Bärenstark und nicht zu bremsen: Terence Hill wird 80
Western mit Witz wurden sein Markenzeichen. Vor der Kamera stand Terence Hill schon als Zwölfjähriger, und auch im Alter dreht der blonde Italiener, der ein halber Sachse ist, noch Filme. Jetzt wird er 80.
Berlin — Mit Western-Parodien wie "Vier Fäuste für ein Halleluja" an der Seite seines bärbeißigen Kumpels und italienischen Landsmanns Bud Spencer wurde Terence Hill weltberühmt. Wegen seines Künstlernamens hält den Weltbürger manch einer für einen Amerikaner, dabei ist der Italiener in Wahrheit ein halber Sachse. Denn seine Mutter stammte aus der Dresdner Ecke, und die Sprache Götz Georges oder Ulrich Tukurs spricht der Italo-Westernheld noch heute fließend. Am 29. März wird Mario Girotti, wie Hill mit bürgerlichem Namen heißt, 80 Jahre alt.
TV-Highlights zum Geburtstag
Samstag, 30. März
„Zwei außer Rand und Band" um 15.40 Uhr auf PULS4
„Zwei sind nicht zu bremsen" um 17.55 Uhr auf PULS4
„Zwei wie Pech und Schwefel" um 20.15 Uhr auf PULS4
„Zwei bärenstarke Typen" um 22.20 Uhr auf PULS4
Sonntag, 31. März
„Die große blaue Straße" um 00.15 Uhr auf MDR
„Vier Fäuste gegen Rio" um 14 Uhr auf ORF1
„Zwei Asse trumpfen auf" um 15.55 Uhr auf PULS4
„Die Terence Hill Story" (Dokumentation) um 23.55 Uhr auf Kabel1
Den runden Geburtstag wird Terence Hill privat in den USA verbringen, wie von seinem Management zu erfahren ist. Auch dort hat der Mann mit dem spitzbübischen Lächeln viele Jahre gelebt und Filme gedreht. Geboren wurde Hill aber in Venedig. Sein Vater, ein italienischer Chemiker, fand einen Job in Deutschland und zog 1943 mit der Familie nach Lommatzsch bei Dresden. Der Junge konnte die alliierten Luftangriffe vom Februar 1945 aus der Ferne sehen und hatte deshalb nach eigenen Worten jahrzehntelang Alpträume. 1947 kehrte die Familie nach Italien zurück.
Im „Bel Paese" Italia musste sich Mario erst einmal durchboxen, und zwar wortwörtlich. Denn die Mitschüler mobbten ihn, weil er kein Italienisch konnte. Das lernte er aber schnell, und schon 1952 hatte er die erste kleine Rolle im Abenteuerfilm „Vacance col gangsters" (Ferien mit den Gangstern). Dazu brachte ihn eigentlich der Sport: Zu seinen Hobbys gehörte als Jugendlicher das Schwimmen. Er gewann mit seiner Mannschaft "Lazio", zu der auch sein späterer Schauspielpartner Bud Spencer gehörte, eine Bronzemedaille bei den italienischen Jugendmeisterschaften. Später gewann er auch eine Silbermedaille im Rudern mit seinem Verein "Tevere Roma". Im Alter von 12 Jahren entdeckte ihn Regisseur Dino Riso beim Schwimmen und gab ihm seine erste Rolle.
Danach spielte er in einer Reihe zum Teil recht populärer italienischer Filme mit. 1963 gab er in Luchino Viscontis Filmklassiker „Der Leopard" an der Seite Burt Lancasters und Claudia Cardinales den Grafen Cavriaghi. In Deutschland spielte er in einigen Karl-May-Filmen mit.
Freundschaft, die bis zum Tod währte
Die wohl wichtigste Weichenstellung seiner Schauspiel-Laufbahn kam 1967. Da spielte er erstmals in einem Italo-Western: „Gott vergibt, wir beide nie" unter der Regie von Giuseppe Colizzi.
Weil nach Ansicht der Produzenten ein italienischer Name für einen Western gar nicht ging, brauchte er ein anglophones Pseudonym. Er bekam eine Liste mit 20 Vorschlägen - und wählte Terence Hill. Sein Filmpartner Carlo Pedersoli wurde Bud Spencer. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die bis zum Tod Spencers 2016 währte.
Bei den Dreharbeiten lernte Terence Hill am Set auch seine Ehefrau Lori Zwicklbauer kennen, eine Deutsch-Amerikanerin. Die auf Anhieb erfolgreiche erste Hauptrolle hatte er durch Zufall bekommen: Er sprang als Ersatzmann für den Südtiroler Peter Martell ein, der sich kurz vor Beginn der Dreharbeiten in der Wüste bei Almería in Spanien den Fuß brach. Laut Hill hatte Martell ständig Streit mit seiner Verlobten, er wollte sie treten, doch sie wich aus und sein Fuß knallte gegen eine Wand.
„Gott vergibt" war noch ein richtiger Brutalo-Western mit Blut und Folterszenen. Der Schwenk zur Western-Parodie voller Situationskomik und cooler Sprüche, wo die Bösewichter nur noch per Kinnhaken, Backpfeifen und Bratpfannenhieben niedergestreckt werden, kam unter Regisseur Enzo Barboni: „Die rechte und die linke Hand des Teufels" (1970) - nach eigenen Worten Hills Lieblingsfilm -, „Vier Fäuste für ein Halleluja" (1971) und „Verflucht, verdammt und Halleluja" (1972).
Vom Wilden Westen ging es 1972 mit der Fliegerklamotte „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" - wieder unter der Regie Colizzis - in den Urwald Kolumbiens. Unter Meisterregisseur Sergio Leone spielte Terence Hill an der Seite Henry Fondas in „Mein Name ist Nobody", einem ebenso witzigen wie tiefgründigen Abgesang auf das Western-Genre, kongenial vertont von Ennio Morricone.
"Ich glaub', ich muss dir noch 'nen Satz warme Ohren verpassen"
Erstmals als Regisseur versuchte sich Terence Hill 1984 in „Keiner haut wie Don Camillo", einer Neuverfilmung des Klassikers „Don Camillo und Peppone", in der er auch den streitbaren Priester spielte. Sehr erfolgreich in Italien ist Hill in der seit Jahren laufenden RAI-TV-Serie „Don Matteo", in der er als ein Pater Brown a la italiana Kriminalfälle löst.
TV-Comeback mit 79
Im vergangenen Jahr war Terrence Hill erstmals seit 20 Jahren wieder im Kino zu sehen, in „Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück". Anspielungsreich schon im Titel, finden sich in dem tragikomischen Alterswerk viele Bezüge zu früheren Filmen. Es ist zugleich eine Hommage an den verstorbenen Spencer. Bei der Deutschlandpremiere in Dresden deutete Hill an, dass er noch weitere Filmpläne habe. Zugleich versicherte er, dass ihn seine Mutter in seiner Wesensart stärker geprägt habe als sein Vater. „Und ich kann sagen, dass ich auch ein Sachse bin", sagte er - auf Deutsch, versteht sich. (dpa/TT.com)
Legendäre Zitate
„Vier Fäuste für ein Halleluja" 1971
Als der Bandit nach Luft röchelt: „Ist das Asthma oder Leidenschaft?"
„Und du machst dir in die Hose und hast nur eine mit, he?"
„Mein Name ist Nobody" 1973
„Siehst gut aus, heute schon gekotzt?"
„Hast du Sodbrennen? Du siehst so sauer aus!"
„Zwei wie Pech und Schwefel" 1974
„Nun guck' ihn dir an, hat auch nicht mehr Hirn als 'n Spatz Fleisch an der Kniescheibe."
„Das Krokodil und sein Nilpferd" 1978
„Bodybuilding macht nur dicke Knie und Blasen im Hirn!"
Bud: „Rat' mal, was ich vorher gemacht habe!"
Terence: „Du warst Obermastmeister auf 'ner Schweinefarm!"
„Wenn du mich nochmal duzt, hau ich dir 'ne Delle in die Gewürzgurke!"
„Mhmm, schmeckt garnicht mal so gut!"
„Der Supercop" 1979
Nach einer Schlägerei: „Alle satt, ja? 'n Nachschlag gibt's nicht!"
„Ich hab' den Nulldurchblick."
„Kannst mich doch nicht annullen!"
„Ich weiß, dass ich ich bin, aber ich weiß nicht, ob du du bist. Weißt du, ob er er ist?"
„Plattfuß am Nil" 1980
„Dir spitz' ich den Spargel an, bis man dich für'n Pfirsich hält!"
„Die Troublemaker" 1994
Terence: „Weißt du, was ich dachte?"
Bud: „Denk' nicht in meiner Gegenwart!"
Kommentare