MotoGP startet durch: Die Könige des Asphalts
Die PS-freie Zeit findet mit dem sonntägigen Nachtrennen in Katar ihr Ende. Die Königsklasse auf zwei Rädern kehrt zurück und hat jede Menge zu bieten: Brandherd Honda, Altmeister Rossi und KTMs nächster Schritt.
Von Daniel Suckert
Innsbruck, Doha – Zehn Jahre fühlen sich im schnelllebigen Motorsport fast doppelt so lange an. Darum blickt einer der Größten der MotoGP mit Wehmut zurück auf das Jahr 2009. „Das ist leider schon zu lange her“, erklärte Superstar Valentino Rossi. In dem Jahr holte der Italiener die letzte seiner neun WM-Kronen. In einer Zeit, in der man dachte, niemand würde den „Doktor“ jemals ersetzen können. Das hat sich seit Marc Márquez (ESP) geändert. Aber nicht nur das. Ein Überblick auf die neue Saison, die am Sonntag in Katar (18 Uhr MEZ, Servus TV) ihren Anfang findet.
Heiß, heißer, Honda: Es ist nicht irgendeine Fahrer-Paarung, die ab heuer auf dem orange-rot-weiß lackierten Bike Platz nimmt. Mit Titelverteidiger Marc Márquez und Jorge Lorenzo bauen die Japaner auf ein höchst explosives, spanisches Duo. Mit Explosionsgefahr nach außen, aber auch nach innen.
12 WM-Titel (Márquez 7, Lorenzo 5), 168 Siege und 427 Podestplätze – Honda kann auf beeindruckende Zahlen der beiden Top-Fahrer bauen. Man darf aber Wetten darauf annehmen, dass sich die gute Stimmung bei der Präsentation im Winter auch ganz schnell wieder ändern könnte.
Ähnliches gab es vor zehn Jahren bei Yamaha, als sich Rossi und Lorenzo um den Titel matchten. Die Garage glich damals stimmungstechnisch einem Kühlschrank: nahe am Gefrierpunkt. Die Daten wurden ebenso getrennt wie die Box. Yamaha erhielt dafür ein sich gegenseitig auf die Spitze treibendes Duo, das am glühenden Asphalt reihenweise WM-Titel einsammelte.
„Auf dieses Duell bin ich gespannt. Da treffen mit Márquez und Lorenzo zwei komplett verschiedene Typen aufeinander. Der eine tanzt regelmäßig über das Limit hinaus, während Lorenzo zu wenig oft an seine Grenzen geht“, erklärte KTM-Sportmanager Heinz Kinigadner im TT-Interview in der Winterpause. „Ich glaube, Lorenzo wird sich die Zähne an Márquez ausbeißen.“
Auf den Mallorquiner wartet mit Márquez das Beste, was die Königsklasse auf zwei Rädern seit fast sechs Jahren zu bieten hat. Der siebenfache Champion hat die Maßstäbe nach oben gesetzt, Grenzen verschoben und der Aussage „Der Tanz auf der Rasierklinge“ ein Gesicht gegeben. All die jahrelangen Existenzängste der elitärsten Motorrad-Rennserie, was auf Rossi folgen könnte, sind mit „Mister Risiko“ Márquez verflogen.
Lorenzo wiederum kommt nach seinem erfolglosen, zweijährigen Ducati-Gastspiel voller Motivation, aber leicht gehandicapt. Ein gebrochenes Kahnbein hat die Saisonvorbereitung stark beeinflusst: „Trotzdem kann ich es kaum mehr erwarten, bis es losgeht. Für mich beginnt ein neues Kapitel.“
Auch Teamkonkurrent Márquez hat nach seiner Schulteroperation Nachholbedarf. Márquez: „Ich habe fast täglich fünf Stunden bei der Physiotherapie verbracht. Die Vorbereitung war sicher nicht ideal.“
O wie Oldie: Was geht noch für Valentino Rossi? Diese Frage stellt sich nicht nur der 40-Jährige selbst. Seit dem letzten Titelgewinn vor einem Jahrzehnt gab es nur noch drei Vizemeisterschaften zu notieren. Das lag jedoch nicht an ihm alleine. Yamaha hat den Titel als Branchenprimus längst an Honda verloren. Und da wäre ja noch die Truppe von Ducati, die mit Andrea Dovizioso (ITA) schon seit drei Saisonen das schnellste Motorrad am Start stehen hat.
„Il Dottore“ Rossi hat den Wandel der Zeit registriert und akzeptiert: „Einerseits hat sich viel, andererseits auch gar nichts verändert. Das Level ist viel höher, alle arbeiten härter als vor zehn Jahren. Andererseits fühlt sich vieles gleich an.“
Ob er und sein spanischer Teamkollege Maverick Viñales ein Wort um den Titel mitreden können, daran zweifeln viele Experten. Der Rückstand von Yamaha scheint zu groß zu sein.
Die große Unbekannte: Noch länger als Altstar Rossi wartet man bei Ducati auf die nächste WM-Krone. Seit Casey Stoner (2007) durfte keiner mehr in roter Montur vom Thron lächeln. Rossi, Lorenzo und auch der verstorbene Nick Hayden (USA) bissen sich die Zähne aus. Die Hoffnungen ruhen nun auf Andrea Dovizioso.
Und „Dovi“ war auch der einzige Pilot, der auf der „Desmosedici“ Ausnahmeerscheinung Márquez in den letzten Jahren fordern konnte. Darum glauben viele, die Roten könnten heuer, aufgrund der körperlich angeschlagenen Honda-Piloten, am Ende von ganz oben lachen. Für Dovizioso wäre es der erste Titel in der höchsten Bike-Klasse.
Die MotoGP in Zahlen
Kalender: Katar - Sonntag, 18 Uhr; Argentinien - 31. März, 20 Uhr; USA - 14. April, 21 Uhr; Spanien (Jerez) - 5. Mai, 14 Uhr; Frankreich - 19. Mai, 14 Uhr; Italien - 2. Juni, 14 Uhr; Spanien (Barcelona) - 16. Juni, 14 Uhr; Niederlande - 30. Juni, 14 Uhr; Deutschland - 7. Juli, 14 Uhr; Tschechien - 4. August, 14 Uhr; Österreich - 11. August, 14 Uhr; Großbritannien - 25. August, 14 Uhr; San Marino - 15. September, 14 Uhr; Spanien (Alcaniz) - 22. September, 14 Uhr; Thailand - 6. Oktober, 9 Uhr; Japan - 20. Oktober, 7 Uhr; Australien - 27.Oktober, 5 Uhr; Malaysia - 3. November, 8 Uhr; Spanien (Valencia) - 17. November, 14. Uhr;
Titelverteidiger: Marc Márquez (ESP, Honda).
Fünfjahresplan: Von ganz oben wird die rotweißrote Abteilung sicher (noch) nicht lachen. Trotzdem regieren beim Motorradhersteller aus Mattighofen, KTM, nur zufriedene Gesichter. Das hat einen Grund, wie CEO Stefan Pierer auf den Punkt brachte: „Wir haben ein Fünfjahresprogramm, heuer sind wir im dritten Jahr. Da sollten Top-Ten-Platzierungen drinnen sein, vielleicht hin und wieder ein Platz auf dem Podium. Spätestens im fünften Jahr wollen wir gewinnen. Noch sind wir im Plan.“ Mit dem Franzosen Johann Zarco hat man den Mann verpflichtet, den beinahe alle MotoGP-Rennställe unter Vertrag nehmen wollten.
Wo, wann und wer? Auch heuer überträgt der Privatsender Servus TV wieder alle Grands Prix. Neu ist allerdings, dass der Streamingdienst DAZN nun auch die Könige des Asphalts im Angebot hat.