Tirol

„Junge Leute stehen Disziplin nicht negativ gegenüber“

Die Frauen salutierten als Gag für Oberst Wilfried Tilg.
© PHT

Bundesheer und Pädagogische Hochschule Tirol arbeiteten erstmals zusammen. Es ging um Selbststeuerung und Erfolg.

Von Alexandra Plank

Innsbruck –Die jungen Frauen stehen in Zivil aufrecht da und salutieren. Diesen Schnappschuss zeigt uns Oberst Wilfried Tilg. Er ist auf Wunsch der Frauen beim Workshop entstanden. Denn bei aller Disziplin muss auch Spaß sein.

Elisabeth Heis, die an der Pädagogischen Hochschule Tirol für den Bereich Erziehungswissenschaft zuständig ist, hatte den Oberst im Wintersemester 2018/19 eingeladen. Im Zentrum der fünf Einheiten stand das Thema „Disziplin.“ Gerade jungen Menschen wird ja oft nachgesagt, dass sie damit nur wenig anfangen könnten. „Das stimmt nicht, man braucht nur in Sportvereine zu schauen, mit welcher Ernsthaftigkeit da trainiert wird. Was man von jungen Menschen nicht mehr verlangen kann, ist blinder Gehorsam“, sagt Heis.

Tilg ist seit über 40 Jahren beim österreichischen Bundesheer und hat Tausende junge Menschen ausgebildet. „Wenn mich die ehemaligen Wehrdiener auf der Straße treffen, sprechen sie mich freundlich an“, erzählt er. Seine Erfahrungen hat er an 130 künftige Volksschullehrer weitergegeben. Im Rahmen einer Kooperation zwischen Bundesheer und Pädagogischer Hochschule (PHT) lernten diese viel über das Thema Disziplin. Laut Tilg habe sich dahingehend auch beim Bundesheer viel verändert. Natürlich gebe es nach wie vor viele Unterschiede zwischen Schule und Militär, aber eben auch Parallelen.

Eine Kursteilnehmerin, die mit Kollegen ein Thesenpapier zur Veranstaltung erstellt und die Einheiten moderiert hat, fasst zusammen: „Ich habe sehr viel mitgenommen. In der Schule wie auch beim Bundesheer braucht es Disziplin. Um diese einfordern zu können, ist es wichtig, dass die Autoritätsperson authentisch und sich ihrer Sache sicher ist.“ Die Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule Tirol sei von vielen Praktika in unterschiedlichen Volksschulen begleitet, sagt Heis: „Da zeigt sich immer wieder, dass vor allem junge Menschen und Kinder Strukturen und Regeln brauchen.“ Die künftigen Lehrerinnen und Lehrer haben sich intensiv auf die Einheiten mit Oberst Tilg vorbereitet, indem sie einschlägige Literatur studierten und Fragen formulierten. Beschäftigt hat die jungen Erwachsenen vor allem auch, wie man Kindern Werte wie Gemeinschaft, Verlässlichkeit und Eigenverantwortung vermittelt. „Die Welt ändert sich rasend schnell, es ist aber schön zu beobachten, dass bestimmte Werte nie aus der Mode kommen“, sagt Heis. Tatsächlich gehe es bei der Führung von Menschen immer darum, dass man Selbstdisziplin vermittelt. Heis zitiert diesbezüglich den Autor Carl Zuckmayer, der festhielt, dass man ohne Disziplin mit dem Glück auch nichts anfangen könne.

In der Schule gehe es darum, mündige Menschen zu formen, auch beim Heer sollten Menschen dahingehend beeinflusst werden, dass sie die Bedeutung der Demokratie verteidigen können. „Disziplin ist wahrscheinlich die zentrale Eigenschaft erfolgreicher Menschen“, resümiert Heis. Disziplinierung in der Schule sei indes nur dann sinnvoll, wenn bei den Schülern gleichzeitig die Selbstdisziplin gefördert wird. „Diese trägt dazu bei, dass Kinder und Jugendliche zu einem wertvollen Teil der Gesellschaft heranwachsen“, schließt Heis.

Elisabeth Heis (PHT) und Wilfried Tilg kooperierten im Rahmen einer Lehrveranstaltung. Es ging um Selbstdisziplin und Disziplin.
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