Reiseziel nach Ladestelle ausgesucht
Der Bundesverband nachhaltige Mobilität sieht Elektromobilität als Chance für den Tourismus. Dessen Tirol-Sprecher fordert die 39 Schwazer Gemeinden auf, das Stromladestellennetz auszubauen.
Von Angela Dähling
Schwaz – 0,3 Prozent. So gering ist der Anteil der E-Autos an den insgesamt 46.800 gemeldeten Fahrzeugen im Bezirk Schwaz. „Rechnet man Hybrid-Fahrzeuge hinzu, kam man Ende 2017 auf ein Prozent“, weiß Hermann Weratschnig. Der grüne Schwazer Umweltreferent ist Tirol-Vertreter des Bundesverbandes nachhaltige Mobilität und präsentierte gestern Verbandspräsidentin Doris Holler-Bruckner Ideen, wie der Tourismus von E-Mobilität profitieren kann. Und wie man die geringe Anzahl leiser, emissionsfreier Fahrzeuge steigern kann.
„Die Stadt Schwaz bietet Gratis-Parken für E-Fahrzeuge an und acht Ladestationen, an denen mit Bankomatkarte einfach bezahlt werden kann“, zeigt Weratschnig auf. Förderungen für E-Mobilität und der Umstieg kommunaler Einrichtungen auf eine E-Fuhrparkflotte seien Maßnahmen, die viele Gemeinden umsetzen können. „Es bräuchte in jeder unserer 39 Gemeinden mindestens eine Ladestation. Da wäre die BH gefordert, Gespräche mit den Gemeinden zu führen“, meint Weratschnig. Ob für die Post oder „Essen auf Rädern“, gerade für kurze Wege sei das E-Auto ideal.
Dass man mit den neuesten E-Autos aber auch Weltreisen starten kann, zeigen Ralf Schwesinger und Nicole Wanner auf. Im April 2018 starteten sie, um die Welt elektrisch zu erfahren. 28.000 km, 14 Länder, 120 Hotelbesuche lautet die bisherige Bilanz. Norwegen sei für Elektroautofahrer eines der beliebtesten Länder. E-Autos seien hier ein gewohntes Bild. Auch Amsterdam mit 6000 Ladepunkten liege vorn, weiß der Hotelier Richard Absenger vom Kaiserhof in Anif. Er bietet 30 Ladepunkte bei seinem Hotel und zieht damit scharenweise Elektroautomobil-Fans an: Viele Urlauber, aber auch Tagesgäste, die bei ihm speisen, während ihr Auto Strom tankt. Dass darunter etliche betuchte Gäste sind, die die Premiummarke der E-Mobilität ihr Eigen nennen, sei nur nebenbei erwähnt. Absenger, Schwesinger und Wanner sind davon überzeugt, dass jene Tourismusregionen, die ein großflächiges Ladestationen-Angebot aufweisen, bevorzugt von der steigenden Zahl der Elektroautofahrer als Reiseziel ausgewählt werden. Erst recht, wenn dort die Erholung passe und auch sonst auf Nachhaltigkeit gesetzt werde. Wichtig sei, dass an den Ladestationen mit Bankomatkarte gezahlt werden könne und dass Schnellladestationen an den Durchzugsstrecken zu finden seien. „Um unnötigen Verkehr in Wohngebieten zu vermeiden“, meint Weratschnig. „Elektromobiltät ist alltagstauglich. Mehr als 70 neue Modelle kommen heuer auf den Markt“, erklärt Doris Holler-Bruckner. „Und selbst wenn alle Autos bei uns Elektroautos wären, würde das den Stromverbrauch nur um fünf bis zehn Prozent erhöhen.“ Laut Weratschnig ist die Ökostromverteilung und lokale Speicherung noch eine Herausforderung. Die Problematik des Lithiumabbaus gelte es global so zu lösen, dass dieser ökologisch und sozial verträglich erfolge.
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