Auf das Skifahren abfahren
Rund 50.000 Kinder und Jugendliche sind im Rahmen des Turnunterrichts jährlich auf den Skipisten unterwegs. „Darum beneiden uns wohl viele“, sagt Tirols oberster Schulsportler Wolfgang Oebelsberger.
Von Sabine Hochschwarzer
Innsbruck –Ski oder Schi? Wie auch immer man es in der Deutschstunde schreibt, im Schulfach Bewegung und Sport fährt man längst darauf ab. „Wo sonst erlaubt es der Unterricht, mit seinen Schulkollegen Zeit in der freien Natur zu verbringen und dabei einer spektakulären Sportart nachzugehen? Darum beneiden uns wohl viele außerhalb von Tirol“, schwärmt Wolfgang Oebelsberger.
Als Fachinspektor für Bewegungserziehung und Sport in der Bildungsdirektion Tirol (ehemals Landesschulrat) rührt er rührig die Werbetrommel für mehr Bewegung – und bewegte mit Erfolg. Seit 2005 fahren Tirols Schüler dank der Initiative „Skifahr’n“, einer Kooperation mit den heimischen Seilbahnunternehmen, gratis Ski bzw. ab der neunten Schulstufe um fünf Euro. Rund 50.000 Schüler würden dieses Angebot inklusive vergünstigter Ausrüstungsaktion jährlich nutzen, rechnet Oebelsberger vor: „Damit sich wirklich jeder den Spaß leisten kann.“
Besonders freut den 64-Jährigen die Entwicklung an den Volksschulen: „Auch dank des organisatorischen Mehraufwands der Direktoren und Lehrer sind rund zwei Drittel aller Volksschüler auf den Pisten unterwegs. Tendenz steigend.“
Eine von Landesschulrat und Institut für Sportwissenschaften der Universität Innsbruck durchgeführte Umfrage unter 6250 Eltern von Volksschulkindern belegt zudem: 94,9 Prozent halten es für wichtig, dass ihr Kind Ski fahren kann, 91,9 Prozent befinden Schulskikurse an Volksschulen für sinnvoll. „Dadurch haben Kinder die Wahl, diesen Sport später auszuüben oder nicht. Denn wie heißt es so schön: Was Hänschen nicht lernt ...“, sagt Oebelsberger.
Möchte man ein Bild davon zeichnen, was „in“ der Schule im Bereich Wintersport alljährlich alles möglich gemacht wird, reicht ein stellvertretender Blick ins Kühtai – zum inzwischen traditionellen X-Day. Bei den Ski- und Boardercross-Rennen steht der olympische Gedanke „Dabei sein ist alles“ im Vordergrund. Die Schüler treten nicht einzeln, sondern als Teams an und jene, die nicht am Rennen teilnehmen, unterstützen als aktive Fans und genießen den Skitag. Im Rahmenprogramm gab es heuer eine Station des Projekts „Sei dabei – Sport schafft Raum für Inklusion“, an der Wintersportgeräte für Menschen mit und ohne körperliche Beeinträchtigung unter Anleitung ausprobiert werden konnten. Adaptierte Skibobs beispielsweise oder Mono- sowie Bi-Ski und Skibikes. „Wetter, Schnee und Pisten waren auch noch traumhaft – das waren die Tüpfelchen auf dem i“, schwärmte der Fachinspektor von einem Traum-Tag für die rund 1500 teilnehmenden Schüler und Lehrer.
Als weiterer traditioneller Höhepunkt des winterlichen Schulsports gingen auch heuer die Ski-Meisterschaften in Szene – am Spieljoch in Fügen. „Da geht es immer hoch professionell zu“, beschreibt Oebelsberger den Riesenslalom, bei dem sich die besten Skifahrer der jeweiligen Schulen messen. Am Ende zählt das Mannschaftsergebnis und da hatten in den verschiedenen Altersstufen die Rennläufer der NMS Alpbach und der NMS Zell/Ziller, des BG/BRG Reutte sowie der HTL Jenbach die Skispitzen vorne. „Damit entsendet Tirol ein starkes Team zur Bundesmeisterschaft nach Schladming“, beschwört Tirols oberster Schulsportler.
Für den Sommer ist indes schon angerichtet, der Kalender steht längst, die ersten Wettkämpfe sind bereits in Gang. Für Oebelsberger läuft mit Schulschluss indes die Zeit ab, er geht in Pension. Was die Zukunft in Sachen Schulsport bringt, ist allerdings noch weitestgehend offen.