Wirtschaftskammer will bei Verordnung gegen Lkw-Zuwachs nicht einlenken
Die geplanten Fahrverbote für Lkw auf der Inntal- und Brennerautobahn sorgen für Zündstoff. Wirtschaft und Anrainer sind geteilter Meinung.
Von Eva-Maria Fankhauser
Vomp, Innsbruck –Unverständnis herrscht in der Wirtschaftskammer. Wie berichtet, beschwerte sich die Transitforum-Gruppe „Xund’s Vomp“ über die Stellungnahme der Wirtschaftskammer Tirol. Diese hat ein 14-seitiges Papier an die Tiroler Landesregierung gerichtet, um auf die Folgen der geplanten Verordnungen gegen den Lkw-Zuwachs auf der Inntal- und Brennerautobahn aufmerksam zu machen. Darunter fallen u. a. das sektorale Lkw- und Nachtfahrverbot genauso wie Euroklasse-Fahrverbote.
Der Gruppe „Xund’s Vomp“ stinkt aber nicht nur die Luftschadstoffsituation, sondern auch der Lärm. Dieser Faktor wird laut Sprecher Gerhard Steinlechner vernachlässigt. Es fehle das Verantwortungsgefühl gegenüber der nächsten Generation und der Gesundheit. Während die WK zu den ersten TT-Anfragen keine Stellungnahme abgeben wollte, erklärt nun der WK-Verkehrsspezialist (auf erneute Anfrage seitens der TT) die Intention der Kammer. „Unsere Aufgabe ist es, die Interessen der Wirtschaft zu vertreten. Darum kümmern wir uns“, stellt Josef Ölhafen fest. Die Auswirkungen der geplanten Maßnahmen seitens des Landes seien für Tiroler Unternehmer groß. Denn bei der Euroklasse-Beschränkung treffe es beispielsweise nicht den internationalen Verkehr. „Die alten Fahrzeuge sind ja die heimischen. Die Kleinbetriebe können sich nicht so einfach jedes Jahr einen neuen Lkw kaufen“, sagt Ölhafen.
Die Fahrverbote würden zu teils großen Umwegen für die heimischen Betriebe führen. Und auch nachts müsse gefahren werden. „Wann sollen denn die Lebensmittel für die Geschäfte sonst angeliefert werden? Erst am Vormittag?“, fragt Ölhafen. Auch könne man nicht nur verderbliche Lebensmittel in der Nacht und den Rest am nächsten Tag anliefern. Laut ihm sind 700 Lkw-Ladungen pro Nacht in Tirol unterwegs. Es sei kein einfaches Thema und das Problem liege im Detail. Zudem gehe es nicht nur um Tiroler Frächter, sondern um ganz normale Unternehmen, die dadurch vor Schwierigkeiten gestellt würden. „Es trifft den Mayrhofner Unternehmer, der immer nur bis Fügen fährt, aber einmal im Jahr etwas in St. Johann abholen muss und dann mit dem Lkw nicht auf die Autobahn kann“, erklärt Ölhafen.
Steinlechner sieht das anders: „Viele der Tiroler Klein- und Mittelbetriebe haben nichts vom Lkw-Transit.“ Im Gegenteil – es ergäben sich eher Nachteile für sie, wie etwa staubedingte Wartezeiten oder steigende Kosten für gewerbliche Auflagen zur Lärm- und Schadstoffreduktion.
„Wir arbeiten nicht gegen die Vomper, aber auch nicht für sie. Wir haben mit der Stellungnahme nur gesagt, welche Auswirkungen die Maßnahmen auf die Wirtschaft haben können“, sagt Ölhafen. Dass der Lärm ein Thema sei, sei klar. Aber er spiele in diesem Fall keine Rolle, da es in den geplanten Verordnungen um die Luftschadstoffe gehe.
Für Lärmschutz sei man nicht der richtige Ansprechpartner, sagt auch WK-Bezirksstellenleiter Stefan Bletzacher. Es sei ein sensibles Thema und man habe Verständnis, dass sich die Vomper sorgen. „Lärmschutz gehört gemacht, vor allem, wenn er dem Standort dient“, sagt er. Man helfe gern – soweit möglich.
Die Argumente der WK gegen die geplanten Verordnungen des Landes sorgen bei der Gruppe „Xund’s Vomp“ für Entrüstung. „Aber beim Verkehr ist alles egal und auf der Autobahn alles erlaubt“, ärgert sich Steinlechner. Dass man sich nur auf die Luftgüte beziehe und die Gesundheit außen vor lasse, könne er nicht gelten lassen. Vor allem, da man mit der Verordnung versuche, den Lkw-Verkehr einzubremsen, was eine Lärmminderung zur Folge habe. Luftschadstoffe und Lärm gingen da Hand in Hand.