Sozialamtsleiter in Dornbirn erstochen: Tatverdächtiger hatte 15 Vorstrafen

Von „Rückfalltäter“ mit „verwerflichen Eigenschaften“ sei in dem Akt über den 34-jährigen mutmaßlichen Messerattentäter in Dornbirn die Rede gewesen. Diese Warnungen wurden offenbar ignoriert, wie mehrere Schwerpunkt-Berichte nun aufdecken. Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner weist die Verantwortung nach wie vor zurück.

Anfang Februar war der Beamte auf der BH in Dornbirn erstochen worden.
© APA

Bregenz – Nachdem neue Hintergründe in der Causa der tödlichen Messerattacke auf einen Sozialamtsleiter in Dornbrin bekannt wurden, weist Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) die Verantwortung dafür, dass der Mann in Vorarlberg untergekommen ist, weiter entschieden zurück. Vorarlberg habe den 34-Jährigen nicht aufnehmen wollen, betonte er als Reaktion auf eine Schwerpunktberichterstattung von den Vorarlberger Nachrichten und dem Falter.

Die beiden Medien berichteten am Mittwoch ausführlich über die Bluttat am 6. Februar und arbeiteten auch die persönliche Lebensgeschichte des 34-Jährigen auf. Dabei bezogen sich VN und Falter auf das Protokoll des Erstgesprächs des Mannes im Erstaufnahmezentrum Thalham und auch auf die Ermittlungsakten der Polizei.

Ein von den VN abgedrucktes Zitat des Innenministeriums – „Die Grundversorgungsstelle des Landes Vorarlberg hat letztlich dem Privatverzug (des 34-Jährigen, Anm.) nach Vorarlberg zugestimmt“, damit sei auch das Aufenthaltsverbot erloschen – wurde von Landeshauptmann Wallner zum wiederholten Mal scharf zurückgewiesen. In einem Interview mit dem ORF sprach Wallner von einem „billigen Versuch“, Verantwortung abzuschieben. Er verwies erneut auf jene couragierte Mitarbeiterin in Vorarlberg, die die Übernahme des Mannes aufgrund seiner kriminellen Vorgeschichte ablehnte. „Es gab im Vorfeld ganz, ganz intensive Warnungen, diesen Herrn nicht nach Vorarlberg zu lassen“, unterstrich der Landeshauptmann.

Anfang Jänner illegal nach Österreich eingereist

Der mutmaßliche Täter, der 1985 als Sohn eines türkischen Gastarbeiters in Lustenau geboren wurde, ist den Akten zufolge am 4. Jänner dieses Jahres illegal nach Österreich eingereist. Am 6. Jänner wurde er bei der Polizeiinspektion Höchst (Bez. Bregenz) vorstellig, von wo er nach Thalham überstellt wurde.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Einige Tage später – am 18. Jänner – stellte das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) einen Bescheid aus. In diesem wurde festgehalten, dass gegen den 34-Jährigen am 23. September 2009 ein unbefristetes Einreiseverbot erlassen wurde. Er war nach seiner ersten Abschiebung im Februar 2009 wenige Monate später nach Österreich zurückgekehrt und hatte um Asyl angesucht. Daraufhin wurde das zehnjährige Aufenthaltsverbot in ein unbefristetes Einreiseverbot umgewandelt und der Mann zum zweiten Mal abgeschoben. Weil der 34-Jährige seinen Angaben zufolge jedoch 2015 in Syrien gekämpft und mindestens zwei türkische Soldaten getötet habe, drohe ihm in der Türkei die Verfolgung. Deshalb wurde das Asylverfahren zugelassen.

15 Vorstrafen und Rachegedanken

Aus den Protokollen der Polizei geht laut VN hervor, dass der 34-Jährige nach Rache gesinnt habe – schon am Tag nach der Attacke war die Polizei von „kaltblütigem Mord“ ausgegangen. Der getötete Sozialamtsleiter hatte zehn Jahre zuvor, 2008, – nach der 15. Verurteilung des 34-Jährigen – das Aufenthaltsverbot erlassen. Laut Bericht des ORF Vorarlberg waren die 15 Vorstrafen u.a. wegen Einbrüche, Diebstähle, Nötigung, Drogendelikte und Körperverletzung ergangen. Im Akt über das zehnjährige Aufenthaltsverbot, für den der getötete Sozialamtsleiter verantwortlich war, sei vor der Gefahr, die 34-Jährigen ausgehen könnte, gewarnt worden. Laut ORF war die Rede von „verwerflichen Charaktereigenschaften“ und „Rückfalltäter“. Diese Warnungen seien dann offenbar von den Beamten in Thalham ignoriert worden, das er am 18. Jänner verlassen durfte.

Der 34-jährige Türke wird beschuldigt, am 6. Februar den Sozialamtsleiter der BH Dornbirn mit 14 Messerstichen erstochen zu haben. Bei der Tat selbst wies der Mann einen Blutalkoholgehalt von 0,75 Promille auf, zudem stand er unter Medikamenteneinfluss. Aktuell befindet sich der 34-Jährige in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Innsbruck, wohin er Ende Februar wegen Eigen-und Fremdgefährdung verlegt wurde. Nun strebt er aber eine Rückkehr ins Gefängnis nach Feldkirch an.

„Ich habe auf seinen Wunsch hin den Antrag eingebracht, dass er wieder nach Feldkirch überstellt wird“, sagte sein Verfahrenshelfer Daniel Wolff gegenüber ORF Radio Vorarlberg. Seit einigen Tagen sei die Einzelhaft aufgehoben.

Einen Termin für den Prozess am Landesgericht Feldkirch gibt es noch nicht. Es fehlen noch etliche Gutachten, unter anderem die psychiatrische Expertise, die von Reinhard Haller erstellt wird. (APA/TT.com)


Schlagworte