Von Pop bis Noise-Rock: Scott Walker mit 76 Jahren gestorben
Der amerikanisch - britische Musiker und Produzent, der in den 60er Jahren als Teil der „Walker Brothers“ weltweite Erfolge feierte, ist im Alter von 76 Jahren verstorben.
Berlin — Im Alter von 76 Jahren ist der US-amerikanisch-britische Sänger und Musiker Scott Walker gestorben. Dies teilte sein Label 4AD am Montag mit. Walker, der mit bürgerlichen Namen Noel Scott Walker hieß, war Teil der Popband "The Walker Brothers", die in den 60er Jahren mit Songs wie „The Sun Ain't Gonna Shine (Anymore)" und „Make It Easy on Yourself" vor allem in Großbritannien große Erfolge feierte.
Der Orson Welles der Musikindustrie
Nach Auflösung der Band kehrte Walker der traditionellen Popmusik den Rücken zu und schlug als Solomusiker andere Töne an. Er stieß musikalisch neue Türen auf und experimentierte mit Genres wie Country und Noise-Rock. So künstlerisch wertvoll und visionär seine Alben auch waren, auf so wenig Gegenliebe stießen sie beim Mainstreampublikum. Walkers Album "Climate of Hunter" aus dem Jahr 1983, so hieß es, sei das am schwächsten verkaufte Album des Labels Virgin gewesen. Ein unwillkommener Rekord - denn Walker haderte bisweilen durchaus mit seinem Avantgardistenstatus. "Ich bin zum Orson Welles der Musikindustrie geworden", sagte er 1995 der Zeitung The Independent. "Man will mit mir Mittagessen, aber niemand will den Film finanzieren." Walkers Musik, die es zu finanzieren galt, war allerdings auch oft nicht leicht verdaulich. Gewöhnungsbedürftig war etwa der schroffe Sound von "The Drift" aus dem Jahr 2006, den seine Band teilweise mit Hieben auf Schweinehälften erzeugte.
Walker für Radiohead-Frontmann Yorke "riesiger Einfluss"
Der Einfluss des Sängers und Komponisten ist jedoch kaum hoch genug einzuschätzen. Besonders deutlich färbten Walkers Stil und seine Baritonstimme auf David Bowie, Nick Cave, Marc Almond, David Sylvian, Pulp-Frontmann Jarvis Cocker oder den kürzlich gestorbenen Talk-Talk Frontman Mark Hollis ab.
Seine konsequente Haltung als Künstler mit Mut zur Avantgarde schlug aber auch zahllose andere Musiker in Bann. So bezeichnete Radiohead-Frontmann Thom Yorke am Montag Scott Walker als "riesigen Einfluss" für seine Band und ihn selbst. "Er zeigte mir, wie ich meine Stimme und Worte benutzen konnte." Zudem sei dieser Musiker "so ein netter, feiner Außenseiter" gewesen, der nun sehr vermisst werde.
Walker, der in den USA geboren war, lebte seit Jahrzehnten in Großbritannien. „Ein halbes Jahrhundert lang hat das Genie des Mannes, der als Noel Scott Engel geboren wurde, das Leben von Tausenden bereichert, zuerst als ein Drittel von The Walker Brothers und später als Solokünstler, Produzent und Komponist von kompromissloser Originalität," so das Label 4AD auf Instagram. (APA/dpa/TT.com)
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