Energiewende: Keine Spur von Schulterschluss

Nicht einmal die Koalition ist sich bei „Tirol 2050“ einig: Grüne wollen Photovoltaik statt Wasserkraft forcieren, VP hält dagegen. Opposition sieht Strategie bereits gescheitert.

(Symbolfoto)
© dpa

Innsbruck –In gut 30 Jahren sollen Kohle, Heizöl und Erdgas in Tirol ausgedient haben. Auf diese Energiewende hat sich Schwarz-Grün verständigt. Am Dienstag präsentierte LHStv. Josef Geisler (VP) schließlich eine Studie, unter welchen Vorgaben und auf welchem Wege dieses Ziel der kompletten Umstellung auf erneuerbare Energieträger erreicht werden kann, die TT berichtete. Das schnelle Fazit: Es braucht mehr Strom. Und zwar durch Wasserkraft und Sonne, also mehr Kraftwerke und Photovoltaikanlagen.

VP-Energiesprecher Anton Mattle beschwor gestern einen „breiten Schulterschluss“, um dieses Ziel zu erreichen. Selbiger bedarf für Mattle aber auch eines uneingeschränkten Ja zum weiteren Ausbau der Wasserkraft im Land: „Man kann nicht immer dem Ausstieg aus fossilen Energieträgern das Wort reden, bei der Umsetzung von Alternativen aber auf der Bremse stehen.“ Das dürfte auch an die Adresse des grünen Koalitionspartners gehen.

Für einen Schulterschluss wäre der grüne Klubobmann Gebi Mair schon zu haben. Jedoch interpretieren die Grünen die Studie anders. Da die geplanten und heftig kritisierten Kraftwerkspläne fürs Kaunertal und Sellrain/Silz (aus unterschiedlichen Gründen) nicht vom Fleck kommen, „muss das jetzt auch für die Tiwag heißen: voll in Richtung Solarenergie“, sagt Mair. Die Frage, die sich Tirol und somit auch die Koalition zu stellen habe, laute: „Sind wir mutig genug, in Richtung Photovoltaik zu gehen?“ Denn mit den bestehenden Instrumentarien (Förderungen etc.) sei die laut Studie Verzwanzigfachung der Photovoltaik in Tirol nicht machbar. Hierzu müsste man schon andere Anreize setzen. So will Mair durchaus darüber diskutieren, gewerblich genutzten Gebäuden künftig Photovoltaik auf dem Dach vorzuschreiben. Auch ein Verbot von Ölheizungen im Neubau sei mit den Grünen schnell machbar. Das Problem sei vielmehr der hohe Altbestand und dessen Umrüstung: „Da müssen wir aufpassen, dass nicht alle ins Erdgas reinfallen.“ Leichter gesagt als getan: Noch immer gibt es für Erdgasheizungen Landesförderungen zu lukriere­n,

Dass Schwarz-Grün dem Erdgas aber bis 2050 ein Ende bereiten will, versetzt Tigas-Geschäftsführer Philipp Hiltpolt nicht in Schock­starre: „Wir sehen das pragmatisch und optimistisch.“ So sei die Nachfrage nach Biogas sehr hoch. Zwei Biogasanlagen seien in Betrieb. Jedoch müss­e man auch zukaufen, um den Bedarf zu decken. In Sachen Energieeffizienz und Leitungstechnik könne die Tigas aber ebenso einen Beitrag zur Energiewende beisteuern.

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Für die Opposition ist die Regierung mit ihrem Ziel gescheitert, noch bevor das Projekt 2050 gestartet sei. Wer Kraftwerke im Kaunertal und Sellrain/Silz nicht in die Gänge bekomme und zudem den Inn als Tabustrecke ausweise, brauche sich nicht wundern, wenn die Energiewende verfehlt werde, sagt SP-Parteichef Georg Dornaue­r. Dem schließen sich die NEOS an. Dass die Grünen jede Chance nützen würden, den Ausbau der Wasserkraft in die Länge zu ziehen, bekrittelt FP-Chef Markus Abwerzger. Und für Liste-Fritz-Mandatar Markus Sint ist „Tirol 2050“ gar nur ein Marketingtool „ohne konkret­e Umsetzung“: „Die Studie ist ernüchternd, weil sie den enormen Nachhol­bedarf des Landes schonungslos offenlegt.“ (mami)


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