Arbeitsmarkt

Bauern und Forstbetriebe wollen mehr Personal aus Nicht-EU-Ländern

(Symbolfoto)
© Andreas Rottensteiner / TT

Laut Landwirtschaftskammer brauchen die österreichischen Betriebe bis zu 700 zusätzliche Arbeitskräfte. Die Sozialministerin verweist auf Arbeitslose im Inland.

Wien – Die heimische Land- und Forstwirtschaft sucht für heuer noch dringend Personal. Wegen der gut laufenden Wirtschaft in Osteuropa kommen immer weniger Arbeitskräfte aus östlichen EU-Staaten nach Österreich. Auch wegen der höheren Schadholzmenge aufgrund des Rekordschnees, Borkenkäferbefalls und Eschentriebsterbens brauchen die Forstbetriebe mehr Mitarbeiter.

Mit der Saison-Verordnung für 2019 hat das Sozialministerium ein Saisonnierkontingent in der Höhe von 2.610 und 275 Erntehelferplätzen aus Nicht-EU-Ländern festgelegt. Zumindest 500 bis 700 zusätzliche Plätze seien notwendig, hieß es von der Landwirtschaftskammer auf APA-Anfrage. Erntehelfer erhalten eine maximale Beschäftigungsbewilligung von sechs Wochen.

Osteuropäer bevorzugen Deutschland

Viele Erntehelfer aus osteuropäischen EU-Staaten zieht es anstatt nach Österreich nach Deutschland. Erntetätigkeit unter 70 Tagen kann dort von der Sozialversicherungspflicht ausgenommen werden, nämlich für Schüler, Studenten und Pensionisten. Deutsche Betriebe hätten dadurch laut Landwirtschaftskammer geringe Gesamtkosten und könnten deswegen höhere Nettolöhne zahlen als hierzulande. Aus Polen und Tschechien würden deutlich weniger Erntehelfer nach Österreich kommen. Bei landwirtschaftlichen Arbeitskräften aus Ungarn, die nach Österreich pendeln, gebe es hingegen keinen Rückgang.

Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ).
© APA

Die durch Familienbetriebe geprägte heimische Land- und Forstwirtschaft benötigt auch immer mehr externe Arbeitskräfte, weil durch den Strukturwandel die familieneigenen Arbeitskräfte zurückgehen. Der Bio-Boom führt außerdem zu einem höheren Arbeitsbedarf. „Der zunehmende Bioanteil und der grundlegende Trend zur Ökologisierung der Produktion verlangt wieder mehr händische Arbeitsschritte“, so die Landwirtschaftskammer.

Mehr Flüchtlinge einsetzen

Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) hingegen will mehr Arbeitslose aus Österreich in die Land- und Forstwirtschaft bringen. Sie verwies auch auf die rund 33.000 arbeitslosen anerkannten Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte. „Für viele dieser Arbeitskräfte wäre auch eine Beschäftigung in der Landwirtschaft möglich, zumal für Erntehelfertätigkeiten keine längere Ausbildung oder Vorqualifikation sondern lediglich entsprechende körperliche Eignung und ein Mindestmaß an Sprachkenntnissen erforderlich sind“, erklärte Hartinger-Klein.

Für das Jahr 2019 hat das Sozialministerium bisher im Rahmen des Saison-Land- und Forstwirtschaftskontingent insgesamt 866 Beschäftigungsbewilligungen erteilt, wobei davon 851 auf EU-Drittstaatsangehörige entfielen und 15 auf Staatsbürger aus Kroatien. Zusätzlich wurden für das Jahr 2019 bisher 285 Stammsaisonnier-Beschäftigungsbewilligungen für den Bereich Land-und Forstwirtschaft erteilt, wobei davon 284 auf EU-Drittstaatsangehörige entfielen und eine auf einen kroatischen Staatsbürger, hieß es aus dem Sozialministerium auf APA-Anfrage.

Ende Februar gab es 99 Anträge für Beschäftigungsbewilligungen für Erntehelfer aus EU-Drittstaaten, davon wurden 65 Bewilligungen erteilt, die restlichen Anträge sind derzeit in Bearbeitung. Von den 65 bereits bewilligten Erntehelfern stammen 46 Personen aus der Ukraine, gefolgt von 8 Personen aus Mazedonien und 5 Personen aus dem Kosovo. (APA)