Bezirk Schwaz

Laute Worte und viel böses Blut im Stummer Gemeinderat

Bei den öffentlichen Gemeinderatssitzungen in Stumm herrscht ein rauer Umgangston.
© Dähling

Stumm wird seinem Namen nicht gerecht: In der Gemeinderatssitzung am Mittwoch ging es laut und hitzig zu. GR Steiner wurde vom Bürgermeister das Wort entzogen: Er zettelte öffentlich eine Personaldebatte an.

Von Angela Dähling

Stumm –Den Beschlüssen nach zu urteilen, scheinen sich die Stummer Gemeinderäte großteils einig zu sein. Bis auf eine Gegenstimme oder Enthaltung hier und dort wurden die Beschlüsse Mittwochabend einstimmig gefällt. Das spiegelt aber keineswegs die Stimmung wider, die in diesem Dorfparlament herrscht. Denn in den Diskussionen geht es hitzig, laut und mitunter auch untergriffig zu.

Mittwoch stand die Jahresrechnung 2018 auf der Tagesordnung und mit ihr die Entlastung des Bürgermeisters. Überprüfungsausschussobmann Mike Kröll verwies auf sechs Prüfungen, einen Überschuss im Außerordentlichen Haushalt von rund 450.000 Euro, einen Verschuldungsgrad von 50,88 % und ein Plus von 6500 Euro bei den Ausgaben und Einnahmen des Schwimmbades. Er stellte den Antrag auf Entlastung von Bürgermeister Fritz Brandner. Dessen Vize Georg Wechselberger übernahm bei der Abstimmung den Vorsitz und war der Einzige, der den Dorfchef nicht entlastete. Begründung für seine Gegenstimme: Er habe Anträge eingebracht, die nicht beantwortet worden seien. Dann ließ er über die Entlastung des Kassiers abstimmen, worauf sich die Amtsleiterin zu Wort meldete. „Du kannst nicht den Kassier entlasten, nur den Bürgermeister. Es geht jetzt darum, die Abweichungen vom Haushaltsplan zu beschließen“, korrigierte sie den langjährigen Gemeindemandatar. Dieser Beschluss fiel einstimmig.

Falsch- und Dauerparker, die bei Schneeräumungen und Feuerwehreinsätzen behindern, sorgen in Stumm offenbar seit Jahren für Ärger. Dass man für das bekannte Problem eine Verkehrsstudie um rund 13.200 Euro in Auftrag gibt (die Hälfte davon übernimmt das Land Tirol), stieß bei VBM Wechselberger auf Unverständnis. Seitens diverser anderer Mandatare wurde aber deutlich gemacht: Erst wenn man fundierte Fakten hinsichtlich Verkehrs- und Fußgängerströme, Park- und Gehsteigsituation und dazu ein Expertenkonzept als Lösungsvorschlag habe, könne man tätig werden. „Ob die Lösung eine Einbahnstraßenreglung ist, ist aber völlig offen“, betonte GR Mike Kröll. Mit der Enthaltung von VBM Wechselberger bei der sonst einstimmigen Abstimmung wurde die verkehrstechnische Beurteilung in Auftrag gegeben.

Das Raumordnungskonzept, das einem Stummer Bürger einen Strich durch die Hausbaupläne macht, stieß bei GR Robert-Anton Steiner auf lautes Unverständnis. Auch dass der Bürgermeister ihm den Baubescheid in einer Gehsteigangelegenheit neuerlich nicht vorlegen wollte, erzürnte ihn. Schließlich machte er eine Personaldebatte öffentlich: Eine Stummerin, die unter den Zuhörern saß und ihm erlaubt habe, das Thema öffentlich zu diskutieren, habe sich zweimal als Reinigungskraft für die Schule beworben. Erst auf Nachfrage habe sie nach Monaten eine schriftliche Antwort in Form einer Absage erhalten: Sie entspreche dem Anforderungsprofil nicht.

„Soll das heißen, sie ist nicht fähig zu putzen?“, wetterte Steiner, der die Amtsleiterin und den Bürgermeister mit Aussagen konfrontierte, die diese getätigt haben sollen. Bürgermeister Brandner reichte es. „Ich bin dagegen, über Personalien öffentlich zu reden, und es interessiert mich nicht, ob die Dame das will oder nicht“, sagte er. „Und dir entziehe ich jetzt das Wort“, rief er GR Steiner zu. Die Debatte wurde nach der Sitzung vorm Gemeindeamt ohne den Dorfchef fortgeführt.