17 Betretungsverbote im Bezirk Landeck „nur die Spitze des Eisbergs“
Im Bezirk Landeck ist häusliche Gewalt noch ein Tabuthema. Der Bedarf für ein Oberländer Frauenhaus sei gegeben.
Von Matthias Reichle
Landeck –Im vergangenen Jahr wurden im Bezirk Landeck insgesamt 17 Betretungsverbote wegen häuslicher Gewalt ausgesprochen. Für Eva Pawlata, Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums, ist das nur die Spitze des Eisbergs. „Die geringe Zahl gründet sich auf den Umgang mit dem Thema im ländlichen Raum.“ Durch finanzielle Abhängigkeiten, die es natürlich auch in der Stadt gebe, und traditionelle Familienkonstellationen riefen die Frauen seltener um Hilfe. Das Gewaltschutzzentrum betreute im vergangenen Jahr 33 Männer und Frauen im Bezirk.
Seit Jahren gibt es die Forderung nach einem Oberländer Frauenhaus – die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung sieht auch Pawlata. „Die Zahlen sind auch deshalb so niedrig, weil die Frauen nicht wissen, wohin sie sich wenden können. Der Bedarf ist natürlich da.“ Die Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums hat aber Zweifel an einer baldigen Realisierung einer solchen Einrichtung.
Derzeit gibt es nur ein Frauenhaus im Raum Innsbruck – „im Oberland sind wir von so einem Projekt weit weg.“ Sie glaube nicht, dass die Ankündigung des Frauenministeriums, österreichweit 100 zusätzliche Frauenhausplätze zu schaffen, umgesetzt wird.
Pawlata macht am Weltfrauentag gemeinsam mit Bundesrat Peter Raggl (ÖVP) auf das Thema aufmerksam. Dieser betont die schwierige Arbeit des Gewaltschutzzentrums. „Es braucht entsprechende Anlaufstellen, wo sich Betroffene ratsuchend hinwenden können.“ Die Bundesregierung habe ein Maßnahmenpaket angekündigt, um Frauen besser zu schützen, so Raggl: zum Beispiel mit einem Ausbau der Fachberatungsstellen, bundesländerübergreifenden Frauenhausplätzen, strengeren Strafen für Wiederholungstäter sowie der Einrichtung einer gut merkbaren Notrufnummer und einer Bannmeile von 50 Metern, um Betroffene vor den Tätern zu schützen.
„Die Maßnahmen der Regierung sind zum Teil sehr gut“, betont Pawlata – was es aber tatsächlich brauche, seien Wohnplätze für Frauen. Sie habe den Eindruck, dass es da bei Versprechungen bleiben werde. „Für die Maßnahmen braucht es Geld. Ich frage mich, wo es herkommen soll.“ Auch Gewaltschutzzentren müssten finanziell besser ausgestattet werden. Derzeit gehen sich pro Opfer nur fünf Beratungsstunden aus“, so Pawlata. Raggl betont, man müsse darauf vertrauen, dass die Regierung ihre Ankündigungen auch finanziere.
„Gewalt gegen Frauen“ wird bei einer hochkarätig besetzten Informations- und Diskussionsveranstaltung des Forums Land im Stanzer Dorfwirt Thema sein. Neben Pawlata werden dazu auch Staatssekretärin Karoline Edtstadler, die Geschäftsführerin des Frauenhaus Tirol Gabriele Plattner und Oberstleutnant Katja Tersch vom Landeskriminalamt Tirol erwartet. Beginn ist am 21. März um 19.30 Uhr. Moderiert wird von Thomas Pohl.