Dänemark setzt auf hohe Klima-Ziele und Verbote

Dänemark ist ein Vorbild für die Energiewende. Der Fokus auf Windkraft ist nicht auf Österreich übertragbar. Ambitionierte Ziele sind es schon.

2017 wurde das Wärme- und Stromkraftwerk Amager Bakke in Kopenhagen eröffnet. Von dort wird Heißwasser in das Fernwärmenetz eingespeist, am Dach entsteht als Zusatznutzen für die Bevölkerung eine 450 Meter lange Skipiste.

Von Cornelia Ritzer

Kopenhagen –Steigende Meeresspiegel und extreme Wetterereignisse sind deutliche Auswirkungen des Klimawandels. In Europa sind vor allem der Süden und die Küsten hart davon betroffen, hieß es 2017 im Klimabericht der Europäischen Umweltagentur (EUA). Dänemark gilt heute als das Land mit den weltweit ambitioniertesten Zielen beim Klimaschutz. Die grüne Entwicklung kommt nicht von ungefähr: Mit seinen zahlreichen Inseln und Buchten kommt das Land auf mehr als 7000 Kilometer Küste und ist besonders von Hitze, Überflutungen, Dürren und Stürmen bedroht.

Dänemark ist ehrgeizig, hat es doch bereits in den 70er-Jahren eine Energiewende geschafft: Damals war das Land zu 99 Prozent von importierter Energie abhängig, die Öl-Krise samt geschlossenen Tankstellen und autofreien Sonntagen für sieben Monate sei ein „Weckruf“ gewesen. Der 5,8-Millionen-Einwohner-Staat, der wie Österreich die Nutzung von Kernkraft ablehnt, setzte auf Windkraft und hat heute mit 43 Prozent den weltweit höchsten Anteil an Windenergie am Gesamtstromverbrauch. An einzelnen Tagen decke Dänemark alleine durch seine Windkraftanlagen über 100 Prozent seines Strombedarfs. Und knapp vor Österreich hat Dänemark den vierthöchsten Anteil erneuerbarer Energie beim Gesamtenergieverbrauch.

2018 präsentierte die Politik ihre ambitionierte Energiestrategie, laut der 50 Prozent der Energienachfrage bis zum Jahr 2030 aus nachhaltigen Quellen bezogen werden sollen. Fossile Brennstoffe sollen bis 2050 gänzlich durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Dänemark hat aber auch keine Scheu vor Verboten, das Aus von fossilen Verbrennungsmotoren bei Kfz-Neuzulassungen kommt ab 2030. Auch die Hauptstadt Kopenhagen steckt sich hohe Ziele. Seit 1995 wurden die CO2-Emissionen um 50 Prozent reduziert, bis 2025 will man weltweit die erste CO2-neutrale Hauptstadt werden. Kohle, Öl und Erdgas sollen bei der Produktion von Strom und Wärme gänzlich durch Windkraft, nachhaltige Biomasse und geothermische Energie und Solarenergie ersetzt werden.

Umweltministerin Elisabeth Köstinger (l.) traf in Kopenhagen den dänischen Energie- und Klimaminister Lars Christian Lilleholt (r.).

Ein wichtiger Baustein dafür sind drei geplante Mega-Windparks in der Nordsee. Die Delegation aus dem österreichischen Umweltministerium und Vertretern der heimischen Energiewirtschaft besuchte eine Offshore-Wind-Farm vor Kopenhagen. In Middelgrunden ist das Konzept einer „Wind Turbine Cooperative“ umgesetzt, bei der sich lokale Stadtwerke sowie knapp 10.000 Investoren die Anteile an der Anlage zur Hälfte teilen. Die Einbindung von privaten Kleininvestoren könne laut Antonella Mei-Pochtler, „Think Austria“-Leiterin und Sonderbeauftragte des Bundeskanzlers, ein Vorbild für Österreich sein.

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Vorbildlich ist auch das dänische Konzept der Fernwärme sowie begleitender Projekte, die an der intelligenten Steuerung von Systemen zur effizienten Abflachung von Verbrauchsspitzen tüfteln.


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