Olympia-Traum bringt Kletterer an ihre Grenzen
Mammutprogramm für Olympia 2020: Das Team rund um Weltmeister Jakob Schubert muss neue Wege gehen und beginnt die Quali bei null.
Von Roman Stelzl
Innsbruck –Auf Lorbeeren ausruhen ist für Jakob Schubert schon von Berufs wegen kein Thema. Jemand, der immer nach oben strebt, kann nicht auf Altem sitzen bleiben – und im Falle des Tiroler Vorzeige-Kletterers und seinem großen Traum von den Olympischen Spielen 2020 in Tokio ist das auch gut so.
Denn alles, was bisher war, ist im Qualifikationsmodus für die Olympia-Premiere 2020 in Tokio (JPN) de facto wertlos. Schubert beginnt, so wie alle anderen, bei null, da hilft ihm weder der Kombinations-Gesamtweltcupsieg noch der Heim-Weltmeistertitel 2018 in Innsbruck weiter. Was das Ganze besonders schwierig macht: Für Österreich dürfen je zwei Damen und Herren ran – und das Feld, das um diese vier Tickets ringt, ist weit größer.
Insgesamt klettern in Tokio 20 Athleten bei der erstmaligen Austragung des „Probe-Bewerbs“, dessen Olympia-Zukunft erst nach der (vorerst einmaligen) Austragung in Tokio entschieden wird. Fixe Startplätze gibt es nur für die Top sechs der WM in der japanischen Hauptstadt im August – die besten 20 im Kombinationsweltcup (auch mit dem Gesamtsieger, wenn noch nicht qualifiziert) müssen Extrastunden einschieben: Mitten in der Saisonpause wartet eine eigene Olympia-Ausscheidung in Toulouse (FRA/28.11. bis 1.12.). Fünf weitere Plätze gibt es für die Kontinentalmeister – also auch den Europameister im Frühjahr 2020. Es wäre die dritte und auch letzte Chance.
Diesen Stress will sich Schubert nicht antun. „Es gibt nicht viele Möglichkeiten, sich zu qualifizieren. Aber ich habe bei der WM als Weltmeister gezeigt, dass ich es kann“, sagt der 28-jährige Innsbrucker.
Und um nicht von einer guten WM abhängig zu sein, entscheidet sich der Doppel-Weltmeister wie viele seiner Kollegen für ein Mammutprogramm: Schubert nimmt bis auf Vail (USA) alle Boulder-Weltcup-Stationen sowie alle Vorstiegs-Bewerbe in Angriff. Dazwischen wird, so gut es geht, noch die Speed-Disziplin Platz finden, ist diese neben Bouldern und Vorstieg doch das dritte Kombinations-Element. Der Olympia-Bewerb war lange umstritten, hatte vor der Vergabe 2013 keiner der Favoriten mit dem Geschwindigkeits-Klettern etwas am Hut. Es ist Schnee von gestern. Zumindest vorerst.
„Falls ich bei der WM nicht gut bin, muss ich meine zweite Chance beim Olympia-Quali-Bewerb in Toulouse nutzen. Aber das Ziel ist es, da gar nicht erst hinfahren zu müssen“, ergänzte Schubert, der am Sonntag beim Bloc Masters in Pfungstadt Vierter wurde.
Neben ihm ist Jessica Pilz, WM-Dritte der Kombi, die größte Goldhoffnung – dahinter beginnt das Gerangel um zwei weitere Plätze. „Für die Athleten wird das heuer noch mehr Stress. Weniger von der körperlichen Belastung als von der mentalen Seite“, sagt Michael Schöpf, Sportmanager im Österreichischen Kletterverband (KVÖ).
Wer genau die anstrengende Jagd auf das Olympia-Ticket in Angriff nimmt und an neue Grenzen gehen muss, wird zwei Tage vor dem Boulder-Weltcup-Auftakt in Meiringen (SUI/6. April) bekannt gegeben. Es könnten sogar jene 14 Österreicher sein, die bei der WM dabei waren. Einziger Haken: Die Konkurrenz ist so stark, dass es schwierig wird, die Startplätze drei und vier zu ergattern. Denn im Kombi-Gesamtweltcup 2018 werden lediglich Pilz und Schubert geführt. Das wird sich ändern müssen.
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