Familie mit Baby überfallen: Prozess nach Home-Invasion in Wels

Drei Männer müssen sich in Wels vor einem Schwurgericht verantworten. Sie sollen im Juni des Vorjahres ein Paar mit einem neun Monate alten Baby in dessen Wohnung überfallen, eineinhalb Stunden lang festgehalten und immer wieder bedroht haben.

Symbolbild.
© APA/HELMUT FOHRINGER

Wels – Nach einer Home-Invasion, bei der neben Wertgegenständen auch Krypto-Geld im Wert von 210.000 Euro erbeutet wurde, müssen sich ab Mittwoch drei Männer in Wels vor einem Schwurgericht verantworten. Sie sollen im Juni des Vorjahres ein Paar mit einem neun Monate alten Baby in dessen Wohnung überfallen, eineinhalb Stunden lang festgehalten und immer wieder bedroht haben.

Drahtzieher der Aktion soll ein 21-jähriger Österreicher gewesen sein. Ebenfalls vor dem Geschworenensenat stehen zwei 26-jährige Tschetschenen. Zwei weitere mutmaßliche Täter sind noch nicht bekannt. Opfer waren ein selbstständiger Kryptowährungs-Trader, dessen Lebensgefährtin und die neun Monate alte Tochter des Paares.

Vor der Tat am 19. Juni des Vorjahres habe es gemäß der Anklage mehrere Besprechungen aller Beteiligten gegeben, in der die Vorgehensweise genau festgelegt wurde. Den Beschuldigten sei demnach klar gewesen, dass in der Wohnung auch eine Frau und ein kleines Kind sein würden.

Vater öffnete mit Baby im Arm

Am späten Vormittag läuteten die Täter bei der Familie in Wels und gaben sich als Paketzusteller aus. Der junge Vater öffnete, am Arm trug er seine neun Monate alte Tochter. Er wurde vom angeblichen Boten gewaltsam in die Garderobe gedrängt, ihm folgten drei weitere teilweise maskierte Männer. Ein fünfter, der später die Krypto-Transaktionen durchgeführt haben soll, dürfte noch einige Zeit im Treppenhaus gewartet haben.

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Eineinhalb Stunden lang hielten sich die Täter in der Wohnung der Familie auf. Der Mann wurde zunächst in einem Abstellraum mit Klebeband an einen Sessel gefesselt. Die Frau wurde ebenfalls gefesselt und mit einem Klebeband vor dem Mund ins Schlafzimmer gesperrt. Dorthin brachten die Täter auch das Baby. Die Eltern wurden immer wieder bedroht – unter anderem damit, dass man ihnen und der kleinen Tochter etwas antun werde – und nach Wertgegenständen sowie den Zugangscodes zu diversen Online-Börsen gefragt. Teilweise wurde den Forderungen und Drohungen mit einem Messer Nachdruck verliehen.

Paar gefesselt zurückgelassen

Die Täter erbeuteten Schmuck, Goldmünzen, Elektronikgeräte sowie teure Markenkleidung und transferierten noch in der Wohnung Kryptogeld im Wert von 210.000 Euro von den Konten des Traders weg. Dann flüchteten sie und ließen das Paar gefesselt zurück – mit der Warnung, man werde anderen Familienmitgliedern etwas antun, wenn sie die Polizei einschalten würden.

Die Staatsanwaltschaft wirft den von den Rechtsanwälten Werner Tomanek und Normann Hofstätter verteidigten Angeklagten erpresserische Entführung, schweren Raub, schwere Nötigung, schwere Erpressung sowie Vergehen nach dem Waffengesetz vor. Der Prozess startet am Mittwoch und wird am Donnerstag fortgesetzt. Ob dann bereits ein Urteil gesprochen wird, war fraglich. Ein weiterer Mann, der möglicherweise mit der Tat zu tun haben könnte, sitzt derzeit in U-Haft. Sollte sich der Verdacht gegen ihn erhärten, muss er sich in einem eigenen Prozess verantworten. (APA)


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