten die Caps mit einem 6:2-Sieg gegen Fehervar am Sonntag als zweites Team das Ticket für die Champions Hockey League. Ein drittes Mal können sie heuer aber nicht die Haie als Wunschgegner im Viertelfinale ziehen ...

Kommentar: Haie müssen in jeder Ecke kehren

Von Alex Gruber

Drei Spiele stehen in dieser Saison für die Haie noch aus, doch man ist schon längst reif für die Insel. Das stetige Beschwören, eine Top-sechs-Mannschaft – nicht wenige sprachen sogar vom Top-vier-Team – zu stellen, zog einem über enttäuschende Wochen und Monate ebenso den Nerv wie die Tauschvorgänge, die keine Wirkung entfachten: Zwischen dem ersten Try-out-Vertrag mit Goalie Matt Climie und der letzten Neuerwerbung (Sturm-Oldie Tomas Netik) stellte sich nie ein Flow-Zustand ein, der die Haie ein drittes Mal in Serie ins Play-off tragen hätte können. Für das haben einige Cracks klar zu wenig geliefert. Und an der „Nebenfront“ wurde zwischen Teilen des Vorstands und dem Trainer diskutiert. Die Chemie ging nicht nur am Eis verloren.

Wie man aus weniger mehr macht, wurde in den beiden Vorsaisonen bestätigt. Wie man aus etwas mehr – die Haie starteten mit 13 Legionären in die Saison und beenden sie mit ebenso vielen – so gut wie nichts macht, wurde in dieser Spielzeit bewiesen. Nach zwei Schritten nach vorne machte man wieder einen Doppelsalto zurück. Die Haie tun vom Trainerstuhl (als Letzter darf man nicht bei vielen Klubs bleiben), der Mannschaftskabine bis in die Geschäftsstelle gut daran, überall mit dem Besen zu kehren. Mit Halbwahrheiten, die jetzt die Topscorer wie Yogan und Clark (Wieviel Freude haben die auch bereitet?) als Schuldige belasten, darf man sich auf keinen Fall trösten. Es geht darum, wieder ein tatkräftiges Team zu bauen – und da steht jetzt Rob Pallin in der Pflicht.