Ski Alpin

Zwischen RTL-Frust und Kugel-Jubel: Hirscher brauchte etwas Abstand

Marcel Hirscher hievt sich in immer größere Höhen. In Aare krönte er sich mit Slalom-Gold zum erfolgreichsten WM-Teilnehmer aller Zeiten, in Kranjska Gora sicherte er sich zum achten Mal den Sieg im Gesamtweltcup.
© gepa walgram

Marcel Hirscher fixierte am Samstag seinen achten Gesamtweltcupsieg in Serie. Ein Rekord für die Ewigkeit. Dennoch überwog bei Österreichs Ski-Star zunächst der Ärger über seine Leistung und Platz sechs beim Riesentorlauf von Kranjska Gora. Nach ein bisschen Vogelgezwitscher konnte sich aber auch Hirscher langsam freuen.

Kranjska Gora - Der zunächst wortlose Abgang aus dem Zielraum nach Rang sechs im Riesentorlauf diente nur der raschen Frustbewältigung. Marcel Hirscher kehrte nach ein paar Minuten ins Skistadion in Kranjska Gora zurück und nahm die Glückwünsche zum gerade eben fixierte achten Gesamtweltcupsieg in Folge entgegen. Das Rennen gewann wie vom Salzburger vorhergesagt der norwegische Weltmeister Henrik Kristoffersen.

Auf einer mit Salz präparierten Piste und bei Frühlingstemperaturen war Kristoffersen am Samstag auf dem Podkoren nicht zu schlagen, für ihn war es der zweite Saisonerfolg im Weltcup nach dem Gewinn des Riesentorlaufs zuletzt in Bansko, sowie sein insgesamt 18. Er setzte sich vor seinem Landsmann Rasmus Windingstad (+0,24 Sek.) und dem Schweizer Marco Odermatt (0,56) durch.

Hirscher: „Bin Rennfahrer, und das mit Leidenschaft“

Hirscher war zur Halbzeit des wegen Nebels mit zwei Stunden Verspätung gestarteten Rennens Vierter und fiel im Finale noch um zwei Ränge zurück. Bevor er an so etwas wie den Gesamtweltcup dachte, ärgerte er sich über das Rennen. „Ich bin Rennfahrer, und das mit Leidenschaft. Das heute war für meine Verhältnisse nichts, darum bin ich enttäuscht“, sagte der 30-Jährige, der zunächst einmal vor den Interviews einen Minispaziergang machte.

„Ich brauche kurz ein bisserl Abstand, Luft, nicht den Lärm. Dann pfeifen die Vögel ein bisschen für mich, dann ist das wieder gut.“

„Gewaltige Saison, die schön langsam zu Ende geht“

Er war überzeugt davon, dass spätestens am Abend alles anders aussehen werde. „Die Freude wird riesengroß sein über eine gewaltige Saison, die schön langsam zu Ende geht.“ Er hat in diesem Winter auch bereits das kleine Kristall für Riesentorlauf und Slalom gewonnen, zum insgesamt jeweils sechsten Mal, und hält nun bei insgesamt 20 Kugeln. So viele hat sonst nur die US-Amerikanerin Lindsey Vonn daheim.

Hirschers letzter verbliebener Konkurrent im Kampf um den Gesamtweltcup war der Franzose Alexis Pinturault gewesen. Da dieser in der Finalwoche in Soldeu in Andorra in der Abfahrt nicht mehr antreten wird, reichen Hirscher die 485 Punkte Vorsprung fix.

Nachgefragt bei Gesamtweltcup-Sieger Marcel Hirscher

Sie waren mit dem Rennen heute sehr unzufrieden, zunächst kam keine Freude auf. Was ging in Ihnen vor?

Hirscher: „Ich bin einfach nicht gut gefahren. Es ist wurscht, was für Bedingungen sind. Man muss überall gut sein, sogar beim Wasserskifahren sollte man gut sein. Das ist unser Job, dass wir das hinbekommen. Das haben wir heute definitiv nicht.“

Sie sind zum achten Mal Gesamtweltcupsieger. Wird sich dieser Ärger heute noch in Freude umwandeln?

Hirscher: „Jetzt brauche ich einmal eine kalte Dusche und einen langen Spaziergang. Am Abend wird das sicherlich logischerweise ganz anders sein. Aber jetzt gerade könnte ich Bäume ausreißen. Aber ich glaube, das ist genau das, was mich zu dem Punkt gebracht hat. Genau diese Emotion und der Ehrgeiz haben mich sicherlich da hingebracht, wo ich heute stehe. Mit zwanzig Kugeln, wie es ausschaut. Trotzdem ist es heute nicht weniger schmerzhaft als vor zwölf Jahren.“

Ihre persönlichen Umstände haben sich geändert, Sie sind nun Vater. Haben Sie vor Saisonbeginn Zweifel gehabt, ob sie weiter so dominieren können?

Hirscher: „Logisch. Der Tag hat 24 Stunden. Man kann nur Danke sagen an meine Frau, die einen wahnsinnig gewaltigen Job macht und mich, so weit es geht, frei stellt. Das Wichtigste ist sicherlich die Familie, dann kommt Skifahren. Das war bis zu dem Zeitpunkt sicherlich anders.“

Wussten Sie heute in der Früh schon, dass dieses Rennen Ihnen wegen der Salzpisten-Verhältnisse keine große Freude machen wird?

Hirscher: „Ja. Und klar probiert man, es trotzdem positiv zu sehen. Ich habe euch gestern gesagt, wer gewinnen wird. So gut wie das zum Beispiel in Alta Badia gegangen ist, wo ich ein Setup gehabt habe wie kein anderer, so gibt es halt andere Tage auch.“

Ist der Slalom am Sonntag nun das vorhergesagte Genussrennen für Sie?

Hirscher: „Wenn es jetzt keine Wolke mehr gibt bis morgen, dann ja.“