Religion bei Job in der Kirche wichtig
Als so genannter Tendenzbetrieb darf die Kirche als Arbeitgeber ihre Bewerber nach ihrer Religionszugehörigkeit fragen. Die katholischen Diözesen beschäftigen rund 158.000 Mitarbeiter.
Von Nina Zacke
Innsbruck –Einem alten Sprichwort zufolge kann Glaube Berge versetzen. Rechnungen bezahlt er aber keine. Doch die römisch-katholische Kirche ist österreichweit mit etwa fünf Millionen Mitgliedern nicht nur die größte Glaubensrichtung, sondern ein wichtiger Arbeitgeber. Und das nicht nur für den Klerus. Laut Kirchenstatistik 2017 entfällt der Großteil der Ausgaben der katholischen Diözesen in ganz Österreich mit knapp 320 Millionen Euro auf Personalkosten, in Tirol sind es ca. 24 Millionen. Das sind österreichweit in etwa 123.000 Vollzeitstellen und nochmals 14.000 Fulltimejobs an ehrenamtlicher Arbeit, so das Ergebnis einer Studie des Instituts für Höhere Studien und des Joanneum Research.
Und das Jobangebot ist entsprechend universell: Neben den klassischen Berufen im Kirchenkontext wie Priester, Pastoralassistenten oder Ordensschwestern bietet die römisch-katholische Kirche deutlich mehr Arbeitsplätze in anderen Berufsgruppen an. So arbeiten Rezeptionisten, Kindergartenpädagoginnen, Seelsorger und Redakteure, aber auch Putzfrauen, Köche oder Büroangestellte in Österreich im Namen Christi. Wer sich bei einer kirchlichen Einrichtung bewirbt, sollte damit rechnen, nach seiner Religionszugehörigkeit gefragt zu werden. Denn Kirchen sind so genannte Tendenzbetriebe, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch religiöse Ziele verfolgen. So gilt es nicht als Diskriminierung, Bewerber danach zu fragen, ob sie sich mit dem Grundauftrag der Kirche identifizieren oder ihr persönliches Leben aus dem Glauben gestalten.
Allerdings gelte das nicht für alle Tätigkeiten, sagt der Arbeitsrechtler Bernhard Achatz von der Tiroler Wirtschaftskammer. Für den Pastoralassistenten ist ein Taufschein verpflichtend, weil seine Arbeit einen direkten Bezug zur kirchlichen Glaubensrichtung hat. Anders sehe es bei der Putzfrau oder dem Koch aus: Sie müssen nicht katholisch sein. „Denn beim Koch geht es nicht um eine Glaubensvermittlung, sondern darum, dass er gute Mahlzeiten kocht – im Gegensatz zum Pastoralassistenten“, präzisiert Reinhard Grübl. Grübl selbst ist mittlerweile im elften Jahr bei der Diözese als Matrikenreferent und Lehrlingskoordinator tätig. Vorher arbeitete der Diözese-Mitarbeiter zehn Jahre lang in der Tiroler Privatwirtschaft und hat somit einen guten Vergleichswert zwischen dem Arbeitgeber Kirche und anderen Arbeitgebern.
So sieht der studierte Theologe den größten Unterschied darin, dass sich „die Kirche schwertut, einem Mitarbeiter, der seine Leistung nicht bringt, zu verstehen zu geben, dass er hier nicht am richtigen Platz ist“. Das sei in der Privatwirtschaft leichter, sagt Grübl. Einen möglichen Grund sieht er darin, dass es innerhalb der Diözese lange Arbeitsverhältnisse gibt. „Die Mitarbeiter sind 20, 30 Jahre oder noch länger dabei, kennen nichts anderes und können sich nicht vorstellen, wie es draußen zugeht“, kritisiert er. Dies gilt nicht für Sarah Wieser. Vor ihrer Arbeit als Pfarrsekretärin war die Völserin in einer Steuerberatungskanzlei tätig und kennt demnach beides. Die 34-Jährige arbeitet gern für die Diözese Innsbruck und war schon als Kind in die Kirche eingebunden. Als Ministrantin, dann in der Jungschar als Gruppenleiterin und als Leiterin der Sternsinger-Aktion, ehrenamtlich, versteht sich.
Für die junge Frau ist die Arbeit als Pfarrsekretärin ein Bürojob wie jeder andere. Von klassischen Bürotätigkeiten über die Matrikenführung und die Verwaltung der Pfarrkartei bis hin zu Parteienverkehr fällt dabei in ihr Aufgabengebiet. Dass der Job in der Kirche neben schönen Momenten wie der Taufvorbereitung mit den Eltern und dem Nachwuchs aber auch Schattenseiten mit sich bringt, erzählt die 34-Jährige aus ihrem Berufsalltag: „Es gibt Situationen, in denen Leute bei mir im Büro stehen und mich beschimpfen, weil sie ihren Ärger gegenüber der katholischen Kirche loswerden wollen.“
Für derartige oder andere belastende Situationen, wie Trauerarbeit, die Begegnung mit Obdachlosen oder Flüchtlingen, besteht für Diözese-Angestellte die Möglichkeit zu Supervisionen. Darüber hinaus gibt es viele Weiterbildungsmöglichkeiten, ein jährliches Fortbildungsregulativ oder jährliche Treffen zum Austausch. Wenn Sarah Wieser neuen Bekanntschaften erzählt, dass sie bei der Diözese arbeitet, reagieren viele sehr überrascht und oftmals kommt dadurch eine Kirchenbeitragsdiskussion ins Rollen. Und auch Reinhard Grübl gesteht, dass er sich privat schon der einen oder anderen Diskussion stellen musste. Aber beide nehmen es gelassen. Denn das gehört wohl einfach dazu, wenn die Kirche der Arbeitgeber ist.