Bezirk Kufstein

Rundgang durch Wörgl beleuchtete Konsum und seine Konsequenzen

Die Teilnehmer setzten sich beim ethischen Stadtrundgang mit der Frage auseinander, welche Auswirkungen ihr Konsumverhalten für Mensch und Umwelt haben kann.
© Spielbichler

Seit September 2017 sensibilisieren Jan Mair und David Spielbichler vom Verein Südwind vor allem Jugendliche für die Auswirkungen unseres Konsumverhaltens und rücken dabei ethische Fragen in den Mittelpunkt.

Wörgl –Nicht touristische Sehenswürdigkeiten, sondern Konsumgewohnheiten bei Ernährung und Bekleidung standen im Fokus einer etwas anderen Stadtführung in Wörgl, die Jan Mair und David Spielbichler vom Verein Südwind vergangenen Donnerstag im Rahmen der Wörgler Demokratie-Woche anboten. Seit September 2017 sensibilisieren die beiden Studenten vor allem Jugendliche für die Auswirkungen unseres täglichen Konsumverhaltens und rücken dabei ethische Fragen in den Mittelpunkt.

Zum Start des Stadtrundganges vermittelten historische Fotografien der Bahnhofstraße, wie sich das Stadtbild durch Konsumgewohnheiten verändert hat.

Das 1995 erbaute CityCenter erhielt mit dem M4 und dem Westend-Einkaufszentrum Konkurrenz. Der Verdrängungswettbewerb hat sich in den vergangenen Jahren nun vermehrt auf den Online-Handel im Internet verlagert.

Die beiden Stadtführer zeigten auf, wie durch Konsumverhalten und die tägliche Kaufentscheidung auch die Produktionsbedingungen und deren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt gestaltet werden. Wer Lebensmittel saisonal aus regionaler und möglichst biologischer Erzeugung kauft, sorgt für kurze Transportwege.

Auch Fleischkonsum und Futtermittelanbau in Monokulturen wurden diskutiert. Fazit: Weniger Fleisch, dafür in besserer Qualität aus artgerechter Tierhaltung hilft nicht nur der Umwelt, sondern auch der Gesundheit. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch liegt in Österreich bei 65 kg, empfohlen sind 15,5 kg – und das meiste davon stammt aus industrieller Erzeugung. „Nur rund 3 % der Fläche unseres Planeten eigenen sich für Ackerbau. Beim prognostizierten Wachstum der Weltbevölkerung ist unser Fleischkonsum jedenfalls kritisch zu hinterfragen“, regte David Spielbichler zum Überdenken der eigenen Gewohnheiten an.

Weitere Tourstopps beleuchteten den fairen Handel, den Trend des Upcyclings sowie die Bekleidungsindustrie. „20 % der weltweit verbrauchten Pestizide werden im Baumwollanbau eingesetzt“, erklärte Jan Mair und zeigte die Umweltfolgen in Anbaugebieten auf, die aus dem hohen Wasserverbrauch resultieren: „1 kg Baumwolle benötigt im Anbau rund 5000 Liter Wasser, in trockenen Zonen wie im Sudan bis zu 29.000 Liter.“ So ist der Aralsee, einst so groß wie die Schweiz, aufgrund des Baumwoll-Anbaus in Kasachstan bereits zu 90 % ausgetrocknet.

Weitere Infos zur NGO Südwind und den ethischen Stadtführungen unter www.suedwind-agentur.at. (vsg)