Innsbruck

Sonnenbrillen im Café

John Byron Jagger ist der Neffe des Stones-Frontmans Mick.
© Gasser

Mick Jaggers Neffe John Byron Jagger besuchte Innsbruck.

Innsbruck –Jagger sang im Hardrock Café Innsbruck, und fast niemand war dabei. Nein, nicht Mick Jagger, aber sein Neffe John Byron Jagger. Zusammen mit der Vargas Blues Band rund um Gitarrist Javier Vargas ließ er am Donnerstagabend die großen Rockhymnen erklingen.

Die erste Hälfte des Konzerts bestritt die Vargas Blues Band alleine. Das sind vier ältere Herren aus Argentinien und Kolumbien, Rocker aus einer anderen Zeit. Das Titellied ihres neuesten Albums „The King of the Latin Blues“ sagt schon sehr viel über die Musik aus, mit der sie in den Abend starten. Javier Vargas bringt seine Latino-Wurzeln per Gitarre deutlich zum Ausdruck. Mit starken Referenzen auf Carlos Santana und in genreüblichen Solo­exzessen demonstriert Vargas seine Virtuosität, nimmt sich aber gelegentlich auch zurück, um feine Melodien einfließen zu lassen. Leider übertönt seine Gitarre anfangs alle anderen Instrumente, was besonders bei den Congas schade ist.

Auch der Bass fehlt am Anfang ein bisschen. Das ändert sich aber mit dem fünften Lied, „Blues Latino“, einer fast kitschigen Nummer. „I Want You to Love Me“ ist von Männern 60 plus zwar nicht mehr das verlockende Angebot, das es einmal war. Dem spärlichen Publikum gefällt die Show aber.

Währenddessen sitzt John Byron Jagger hinter dem Merchandise-Stand, gut versteckt unter Schildkappe und Sonnenbrille. Plötzlich steht er auf der Bühne. Als Erstes bläst er die Mundharmonika, bevor er anfängt zu singen. Tatsächlich singt er gut, seine Stimme klingt an Onkel Jagger an. Mit dessen Performance kann er aber nicht mithalten. Sein Schicksal ist besiegelt, als sie neben Covers von Canned Heat und Chuck Berry auch noch Rolling-Stones-Covers („Honk­y Tonk Women“ und „Brown Sugar“) spielen. So bleiben John Jagger und die Vargas Blues Band eine weitere Fanband, die alte Geister weckt, ohne neue zu schaffen. Und das, obwohl John Jagger noch 2019 ein Soloalbum veröffentlichen soll. Wäre schön gewesen, mehr davon zu hören. Und die Moral von der Geschicht’? Spiel deines Onkels Lieder nicht! (lg)