Nilam Farooq: „Bekanntschaften aus dem Internet sind nicht geplant“
Nilam Farooq suchte eine neue Herausforderung. Die ehemalige Soko-Leipzig-Kommissarin ist nun im neuen Kinofilm „Rate Your Date“ zu sehen.
Berlin – Nilam Farooq ist sozusagen „Miss Vielseitig“. Die Schauspielerin ist Tochter einer Mutter aus Polen und eines Vaters aus Pakistan, aber, wie sie sagt, „durch und durch Berlinerin“. Zuerst Star auf Youtube, dann Fernsehstar (sieben Jahre lang als Kommissarin Olivia Fareedi in „Soko Leipzig“). Nun ist sie dabei, die Kinoleinwand zu erobern. In der Komödie „Rate Your Date – Liebe passt in keine Schublade“, seit Freitag in den Kinos, verkörpert sie die Single-Mutter und Romantikerin Patricia. Ein Interview im Berliner „Soho House“, in dem auch George Clooney gerne residiert.
Womit soll man bei Ihnen anfangen? Vielleicht bei der Herkunft. Die polnische Mutter deutet sehr auf Christin hin, der pakistanische Vater auf Moslem. Ging diese Ehe immer gut?
Nilam Farooq: Absolut. Wir beten, jeder seine Gebete halt, und essen kein Schweinefleisch. Die beiden haben mich zu einem toleranten und weltoffenen Menschen gemacht.
Sie hatten schon eine Schauspieler-Ausbildung. Wie kam es 2010/2011 zum Einstieg bei Youtube?
Farooq: Eine Karriere kommt eben oft nicht so schnell in Schwung. Vielleicht war es Langeweile, vielleicht Neugier.
Mit Ihrem Kanal „Daaruum“ wurden Sie zu einer der deutschen Webvideo-Größen. Für Ihren Kanal haben Sie weit über 1000 Videos produziert und wurden über 200 Millionen Mal aufgerufen. Die Frage haben Sie sicher schon unzählige Male gehört, dennoch: Was hat es mit der Bezeichnung „Daaruum“ auf sich?
Farooq: „Darum“ ist mein deutsches Lieblingswort. Spricht es jemand aus, kann er total viel damit meinen – oder gar nichts. Die normale Schreibweise war bei Youtube leider schon vergeben, Zahlen wollte ich nicht anfügen, also habe ich ein doppeltes „a“ und ein doppeltes „u“ gewählt. Doch später wurde daraus einfach der Nilam-Kanal.
Sie haben Schminktipps gegeben, über Outfit- und Frisuren-Trends sowie über gutes Essen gesprochen und auch Reiseziele empfohlen. Bei Ihren Follower-Zahlen muss es ja ein einträgliches Geschäft geworden sein?
Farooq: In den „Pionierzeiten“ ja, doch allmählich entwickelte sich alles immer mainstreamiger, der Kuchen wurde größer. Ich habe zweifellos gute Zeiten gehabt, doch seit einem Jahr habe ich nichts mehr hochgeladen. Meine früheren Sachen können Sie natürlich nach wie vor sehen.
Mitentscheidend für diesen Entschluss war wohl auch die Dauerrolle als Kommissarin in „Soko Leipzig“. Mit so einem Job hat man einigermaßen ausgesorgt. Trotzdem haben Sie nun gekündigt. Warum?
Farooq: Weil man eines Tages unweigerlich in einer Sackgasse landet und sich fragt: „Möchte ich mein Leben lang nur einen ,gesicherten Job‘ oder gibt es noch andere spannende Charaktere und Abenteuer?“ Ich habe mich für Letzteres entschieden.
Unter David Dietl, dem Sohn des legendären Helmut Dietl, haben Sie also nun die Komödie „Rate Your Date“ gedreht. Die Drehbuch-Grundidee war zunächst nur Fiktion, wurde dann aber von der Wirklichkeit überholt?
Farooq: Mit Online-Dating ist ein richtiger Hype ausgebrochen. Im Film entwickeln ein paar junge Leute die Idee weiter, erfinden eine App, in der Dating-Partner beurteilt werden können. Als wir bei den Leseproben waren, kam plötzlich jemand und hat uns mitgeteilt: „Leute, man hat mir zugespielt, dass irgendeiner jetzt wirklich eine solche App entwickelt hat!“
Durch Ihre Youtube-Aktivitäten waren Sie technisch gewiss einigermaßen auf dem Laufenden?
Farooq: Ein bisschen wusste ich, wie’s funktioniert. Ich kenne mich auch bei Facebbook aus, doch Twitter werde ich wahrscheinlich nie privat nützen. Ich kenne auch Pärchen, die sich online kennen gelernt und geheiratet haben und die noch immer glücklich miteinander sind. Das gibt’s. Aber nicht für mich. Ich bin seit jeher recht klassisch und analog unterwegs. Über jemanden erzählen zu müssen, dass wir einander online kennen gelernt haben – da würde mir was fehlen. Auch angesichts des Wissens, dass der Tag der Wahrheit kommt, sobald man mit jemandem Kontakt aufgenommen hat.
Im Internet wird auf diesem Sektor ja auch so viel gelogen und beschönigt. Da gibt es zum Beispiel nur die attraktivsten Fotos?
Farooq: Dagegen allein wäre nichts zu sagen. Wenn sie aber bearbeitet sind, dann schon.
Kommt für Sie aber nicht in Frage?
Farooq: Wie gesagt, ich habe keine Online-Bekanntschaften, und das ist auch nicht geplant.
„Rate Your Date“ ist eine leichte Komödie, gibt es dennoch irgendeine Message?
Farooq: Na ja, man sieht, was passiert, wenn man den Menschen zu viele Gelegenheiten und Möglichkeiten gibt. Dann kommt sehr leicht Mobbing ins Spiel. Es braucht dann Aufklärung und Hilfe für die Betroffenen. Eine sehr aktuelle Thematik, über die man mehrere Serien drehen könnte.
Z u den vielen Facetten der Nilam Farooq gehört, dass Sie auch noch Werbegesicht für Opel, Wella, Fa und den Website-Baukasten WIX.com sind. Neuerdings sind Sie auch noch Schmuckdesignerin?
Farooq: Letzteres stimmt nicht ganz. Würde ich mich wirklich so nennen, dann würde ich einen Berufszweig diskreditieren. Die Realität ist, dass mir ein Schmuckverlag die Möglichkeit gab, drei meiner Ideen zu realisieren.
Was ist dann der effektive Hauptjob?
Farooq: Die Schauspielerei bleibt meine größte Herzblutleidenschaft. Gleichzeitig möchte ich mich nicht einengen lassen und es mir leisten können, Möglichkeiten, die mir geboten werden, manchmal auch links liegen zu lassen. Früher wurde mir gesagt: „Du musst dich auf eine Sache fokussieren!“ Das glaube ich nicht. Ganz und gar nicht. Es gibt nicht nur eine einzige Nilam, die einmal hundert Prozent bringen kann, sondern eine Nilam, die 800-mal hundert Prozent bringen kann. Ohne dass man viele Abstriche machen müsste.
Und dann existiert ja auch noch eine abenteuerlustige Nilam?
Farooq: Die schon einiges gemacht hat, das stimmt. Etwa Bungee-Jumping. Viel fehlt nicht mehr.
Was würde Sie noch reizen?
Farooq: Zum Beispiel Tauchen mit Weißen Haien. Ganz ohne Käfig.
Das Interview führte Ludwig Heinrich