Osttirol

Bilanz im Gemeinderat: Sillian ist 34,5 Mio. Euro wert

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Mit 2020 muss jede Gemeinde eine Vermögensaufstellung haben. Die Sillianer Bilanz wurde kürzlich im Gemeinderat präsentiert. Auch andere Gemeinden arbeiten schon daran.

Von Catharina Oblasser

Sillian –Wie viel Vermögen besitzt meine Gemeinde? Dieser Frage müssen sich alle österreichischen Kommunen stellen. Das liegt an der „Voranschlags- und Rechnungslegungsverordnung 2015“, wie das sperrige Wort heißt. Die Verordnung muss spätestens mit dem Voranschlag 2019 (Gemeinden über 10.000 Einwohner) bzw. 2020 (unter 10.000 Einwohner) umgesetzt werden.

In Sillian ist man schon dabei, alle Vermögenswerte zu erheben und zu beziffern. Hilfe bekommen die Mitarbeiter dabei von Christoph Carotta von der Dienstleistungsgesellschaft GemNova. Am Mittwochabend präsentierte Carotta im Gemeinderat die vorläufigen Ergebnisse – und stellte gleich klar: „Die Zahlen sind nicht auf Euro und Cent genau, sondern nur eine ungefähre Darstellung.“

Demnach besitzt die Marktgemeinde Vermögen im Wert von 34,5 Millionen Euro. Darunter fallen Grundstücke mit dem Buchwert von 14,11 Millionen und Straßen bzw. Wege mit 5,6 Millionen Euro.

Wie der Betrag von 14,11 Millionen für die Grundstücke berechnet wurde, erklärt Carotta so: „Die Preise ergeben sich aus allen Grundstücks­transaktionen der letzten zehn Jahre. Es ist ein absoluter Durchschnittswert.“ Unbebaute Grundstücke werden in Sillian mit 162,30 Euro pro Quadratmeter bewertet, land- und forstwirtschaftliche Flächen mit 5,56 Euro und sonstige, teils unverwertbare Flächen immerhin noch mit vier Euro. Bei den Straßen und Wegen ist der Zustand – sehr gut, gut, mittel, schlecht – ausschlaggebend.

So weit zu den üblichen Vermögenswerten einer Gemeinde. Doch was tut man mit Schlössern, Burgen oder sonstigen historischen Schätzen? „Kulturgüter werden in der Regel mit null bewertet“, informiert Carotta. Schließlich sei es kaum möglich, Bauten wie Schloss Bruck einen konkreten Wert zuzuordnen. „Dem Gebäude vielleicht nicht“, meint die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik. „Aber die Bilder von Albin Egger-Lienz, die der Stadt gehören, haben sehr wohl einen Wert, den man darstellen kann – zum Beispiel über den Versicherungswert.“

Bei der Burg Heinfels oder Aguntum stellt sich diese Frage gar nicht. Sie befinden sich in Privatbesitz. Das gilt auch für Schloss Weißenstein in Matrei, wie Bürgermeister Andreas Köll festhält. Matrei hat übrigens schon 2015 eine Vermögensbilanz erstellt, und zwar im Rahmen eines österreichweiten Pilotprojekts. An die 100 Millionen Euro waren das Ergebnis der Bewertung, sagt der Bürgermeister.

Mit der neuen Regelung ändert sich auch die Sichtweise auf die Finanzlage einer Kommune. Der Verschuldungsgrad, der als wichtige Maßzahl gilt, verliert an Bedeutung. „Meiner Meinung nach wird es ihn gar nicht mehr geben“, so Carotta. „Wenn man Geld investiert, z. B. in ein neues Gebäude, hat man zwar das Geld nicht mehr, aber dafür ein Gebäude. Der Wert bleibt vorhanden.“

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Catharina Oblasser

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