Bundesliga

Zwischen Tivoli-Doppel und Absturz: Was blüht Wacker und Wattens?

Die Wolken über dem Tivolistadion sollen sich im Frühjahr verziehen.
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„Worst Case“ mit ernüchternder Zweitklassigkeit oder zwei Klubs in der Bundesliga — in den nächsten Wochen absolviert der Tiroler Fußball mit dem FC Wacker und der WSG Wattens einen heißen Tanz auf der Rasierklinge.

Von Wolfgang Müller

Innsbruck — Das neue Tivoli­stadion hat seit dem Eröffnungsspiel am 8. September 2000 — 1:0-Sieg des damaligen FC Tirol gegen Rapid durch ein Scharrer-Tor — viel zu erzählen. Finanzcrash, Meisterfeiern und Abstiege, drei lässige EM-Gruppenspiele 2008, Länderspiele und auch jahrelange, trostlose Zweitklassigkeit. Die Historie der Tiroler Fußball-Kultarena ist eng mit dem FC Wacker verbunden. Seit dem Neuaufbau 2002 durchlaufen die Schwarzgrünen ein Wechselbad der Gefühle. Drei Aufstiege (2004, 2010, 2018) wurden bejubelt, zwei bittere Abstiege (2008, 2014) verarbeitet, zum dritten soll bzw. darf es einfach nicht kommen.

Erstklassiger Bundesliga-Fußball soll den Tiroler Fans auch nach dem heißen Frühjahr 2019 geboten werden. Entweder vom FC Wacker oder der WSG Wattens oder von beiden. Über den „Worst Case" — die Schwarzgrünen steigen ab und die Grünweißen bleiben zweitklassig — will man weder in Innsbruck noch in Wattens sprechen. Das wär­e auch der Super-GAU für den Tiroler Fußball.

„Was-wäre-wenn-Szenarien sind kontraproduktiv. Ich bin überzeugt, dass wir den Klassenerhalt schaffen", erklärte Alfred Hörtnagl, der sich beim gestrigen Training bestätigt sah: „Bis auf Hupf­auf und Buchacher sind all­e fit." Der FCW-Sportchef glaubt felsenfest an seine Mannschaft: „Alle sind voll fokussiert. Mittelfristig haben wir mit dem Trainerwechsel ein Zeichen gesetzt, das sich langfristig mit dem Ligaerhalt bestätigen wird." Was eine Trendumkehr des bisherigen Ligaverlaufs erfordert, denn die Zahlen des Bundesliga-Grunddurchganges sprechen ganz eindeutig gegen das Schlusslicht aus dem Land der Berge.

Die Wacker-Kicker schwören sich auf den Klassenerhalt ein, der mit Fanunterstützung geschafft werden soll.
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In Hartberg wird am Samstag das erste von zehn Endspielen angepfiffen. Was zählt, sind Punkte. Die Zeit zum Entwickeln neuer Spiel­ideen ist knapp, Abstiegskampf ist auch Kopfsache. Was Trainer Thomas Grumser, ein knallharter Verfechter des Leistungsprinzips — „Aufgestellt wird ausschließlich nach den Trainingsleistungen"—, klar ist: „Am Ende des Tages wird einzig und allein zählen, ob wir den Klassenerhalt geschafft haben."

Und wenn nicht? Dann wird der schwarzgrüne Fußballbetrieb — wieder einmal — in seinen Grundfesten erschüttert sein. Der FC Wacker wird bzw. muss in allen Bereichen „zurückfahren". Man wird vom Profifußball zwischenzeitlich meilenweit entfernt sein. Ein Albtraum für alle, die zuletzt mit viel Herzblut dafür sorgten, dass die zarte Pflanze FC Wacker einige Triebe entwickelt, etwa das mutige Projekt zweite Mannschaft in der zweiten Liga sowie die Idee und Planung des Trainingszentrums. Mit dem Abstieg wäre das alles mit einem Schlag vom Tisch, geplatzt wie eine Seifenblase.

Doch noch hat es der FC Wacker selbst in der Hand, in Zukunft erstklassig zu bleiben. Und im Überlebenskampf der kommenden Wochen soll auch das Tivoli wieder eine wichtige Rolle spielen. In den fünf Heimspielen muss die Innsbrucker Arena wieder jen­e Festung werden, die sie in glorreichen Zeiten schon war und nicht Selbstbedienungsladen für die unmittelbaren Konkurrenten bleiben.

Jubeln die Wattener über den Aufstieg, übersiedeln die WSG-Profis ins Tivoli.
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Die WSG Wattens schaut nur auf sich

Nicht nur, dass der FC Wacker in der am Samstag beginnenden Qualifikationsrunde der Bundesliga als Tabellenschlusslicht mit dem Rücken zur Wand steht, schickt sich auch noch ein kleiner östlicher Nachbar an, die Führungsrolle in Tirol zu übernehmen:

Die WSG Wattens liegt in der 2. Liga an der Tabellenspitze, nur noch die SV Ried und mit Abstrichen der SC Wiener Neustadt könnten den sportlichen Aufstieg der Tiroler verhindern.

Würde den Wattenern — provokant gefragt — ein Abstieg des FC Wacker gut in den Kram passen, damit sich die Frage nach der Nummer eins im Tiroler Fußball-Land sportlich von selbst beantwortet? „Nein", sagt Sportmanager Stefan Köck. „Man ist noch nie gut damit gefahren, jemand anderem Schlechtes zu wünschen." Man schaue nur auf sich selbst.

Es gibt aber doch einige Berührungspunkte für die kommende Saison: Bekanntlich würde die WSG Wattens im Falle eines Bundesliga-Aufstiegs ihre Heimspiele im Tivoli bestreiten. Außerdem hat der Tiroler Fußballverband, der in Sachen Fußball-Akademie ja auch einen Kooperationsvertrag mit dem FC Wacker hält, bereits erklärt, diese Möglichkeit auch der WSG Wattens einzuräumen — was diese bereits wahrnahm.

Die Bundes­liga-Planungen in der Kristallgemeinde laufen längst auf Hochtouren. (t.w.)

Bei Wacker-Abstieg folgt „Domino Day"

Kennen Sie noch den „Domino Day"? Seit 1998 wurde bei diesem TV-Event jedes Jahr aufs Neue ein Weltrekord an gefallenen Domino-Steinen registriert, bis der Sendung im Jahr 2009 die finanzielle Luft ausging.

Einen neuen „Domino Day" könnte es im Sommer im Tiroler Fußball-Unterhaus geben, wenn der FC Wacker wirklich aus der Bundesliga absteigen sollte. Denn das würde eine Kettenreaktion auslösen: Wacker II müsste dann nämlich in die neu geschaffene Eliteliga, die bekanntlich die Westliga ersetzt, absteigen. Damit hätte die UPC Tirol Liga ebenso einen Aufsteiger weniger (vier statt fünf) wie alle anderen Ligen bis hinunter zur 2. Klasse. Die Amateurklubs werden dem FC Wacker wohl die Daume­n drücken ... (t.w.)

Kirchler: „Es würde vieles zusammenbrechen"

Auch Akadamie-Tirol-Leiter Roland Kirchler blickt besorgt Richtung Tivolistadion. „Der FC Wacker ist der Tiroler Vorbildverein, weil er immer noch die größte Strahlkraft und Vergangenheit hat", stellt der Ex-ÖFB-Nationalspieler (30 Einsätze) klar. Wenn der Abstieg tatsächlich Realität werden sollte, „hätten wir mit Wattens nur noch einen starken Verein. Denn ich glaube, bei einem erneuten Abstieg wird in Innsbruck vieles zusammenbrechen."

Aus neutraler Sicht sei freilich nur wichtig, „dass die Durchgängigkeit gegeben ist". Ihm sei es ein Anliegen, dass es für Tiroler Talente in jeder Entwicklungsstufe Spielpraxis gebe. Aktuell ist genau das mit FC Wacker (Bundesliga), FC Wacker II und WSG Wattens (2. Liga) sowie den Westliga-Teams (dritte Leistungsstufe) der Fall.

Trotzdem stellt Kirchler klar: „Wenn man auf die Infrastruktur blickt, sollte schon der Hauptstadtverein das Flaggschiff sein. Da ist Wattens einfach nicht so weit." Bei beiden Klubs ehemals als Trainer und Spieler tätig, habe Kirchler in seiner Position als Akademie-Leiter „die Emotionen für beide Vereine ein bisschen zur Seite gestellt".

Aber: „Auch wenn es keiner glauben will: Ich bin Tiroler und gönne beiden Vereinen alles." Zwei Klubs in der höchsten Liga hält der 48-Jährige aber trotzdem „für unrealistisch. Wir sollten uns nicht selbst anlügen." (t.w.)