„That‘s Politics“: Plädoyer für mehr Gelassenheit
Reinhold Gärtner hat Anton Pelinkas Gedanken zur 2. Republik in Buchform gebracht.
Innsbruck –Sie kennen sich seit 1985: In diesem Jahr kam Reinhold Gärtner ans Institut für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck, wo Anton Pelinka damals Institutsvorstand war. An beiden Experten ihres Fachs führt für Studierende zu Recht bis heute kein Weg vorbei. Jetzt hat Gärtner ein Buch geschrieben, in dem er Pelinkas Gedanken zur 2. Republik transkribiert hat (Verlag new academic press, ab Ende März erhältlich, 19,90 Euro). Das Besondere: Es ist eben kein Insider-Buch für (angehende) Politikwissenschafter, das sehr viel theoretisches Hintergrundwissen voraussetzt.
Im Gegenteil: Auf sehr leicht lesbaren 200 Seiten liegt hier eine Analyse des politischen Österreichs seit 1945 vor, die man sich gut als Standardgeburtstagsgeschenk für 16-Jährige – also für Erstwähler – vorstellen kann oder überhaupt für alle Politikinteressierten. Denn das Buch bietet einen launigen, niemals langatmigen Überblick über die Geschichte der politischen Parteien, österreichische Spezifika wie die Sozialpartnerschaft, den Wandel der politischen Kultur und viele andere Aspekte mehr. So erklärt sich auch der Titel „That’s Politics“. Denn von Gärtner befragt, wie dieses oder jenes Phänomen (Koalitionsbildung z. B. oder die Änderung von grundlegenden inhaltlichen Positionen) zu bewerten sei, antwortet Pelinka gerne: So ist das eben in der Politik, das ist das Wesen einer Demokratie, dieses oder jenes ist kein neues Phänomen, sondern hat es immer schon, und nicht nur in Österreich, gegeben.
Und so zieht sich ein Grundton durch das Werk, der sich unter anderem als Plädoyer für mehr Gelassenheit mit der gegenwärtigen Politik lesen lässt. Da ist etwa das Thema Personalisierung und sinkende Loyalität mit Parteien: Dass Sebastian Kurz bei seiner Eroberung des Bundeskanzleramts mehr Zugkraft ohne die alte Tante ÖVP hatte und nach wie vor alles auf ihn zugeschnitten wird, hat es in dieser Art nicht erst einmal gegeben. „Politik geht immer mit Wellenbewegungen einher“, sagt Gärtner im Gespräch mit der TT und erinnert an den Tiroler Landeshauptmann Wendelin Weingartner, der das schon in den 90er-Jahren erkannt hat. „Eine Person verkauft sich immer leichter als ein Inhalt“, weiß Gärtner.
Und so manch junger Mensch, den aktuelle „Einzelfälle“ in der FPÖ bzw. deren Anstreifen am braunen Rand empören, wird über die Ausführungen Pelinkas über die Entstehungsgeschichte der FPÖ und das Verhältnis der Kreisky-SPÖ zu den Blauen verblüfft sein. (car)
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