Formel 1

Reformpläne: Die Zukunft der Formel 1 beginnt heute

Wohin steuert die Formel?1 in zwei Jahren? Eine mögliche Antwort soll es heute geben.
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Wie es im elitärsten Kreisverkehr der Welt ab 2021 weitergehen soll, das präsentiert die FIA heute. Hinter den Finanzen steht ein Fragezeichen.

Von Daniel Suckert

Innsbruck –Weniger Produktionskosten, mehr Siegkandidaten und eine Budget­obergrenze – auf den ersten Blick scheint die Zielsetzung der Reform (2021) für den US-Mehrheitsbesitzer Liberty Media und die FIA (Automobilverband) recht schnell auf den Punkt gebracht. Wenn da nicht die unterschiedlichen Interessen von Mercedes und Co. wären. Die FIA gibt heute einen ersten Einblick auf das, was kommen soll.

Kleingeld: Die Königsklasse will mit Vollgas in das nächste PS-Zeitalter. Das Problem dabei? Besonders die Finanzen haben die Handbremse aktiviert und lassen die elitäre Rennserie mit durchdrehenden Rädern am Stand qualmen.

Aktuell hantiert Branchenprimus Mercedes mit einem Jahresbudget von einer halben Milliarde Euro – ein Mittelklasse-Rennstall wie Haas muss derweilen mit 110 Millionen auskommen. Dass die hohen finanziellen Unterschiede sich auch bei den Ergebnissen am glühenden Asphalt niederschlagen, steht außer Frage. Obwohl ein hohes Budget nicht automatisch Siege oder gar WM-Titel garantiert. Siehe Toyota (Formel-1-Jahre 2002–09: 0 Siege), BMW (2006–09: 1 Sieg) oder BAR (1999–2005: 0 Siege).

Wie bereits durchsickerte, will die Führung rund um Chase Carey eine mehrjährige Reduktion (bis 2023) schaffen. Am Ende sollen Haas und Co. mit 135 Millionen Euro an den Start gehen dürfen.

Satelliten-Teams: Ab da wird es allerdings kompliziert. Denn die Budgetobergrenze wirft drei Fragen auf: 1. Wie wird alles kontrolliert? 2. Dürfen Motorenhersteller (Mercedes, Ferrari, Renault, Honda) mehr Budget beantragen? 3. Was passiert mit den Satelliten-Teams? Denn theoretisch könnte Red Bull dann bei Tor­o Rosso in Faenza das Chassis bauen lassen, während man sich in Milton Keynes um die Front- und Heckpartie kümmert. Dieselben Möglichkeiten hätte Ferrari mit den sehr guten Kontakten zu Haas und Alfa Romeo.

Apropos Ferrari – da kam gestern das Gerücht auf, Mick Schumacher würde nach dem Bahrain-Grand-Prix am Wochenende in der roten Göttin eine Testreihe bestreiten. Ursprünglich war der Sohn des Rekordweltmeisters Michael bei Alfa Romeo vorgesehen.

Lösung Geldverteilung? Viele sehen darum des Rätsels Lösung eher bei der Gewinnverteilung als einer Budget-Reduktion. Die Bonuszahlungen für Ferrari, Mercedes oder Red Bull könnten reduziert und das gewonnene Kleingeld an Nachzügler wie Williams oder Racing Point überwiesen werden. Bei diesem Ansatz drohte aber schon der mittlerweile verstorbene Präsident der Scuderia, Sergio Marchionne, mit einem Ausstieg der Roten.

Positiver gegenüber der finanziellen Obergrenze äußerte sich vor Kurzem Toto Wolff, seines Zeichens Motorsportchef (Mercedes). Der Wiener empfindet eine stufenweise Reduktion als vernünftig: „Die Gespräche laufen. Es wird ein Budget-Cap kommen. Und den wollen wir.“ Stellvertretend für die Kleinen begrüßte Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer den Ansatz: „Lass die schlaueren Kerle eine Chance haben, nicht die reichen Jungs.“

Prestige? Und doch gibt es noch einen Haken an der Reduktion der finanziellen Mittel. Die Königsklasse hatte stets eine Vorreiterrolle in puncto Technik inne. Ob man die wirklich aufgeben will? Innovationen wie Schaltwippen oder das Rückgewinnungssystem KERS würden dann nicht mehr der Kreativität der Ingenieure entspringen. Bleibt abschließend nur die Frage, ob das dem einfachen Fan nicht egal wäre. Denn der schreit auch dieser Tage mehr denn je nach einer Wiedereinführung von Tankstopps.