Appell ans Land: „Wir müssen dringend die Pflege zuhause stärken“
Der Obmann des Thaurer Sozialvereins appelliert ans Land, pflegende Angehörige mehr zu unterstützen. LR Tilg will „Kümmerer“ etablieren.
Thaur –„Pflegende Angehörige brauchen dringend mehr Unterstützung“, lautet der Appell von Romed Giner. Er ist Obmann des 2008 gegründeten Sozialvereins Thaur – und als solcher laufend mit Anfragen zum Thema Pflege konfrontiert: Der Verein unterstützt Thaurer u. a. bei Pflegegeldanträgen, verleiht kostenlos Heilbehelfe wie Krankenbetten oder Rollstühle – und hilft speziell pflegenden Angehörigen.
Auch wenn man in Thaur gut aufgestellt sei: Aufgrund seiner langjährigen Praxiserfahrung kommt Giner zum Schluss, dass pflegende Angehörige „oft auf weiter Strecke mit ihren Problemen alleingelassen werden bzw. nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen.“ Ein Großteil der Betroffenen kenne sich „überhaupt nicht aus“, weil es ihnen an Informationen und direkten Ansprechpartnern fehle: „An wen kann ich mich wenden? Welche Angebote gibt es überhaupt?“
Aus Giners Sicht bräuchte es daher „in jeder Gemeinde bzw. auch für zwei oder drei Gemeinden gemeinsam einen fix installierten Ansprechpartner“, der pflegende Angehörige bzw. Pflegebedürftige gezielt beraten kann, über die nötigen Kontakte und Informationen verfügt und als Anlaufstelle dient, wenn es etwa um Pflegegeldanträge oder Behördenabläufe geht. Giner appelliert an die Landespolitik, die Einrichtung solcher „Kümmerer“ zu forcieren.
Handlungsbedarf sieht er auch bei der Kurzzeitpflege in den Heimen – die ja nicht zuletzt zur Entlastung pflegender Angehöriger gedacht ist. Zum einen sei das Problem, „überhaupt einen Platz zu finden“, zum anderen sei es für viele Menschen eine gewaltige Hürde bzw. Abschreckung, „je nach Pflegestufe bis zu 5000 Euro für einen Kurzzeitpflegeplatz vorstrecken zu müssen“.Aus Giners Sicht sollten hier die Zuschüsse durch das Land sofort berechnet und abgezogen werden – nicht erst im Nachhinein nach dem Ende des Pflegeaufenthalts.
Die Kurzzeitpflege wird in Tirol derzeit für maximal 28 Tage pro Jahr gefördert – nach Ansicht von Giner „etwas wenig“, er plädiert für eine zeitliche Ausdehnung der Förderwürdigkeit.
Sein Fazit: „Wir müssen diejenigen stärken, die Pflege zuhause leisten – diese ist für die Patienten am angenehmsten und für die öffentliche Hand am kostengünstigsten.“
Auch betreutes Wohnen müsse vom Land „wirklich forciert“ werden, ergänzt Giner – und zwar nicht nur in Form von „betreubaren“, also barrierefreien Wohnungen. Zudem brauche es eine weitere finanzielle und personelle Aufwertung der Sozialsprengel – wobei er festhält: „Sie machen nach ihren Möglichkeiten sehr gute Arbeit.“
Pflegelandesrat Bernhard Tilg betont auf TT-Anfrage, es sei ihm „ein großes Anliegen, die pflegerische Versorgung in Tirol nachhaltig abzusichern“. Er verweist auf die Evaluierung des „Strukturplans Pflege 2017–2022“, die gerade ins Finale gehe. „Dieser Plan regelt, wie die Angebote im Bereich der Pflege ausgebaut werden.“ Ein neuer Aspekt werde dabei die Etablierung von so genannten „Koordinationsstellen Care Management“ in den Regionen sein. Auf diese Weise wolle man künftig die „bestehenden hochprofessionellen Strukturen in den Regionen“ noch besser vernetzen. Pilotregion werde dabei der Bezirk Landeck sein, die Position des „Kümmerers“ sei bereits ausgeschrieben.
Zudem werde man die bestehenden Angebote zur Entlastung pflegender Angehöriger, wie die Kurzzeitpflege, „einer Prüfung unterziehen“. Auch das Thema betreutes Wohnen befinde sich gerade in Überarbeitung, so Tilg: „Hier möchten wir das Angebot ausbauen und in Tirol einheitliche Standards fördern.“
Durch Leistungsanpassungen im Bereich der Langzeit-, Übergangs- und Tagespflege, des betreuten Wohnens und der mobilen Dienste könne „eine bedarfsgerechte Versorgung für alle pflegebedürftigen Personen gewährt werden“, ist Tilg sicher. (md)