Terrorakt in Neuseeland: Zwei Opfer noch in Lebensgefahr

Die Zahl der Toten erhöhte sich auf 50, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. In einer der beiden Moscheen in Christchurch, wo ein vermutlich rechtsextremistischer Täter auf Muslime geschossen hatte, wurde eine weitere Leiche gefunden.

Die Anteilnahme in Christchurch ist groß.
© AFP

Christchurch – Nach dem Anschlag in Neuseeland schweben zwei Menschen immer noch in Lebensgefahr. Die Zahl der Toten erhöhte sich auf 50, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. In einer der beiden Moscheen in Christchurch, wo ein vermutlich rechtsextremistischer Täter auf Muslime geschossen hatte, wurde eine weitere Leiche gefunden. 36 Menschen wurden mit teils schweren Schussverletzungen in Spitälern behandelt.

Inzwischen geht die Polizei davon aus, dass es sich bei dem festgenommenen Mann, einem 28 Jahre alten Australier, um einen Einzeltäter handelt. Nach den bisherigen Ermittlungen haben zwei weitere Personen, die ebenfalls schon am Freitag festgenommen wurden, mit dem Anschlag nichts zu tun. Der mutmaßliche Täter sitzt nun in Untersuchungshaft. Ihm droht wegen vielfachen Mordes lebenslang Gefängnis.

Vermutlich alle Todesopfer muslimischen Glaubens

Die Familien und Freunde der Todesopfer warten nun darauf, dass die Leichen zur Beisetzung freigegeben werden. Vermutet wird, dass alle Todesopfer muslimischen Glaubens waren. Viele davon waren als Einwanderer nach Neuseeland gekommen. Ihre Familien haben Wurzeln in Ländern wie Pakistan, Bangladesch, Afghanistan, Ägypten, Saudi-Arabien und Indien. Die genaue Herkunft will die Polizei aber erst bekanntgeben, wenn alle Leichen identifiziert sind.

„Manifest“ auch an Premierministerin gesandt

Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern legte am Sonntag zum Gedenken an die Opfer in einer Moschee in der Hauptstadt Wellington einen Kranz nieder. Die Regierungschefin wollte sich im Laufe des Tages bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage äußern. Sie sprach mehrfach von einem „terroristischen Angriff“. Die Polizei bestätigte, dass der verdächtige Australier kurz vor der Tat am Freitag ein E-Mail mit einem „Manifest“ an die Premierministerin geschickt hatte. Auch die Regierungschefin selbst bestätigte dies am Sonntag in Wellington:

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„Ich war eine von mehr als 30 Empfängern des Manifests, das per E-Mail versendet wurde neun Minuten, bevor der Angriff stattfand“, sagte Ardern vor Journalisten. Sie hob hervor, dass in der Hassschrift keine Ortsangabe oder Details zu der bevorstehenden Tat enthalten gewesen seien. Das Dokument sei zwei Minuten nach Erhalt an die Sicherheitsbehörden weitergeleitet worden.

Ardern kündigte an, dass die ersten Leichen von insgesamt 50 Todesopfern noch am Sonntag an die Familien übergeben würden, so dass mit den Beerdigungen begonnen werden könne. Bis Mittwoch sollten dann alle Leichen freigegeben werden.

Festgenommener Mann war Einzeltäter

Inzwischen gibt es eine provisorische Liste mit den Namen der Opfer. Nach neuseeländischen Medienberichten reicht deren Alter von zwei bis 77 Jahren. Vermutet wird, dass alle Todesopfer Muslime sind und aus Einwandererfamilien stammen.

Inzwischen geht die Polizei davon aus, dass es sich bei dem festgenommenen Mann, einem 28 Jahre alten Australier, um einen Einzeltäter handelt. Ardern widersprach Spekulationen, wonach der Mann möglicherweise nicht in Neuseeland, sondern in seiner Heimat Australien vor Gericht gestellt werden solle. Die Premierministerin sagte: „Er wird sich vor dem neuseeländischen Justizsystem für seinen terroristischen Angriff zu verantworten haben.“ (APA/dpa/AFP)


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