Landertinger: „Hätte nie gedacht, dass es so einen Dopingring gibt“
Warum sich der Tiroler ÖSV-Biathlet Dominik Landertinger (30) von Max Hauke enttäuscht zeigt und der Dopingskandal seine WM-Vorbereitung störte.
Innsbruck – Die zweieinhalb Wochen Wettkampfpause verliefen aus Sicht von Österreichs Biathleten nicht ungestört. Fragen rund um die in Seefeld und Erfurt aufgekommene Doping-Causa oder gesundheitliche Rückschläge bei Julian Eberhard und Simon Eder belasten das Team. Vor der heutigen Mixed-Staffel (16.15 Uhr) spricht der Hochfilzner Dominik Landertinger über seine Wut und ein ärgerliches Video.
Das Thema Doping beschäftigt seit der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld das österreichische Langlauf-Lager. Jetzt steht die Biathlon-WM vor der Tür …
Landertinger: Wenn es jemand erwischt, denkst du dir normal: Okay, das betrifft mich nicht, das nehme ich locker. Aber die Sache mit Joe (Dürr/Ex-Langläufer, im Zentrum der Affäre, Anm.) hat mich geschockt, ich kann das nicht begreifen. Wie kann man so dumm sein, so ein Risiko eingehen?
Störten die Negativschlagzeilen also Ihre WM-Vorbereitung?
Landertinger: Natürlich drehten sich die Gedanken in den letzten Tagen nur um das Thema, die Konzentration auf den Sport fiel schwer. Aber die Vorbereitung hat gepasst, mit dem Sprint habe ich am Samstag mein Highlight.
Wie beurteilen Sie die jüngsten Enthüllungen?
Landertinger: Was kannst du da viel drauf sagen? Ich verurteile das aufs Höchste und hätte nie gedacht, dass es so einen Dopingring gibt. Nun erwischt es wieder den Langlauf – ich bin brutal enttäuscht. So eine Negativwerbung für den Sport!
Auf einem Video, das in der ARD ausgestrahlt wurde, sieht man Sie mit Max Hauke, der Eigenblutdoping betrieb.
Landertinger: Ich absolvierte zwei Trainingseinheiten mit ihm – kannst jetzt nicht einmal mehr mit einem Langläufer trainieren? Auf einmal musst du dich als sauberer Sportler mit dem Thema beschäftigen. Da machst ein Training, dann schaut das schon blöd aus auf dem Video. Das jetzt mit Max zu wissen, tut weh, ich hätte ihm das nie zugetraut.
Auch Gerald Heigl, ehemals Langlauf-Cheftrainer und im Betreuerstab, geriet ins Zwielicht. Er war auch bei Ihnen für den Trainingsplan zuständig.
Landertinger: Er hatte eine beratende Rolle, die hat er gut ausgefüllt, aber von sonst etwas habe ich nichts mitbekommen. Nach der ganzen Sache zuletzt habe ich die Zusammenarbeit sofort beendet. Man weiß einfach nicht mehr, was man glauben kann und wem man vertrauen kann.
Mit Markus Gandler ist seit Kurzem der Spartenleiter Biathlon nicht mehr an Bord. Beeinträchtigte das die Vorbereitung auf die WM in Östersund?
Landertinger: Genau das ist es: Da machen zwei Trottel einen Blödsinn und das zieht einen langen Schweif, eine Spur der Zerstörung hintennach. Die Situation ist blöd, denn Gandi leierte viele gute Projekte im Bundesheer oder im Nachwuchs an, er war immer da, auch in schwierigen Situationen. Er schaute auf die Sportler und machte sich Gedanken. Aber er hatte die Schnauze voll – das kann ich verstehen.
Die Sport-Öffentlichkeit muss sich neuerlich mit österreichischen Dopingfällen auseinandersetzen. Richtete sich auch die Aufmerksamkeit der Dopingkontrollore verstärkt auf Österreich?
Landertinger: Davon bemerke ich nichts. Aber ich glaube, die kennen sich gut aus und wissen, dass es bei uns nichts gibt.
Das Gespräch führte Florian Madl
Zahlen, Daten, Fakten zur Biathlon-WM in Östersund
ÖSV-Team
Damen: Lisa Hauser, Katharina Innerhofer, Christina Rieder, Julia Schwaiger.
Ersatz: Dunja Zdouc, Fabienne Hartweger;
Herren: Julian Eberhard, Tobias Eberhard, Simon Eder, Dominik Landertinger, Felix Leitner.
Ersatz: David Komatz, Nikolaus Leitinger.
Wettkampf-Programm
Donnerstag, 9. März (16.15 Uhr): Mixed-Staffel (2 x 6 + 2 x 7,5 km)
Freitag, 8. März (16.15): Sprint Damen (7,5 km)
Samstag, 9. März (16.30): Sprint Herren (10 km)
Sonntag, 10. März (13.45 bzw. 16.30): Verfolgung Damen (10 km) und Herren (12,5 km)
Dienstag, 12. März (15.30): Einzel Damen (15 km)
Mittwoch, 13. März (16.10): Einzel Herren (20 km)
Donnerstag, 14. März (17.10): Single Mixed-Staffel (1 x 6 + 1 x 7,5 km)
Samstag, 16. März (13.15 bzw. 16.30): Staffel Damen (4 x 6 km) und Herren (4 x 7,5 km)
Sonntag, 17. März (13.15 bzw. 16.00): Massenstart Damen (12,5 km) und Herren (15 km)
Event-Homepage: http://www.2019ostersund.se/en/
Weltverband (Ergebnis-Center): https://de.biathlonworld.com/
TV live: Damen-Verfolgung und -Staffel sowie Single-Mixed-Staffel in ORF Sport +, alle übrigen Bewerbe in ORF eins.