Bezirk Kufstein

,,Durchfahrt verboten“: 3000 Anzeigen in Kundler Wohnstraße

Die Beschilderung ist eindeutig: Unberechtigte haben in der Siglgasse generell nichts verloren, die Durchfahrt ist untersagt. Dennoch nutzten Lenker die Straße, um das Dorfzentrum zu umfahren.
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Pkw-Lenker, die in Kundl über eine Wohnstraße fahren, lösen bei der BH Kufstein eine Anzeigenflut aus. BM Anton Hoflacher sieht aber keinen Handlungsbedarf.

Von Jasmine Hrdina

Kundl –Es ist nur eine kleine Straße in einem 4000-Seelen-Dorf, doch den Mitarbeitern der Abteilung für Verkehrsstrafen an der Bezirkshauptmannschaft Kufstein dürfte die „Siglgasse“ mittlerweile ein Begriff sein. 3000 Anzeigen flatterten der Behörde innerhalb der vergangenen sechs Monate ins Haus – alle mit demselben Betreff: widerrechtliche Nutzung einer Wohnstraße.

In einer solchen ist laut Straßenverkehrsordnung (§ 76b) jeglicher Fahrzeugverkehr verboten, mit Ausnahme „des Befahrens zum Zwecke des Zu- und Abfahrens“, für Straßendienste, Müllabfuhr, den öffentlichen Sicherheitsdienst sowie der Feuerwehr bei einem Einsatz. Gemessen an der Zahl der Häuser in der Siglgasse sei das Verkehrsaufkommen viel zu hoch, findet ein Anrainer (Name der Redaktion bekannt). Im südlichen Bereich der Straße, wo die meisten Pkw durchrollen, sind es nur etwa ein Dutzend Liegenschaften. Lärm, Schmutz, Gefahr – dass Bewegung auf den Straßen auch seine Nachteile hat, ist hinlänglich bekannt. Der Verkehrsgeplagte will dies nicht hinnehmen und fordert eine neue Beschilderung. Das blaue Schild mit Häuschen und spielendem Kind reicht offenbar nicht aus, auch das Zusatzschild „Durchfahrt verboten“ – das per Gesetz auf einer separaten Stange montiert sein muss – hält viele Fahrer nicht davon ab, „teilweise mit 40 km/h durch die Straße zu brettern, in der nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist“, kritisiert der Kundler.

Seit vergangenem Sommer hätte sich die Lage verschlimmert. Bedingt durch die Großbaustelle im Zentrum war die Ortsdurchfahrt gesperrt, der Verkehr wurde über die Sigl­gasse umgeleitet. Dadurch seien noch mehr Lenker auf die „Ausweichroute“ aufmerksam geworden. Hinzu kommt, dass auch Navigationsgeräte nichts von der Kundler Beschränkung zu wissen scheinen und Fahrer immer wieder dorthin lotsen. Auch Lkw samt Anhänger nutzten bereits die verbotene Abkürzung.

„Wer einen gültigen Führerschein hat, sollte wissen, was das Schild bedeutet", so Anton Hoflacher (Bürgermeister).
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Von den 3000 Privatanzeigen hat „ein Großteil Berechtigung“, teilt der für Verkehr zuständige Bezirkshauptmannstv. Herbert Haberl auf Nachfrage mit. Betroffen von den Meldungen waren neben privaten Lenkern auch Taxiunternehmen, Fahrschulen und sogar hiesige Bauhofmitarbeiter im Dienst, berichtet der Dorfbewohner.

Fährt man unberechtigt durch eine Wohnstraße, müsse man mit einer Strafe in der Höhe von 60 Euro rechnen, so Haberl.

Bei wiederholtem Vergehen kann das beachtliche Löcher im Haushaltsbudget hinterlassen – laut dem Anrainer seien unter den Verkehrssündern einige Wiederholungstäter. Ein rotes Fahrverbots-schild mit der Zusatztafel „Ausgenommen Anrainer“ würde mehr Verkehrsteilnehmer davon abhalten, die Wohnstraße illegal zu durchqueren, ist der Beschwerdeführer überzeugt.

Kundls BM Anton Hoflacher sieht trotz Anzeigenflut keinen Handlungsbedarf, wie er im Gespräch mit der TT erklärt. Das Verkehrsaufkommen störe demnach nur den einen, hartnäckigen Bewohner – ansonsten seien dem Dorfchef diesbezüglich keine Beschwerden zu Ohren gekommen. „Jeder hat so sein Hobby. Die einen gehen auf den Berg, die anderen machen eben Anzeigen“, kommentiert er die 3000 Meldungen an die Behörde.

Die Beschilderung wolle er jedenfalls nicht ändern. „Jeder, der einen gültigen Führerschein hat, sollte das Wohnstraßen-Schild kennen und wissen, was es bedeutet. Und sonst muss er eben die Strafe zahlen“, sagt Hoflacher.

Der Anrainer fühlt sich von der Politik im Stich gelassen – auch eine parlamentarische Anfrage im Jahr 2012 an die damalige Innenministerin Johanna Mikl-Leitner hatte keine Maßnahmen ergeben. Aufgeben will er nicht – dass die Anzeigenflut abebben wird, ist also nicht zu erwarten.