„Ich liebe freie Menschen und Provokateure“

Frankreichs Kinostar Fanny Ardant wird am Freitag 70 Jahre alt – und pfeift weiterhin auf gesellschaftliche Konventionen.

Fanny Ardant wird 70.
© imago stock&people

Paris –Sie trägt Leder, vorzugsweise Schwarz, färbt ihre Haare hellblond und ist ziemlich abgedreht. In ihrem jüngsten Film spielt Fanny Ardant eine Mutter, für die sich ihr erwachsener Sohn schämt, denn sie pfeift auf das, was andere denken. Regisseurin Diane Kurys hat Ardant den Part in „Ma mère est folle“ auf den Leib geschrieben. An diesem Freitag wird Ardant 70 Jahre alt.

Sie und ihre Rolle seien eins, temperamentvolle Frauen, die Konventionen sprengen und sich nicht unterkriegen lassen, erklärte Ardant vor dem Erscheinen des Films Ende 2018. Und ergänzte: „Die Person mag für ihr Umfeld nervig sein, doch ist sie eine wunderbar lebendige Frau.“

Fanny Ardant mit Gérard Depardieu.
© imago stock&people

Leidenschaftlich, exzentrisch, authentisch, unkonventionell und entschlossen: So schaffte Ardant 1981 ihren Durchbruch. In „Die Frau nebenan“ von François Truffaut spielt sie eine verheiratete Frau, die sich auf eine leidenschaftliche Affäre mit dem Nachbarn einlässt.

Ardant, damals 32, war Truffauts letzte Muse. Gemeinsam drehten sie noch „Auf Liebe und Tod“. Ardant spielte eine Sekretärin, die sich als Prostituierte verkleidet, um einen Mordfall aufzudecken. „Auf Liebe und Tod“ sollte Truffauts letzter Film werden. Er starb 1984 kurz nach seiner Veröffentlichung im Alter von 52 Jahren.

Für Ardant, die 1983 ihre gemeinsame Tochter Joséphine zur Welt brachte, war die Begegnung mit Truffaut wegweisend. Er habe ihr Dasein als Frau und Schauspielerin völlig auf den Kopf gestellt, sagt sie selbst. Zwischen Truffauts Filmen und „Ma mère est folle“ liegen eine über 30-jährige Karriere und Rollen, die ihr freigeistiges Denken widerspiegeln.

Fanny Ardant in "8 Frauen"
© imago-images

Klassisch-bürgerliches Drama habe sie deshalb nie interessiert, sagt sie. In „Die schönen Tage“ liegt sie als 60-jährige Rentnerin mit einem Joint und einem viel jüngeren Mann im Bett. In „Auch Männer mögen’s heiß“, eine Komödie über Homosexuelle, spielt sie eine Clubbesitzerin, und in dem 2017 erschienenen „Lola Pater“ ist sie als eine aus Algerien stammende Transsexuelle zu sehen.

2009 führte Ardant bei „Cendres et Sang“ (etwa: Asche und Blut) erstmals Regie. 2017 drehte sie in Russland „Le Divan de Staline“, einen Film, in dem sie die Beziehung des russischen Diktators zur Kunst hinterfragt. Als Josef Stalin besetzte sie Gérard Depardieu. Zu Depardieu unterhält sie seit Jahren schon ein ganz besonderes Verhältnis. Auch er, das selbst erklärte Monstrum, liebt es, Konventionen zu sprengen.

Der einzige Planet, mit dem sie ständig auf einer Wellenlinie sei, sei Gérard, erzählte sie jüngst. Sie lache gern mit ihm zusammen und hasse wie er Drehs, bei denen es wie in der Schule oder bei der Armee zugehe. Was sie über seine Rolle als Steuerflüchtling und Russe halte? „Ich hasse Lynchjustiz. Ich liebe freie Menschen und Provokateure.“

Fanny Ardant mit François Truffaut,
© imago-images

Sie selbst stammt aus einer altehrwürdigen Bürgerfamilie. Ihr Vater war Militärgouverneur von Monaco, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Im südfranzösischen Aix-en-Provence studierte sie Politikwissenschaft, bevor sie nach Paris ging, um Schauspielunterricht zu nehmen.

Gespielt hat sie mit den Größten der Branche, darunter Volker Schlöndorff, Alain Resnais, Claude Lelouch und Costa-Gavras. 2009 wählte sie der Italiener Franco Zeffirelli als Hauptdarstellerin für „Callas Forever“ aus. Darin verkörpert Ardant die berühmte griechisch-amerikanische Sängerin, mit der sie wegen ihrer rauen und unverkennbaren Stimme auch gerne verglichen wird.

Gute Sitten und Moralnormen überschreitet sie auch in ihrem Privatleben. Ihr bewegtes Leben, drei uneheliche Töchter von drei Vätern, beschreibt sie bildhaft als „Rock’n’Roll“. Als Anhängerin der Untreue bezeichnet sie sich, weil ein Seitensprung eine Ehe durchaus wieder anspornen könne und weil sie Lügen hasst. Sie habe übertrieben gelebt, so ihr Geständnis. (APA, dpa, TT)


Kommentieren


Schlagworte