Elizabeth T. Spira: Chronistin mit einem großen Herzen
Die österreichische Journalistin und Dokumentarfilmerin Elizabeth T. Spira ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Mit “Alltagsgeschichten“ und “Liebesg'schichten und Heiratssachen“ schuf sie ein Stück österreichische Alltagskultur.
Von Alexandra Plank
Innsbruck –Die Vollblut-Journalistin Elizabeth T. Spira starb in der Nacht auf Samstag, nachdem am Freitag weltweit der Frauentag begangen wurde. Durch das Kuppelformat „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ und ihre Alltagsgeschichten war sie einem Millionenpublikum bekannt. Die Dokumentarfilmerin war stets eine Streitbare, besonders wenn es um die Sache der Frauen ging. Die Trauer in Österreich war am Samstag groß. Als „unbeirrbare Frau, die viele Menschen berührt hat – mit großem Herz, scharfem Blick und wachem Verstand“, würdigte ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner die Verstorbene in einer Aussendung: „Sie war ein hochpolitischer Mensch, der trotz Gegenwind seinen Weg des Journalismus und der Aufklärung gegangen ist – und immer den Schalk in den Augen hatte.“
Elizabeth Toni Spira wurde am 24. Dezember 1942 in Glasgow geboren. Nach der Schulzeit studierte sie in Wien Publizistik und arbeitete zunächst als Journalistin im Nachrichtenmagazin profil. Nachdem Claus Gatterer im ORF das Magazin „teleobjektiv“ gegründet hatte, wechselte Spira zum Fernsehen. Nach zehn Jahren beim „teleobjektiv“ und einem kurzen Gastspiel beim „Inlandsreport“ entwickelte Spira mit dem Historiker Michael Mitterauer das „Alltagsgeschichten“-Konzept. Die Serie startete 1985, 1997 kamen die „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ dazu.
Spira, unverwechselbar durch ihre rauchige Stimme, beschrieb ihren Zugang bei der televisionären Kuppelei so: „Neutral bleibe ich nicht, ich habe ja eine gewisse Ironie und einen Humor.“ Wenn sie sich auf Partnersuche für einen Herren begab, der mit 70 in ärmlichen Verhältnissen wohnend eine 30-Jährige suchte, musste er sich eine ironische Nachfrage gefallen lassen: Was er denn eigentlich der Dame zu bieten habe?
Es sei ihr immer darum gegangen, eine Geschichte zu erzählen, sagte sie im TT-Interview. „Ich bin nicht wichtig“, postulierte die beliebte Fernsehmacherin oft.
Die Reaktionen auf das Ableben der Ausnahme-Journalistin waren zahlreich: Bundespräsident Alexander Van der Bellen würdigte Spira als „große Chronistin der heimischen Gesellschaft und der einzelnen Menschen“. Sie habe „einen schonungslosen Blick auf die österreichische Wirklichkeit, der immer von Respekt geprägt war“, gehabt. Auch Kanzler Sebastian Kurz meldete sich per Tweet: „Ihr Ableben ist ein großer Verlust – mein Beileid gilt vor allem auch ihrer Familie und ihren Freunden.“ ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bezeichnete die Filmerin als „eine der renommiertesten ORF-Journalistinnen des Landes“. Mit ihren einzigartigen TV-Sendungen sei es ihr gelungen, „ein Stück österreichische Alltagskultur zu schaffen. Nicht nur die Beileidsbezeugungen sind mannigfaltig, auch die Liste der Ehrungen zu Lebzeiten ist lang: Spira wurde auch mit dem „Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik“, dem „Johann-Nestroy-Ring“ und mehrfach mit dem „Fernsehpreis der Österreichischen Volksbildung“ ausgezeichnet. 2018 erhielt sie den Lessing-Preis. Die damalige Begründung fasst die Qualitäten Spiras zusammen: In ihren Gesprächen zeige die Fernsehjournalistin ein unerreichtes Talent, Menschen zum Sprechen zu veranlassen und Gegenstände beredt zu machen. Das habe ihren Ruf als „Jahrhundertfigur fürs Fernsehen“ auch außerhalb Österreichs begründet.