Weltfrauentag

Engel & Völkers: PR-Desaster zum Weltfrauentag

Der Vorstand von Engel & Völkers - selbst rein männlich - schwärmt zum Frauentag über beeindruckende Frauen.
© Screenshot Facebook

Der Vorstand des Immobilienvermittlers fand anlässlich des Weltfrauentages lobende Worte für Frauen — besteht selbst aber aus fünf Männern. Im Netz hagelt es Kritik. Inzwischen hat sich das Unternehmen für den “Fehler“ entschuldigt.

Innsbruck — „Hat irgendjemand Ihren Account gehackt?" Mit dieser und ähnlichen ungläubigen Reaktionen sieht sich der Immobilienvermittler Engel & Völkers nach einer offenbar gründlich misslungenen PR-Aktion zum Weltfrauentag am 8. März konfrontiert.

Das Unternehmen, das in mehr als 30 Ländern vertreten ist und auch eine Filiale in Innsbruck betreibt, wollte sich zum Tag der Gleichberechtigung wohl als besonders frauenfreundlich präsentieren. Dazu veröffentlichte es an Montag auf seiner Website Statements seiner Vorstandsmitglieder, welche Frauen sie am meisten beeindruckten.

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Neben der ehemaligen Yahoo-Chefin Marissa Mayer, der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholl wurden auch die eigene Mutter oder Großmutter oder die „ehemalige Nachbarin" genannt. Ein CEO nannte zudem „unsere vielen weiblichen Immobilienmaklerinnen, die den Balanceakt zwischen Beruf und Familie meistern" und betonte deren „emotionale Intelligenz".

Zwischen zwei Stock-Fotos von Frauen fand sich über dem Beitrag ein Gruppenbild des Vorstands. Dieser besteht aus fünf Männern.

Ungläubige Reaktionen im Netz

In den sozialen Medien schlägt dem Unternehmen eine Welle der Kritik entgegen. „Frauen, die hinter der Familie her putzen und Kinder hüten sind eure Vorbilder? Warum zum Teufel folgt ihr dann den Vorbildern nicht und hockt zu Hause, um eure Kinder großzuziehen?", fragt eine Facebook-Nutzerin. „Realität schlägt Satire", kommentiert ein User den Beitrag auf Twitter. „Für den 1. April seid ihr leider etwas früh dran", hofft eine andere Userin auf einen Scherz.

Der Tenor: Das Thema Gleichberechtigung zwar für PR-Zwecke zu nutzen, selbst jedoch keine einzige Frau in der Unternehmensführung zu haben, sei schamlos und ziemlich daneben.

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Unternehmen entschuldigt sich

Am Dienstag reagierte Engel & Völkers schließlich auf die Kritik: "Unser gestriger Beitrag verfehlte sein Ziel, Frauen in den Vordergrund zu stellen. Dies und nichts anderes ist im Rahmen des Weltfrauentags angemessen. Das war ein Fehler unsererseits und tut uns außerordentlich leid", schrieb das Unternehmen unter seinen Beitrag, der wenig später ganz von der Facebook-Seite verschwand. Zudem wurde das Vorstands-Foto aus dem Beitrag auf der Homepage gelöscht.

Immer wieder PR-Fehlgriffe zum Weltfrauentag

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Aktion eines Unternehmens zum Weltfrauentag für Empörung sorgt. Erst im vergangenen Jahr hagelte es etwa Kritik an den Österreichischen Bundesbahnen, die am 8. März am Innsbrucker Bahnhof Schminkspiegel verteilten.

Ebenfalls im Vorjahr sah sich die Drogeriemarktkette Bipa mit einem regelrechten Shitstorm konfrontiert, als sie zum Weltfrauentag mit 25 Prozent Rabatt auf Putzmittel warb. Auf dem Sujet war ein Mann mit Schürze, Schwamm und Gummihandschuhen zu sehen — dazu der Text „Ich pack im Haushalt mit an". Auch Rabatt-Aktionen auf Mode und Beauty-Produkte gehen nach Ansicht vieler Verfechterinnen von Frauenrechten an der Idee des Weltfrauentages vorbei. (ema)