Ein „Geradliniger“ tritt ab: Reinhold Winkler nimmt Abschied
Reinhold Winkler geht. Der Langzeit-Kammerrat und AK-Vizepräsident sagt zum Abschied, wider Erwarten, leise Servus. Ab morgen Freitag ist er nicht mehr im Amt.
Von Thomas Parth
Karrösten –Für seine markanten Sprüche und dafür, dass er nicht mit seiner Meinung hinterm Berg hält, ist das Oberländer AK-Urgestein Reinhold Winkler bekannt. Dieser Tage läuft seine letzte Funktionsperiode als Kammerrat (seit 1989) und als Vizepräsident der Tiroler Arbeiterkammer (seit 1994) aus. „Freunde, mir kann man alles nehmen, aber nicht meinen Kopf“, erteilt Winkler jeglicher Form von „Ruhestand“ eine klare Absage: „Ich werde, solange ich aufrecht gehen kann, immer für die Leute da sein!“
Seit 1978 arbeitet Winkler bei der Firma Liebherr in Telfs. Seit 1986 ist er freigestellter Betriebsratsvorsitzender und war von 1995 bis 2009 AAB-Bezirksobmann in Imst. Die Frage, ob man Winkler als „Herz-Jesu-Kommunisten“ bezeichnen kann, wird von diesem ganz klar verneint. „Ich bin weder ein Turbokapitalist noch ein Sozialromantiker.“ Dem Karröster Winkler lag einerseits das Leistungsprinzip, andererseits eine christlich-soziale Wertehaltung, aber „ohne schwarzen Kübel über dem Kopf“, stets am Herzen. Unvergessen bleibt sein Auftritt in der Trofana in Mils. Hier hat er dem damaligen Landesparteigeschäftsführer Johannes Rauch den Handschlag verweigert. „Ich habe mich damals gegen Rauchs Angriffe unter der Gürtellinie gegen Fritz Dinkhauser ausgesprochen“, begründet Winkler sein Aufbäumen. „Auch als man 2009 den Köll (Andreas Köll, Anm.) als AAB-Landesobmann erfunden hat, habe ich meine politischen Konsequenzen gezogen und deshalb den AAB-Bezirksobmann zurückgelegt“, so Winkler. Und auch im Fall Herbert Mariacher, welcher als ehemaliger FPÖ- Landtagsabgeordneter beim Team von AK-Präsident Erwin Zangerl „andockte“, behielt Winkler seine Geradlinigkeit: „Ich habe auf eine Kandidatur bei der jüngsten AK-Wahl verzichtet, weil ich meinen Werten und Prinzipien treu bleibe.“
Ohne Aus- und Weiterbildung werde es nicht möglich sein, den erarbeiteten Wohlstand weiter aufrechtzuerhalten. Dies beginne im Kindergarten und höre selbst in der Pension nicht auf, schreibt Winkler speziell den politischen Entscheidungsträgern ins Stammbuch. „Wenn dann aber jemand über 30 Jahre lang fleißig und gut gearbeitet hat und dann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kann, geht unsere Leistungsgesellschaft klar in die falsche Richtung“, ist Winkler überzeugt: „40 Prozent aller krankheitsbedingter Pensionierungen erfolgen wegen psychiatrischer Krankheiten. Es braucht dringend gesündere und altersgerechte Arbeitsplätze!“ Winkler hat kein Verständnis für faule Leute, die glauben, dass ihnen „jede Sozialleistung und Unterstützung des Staates zusteht“. Aber wenn jemand durch Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Ähnliches plötzlich in soziale Schwierigkeiten gerät, braucht es Hilfe. „Ein Unglück kann jeden von uns treffen“, weiß Winkler.
Am 30. Oktober 2018 fanden Betriebsratswahlen statt. Bei einer 85-prozentigen Wahlbeteiligung fuhren Winkler und sein Team einen 96,5-Prozent-Erfolg ein. „Das geht aber nur, wenn du täglich eine spürbare Interessenvertretung machst und täglich bei den Leuten an der Front bist“, lobt Winkler den Einsatz seiner Mitstreiter. Trotz oder gerade wegen der neuen Regierung bricht der AK-Funktionär eine Lanze für die Sozialpartnerschaft. „Geld ist genug da. Es muss nur gerecht verteilt werden. Das erwarte ich mir von aktiven Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern: dafür zu sorgen. Sonst werden die Fetten immer fetter und der Dünne immer dünner“, gibt Winkler zu bedenken. Die Möglichkeit, Menschen zu helfen, nutzte der Oberländer auch als Landesvorsitzender der Pensionsversicherung insbesondere über den Unterstützungsfonds der PVA (Pensionsversicherungsanstalt). Seinen größten politischen Erfolg sieht Winkler im Mitwirken an der Steuerreform 2015 und im stetigen Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit. Noch heute gehen rund 300 Steuerausgleiche über Winklers Schreibtisch. „Ich bin jetzt 62 und möchte – wenn es die Gesundheit zulässt – gerne noch bis 65 weiterarbeiten“, wünscht sich der streitbare Oberländer.