Sporthilfe-Boss Bauer: „Ein Verlierer, aber viele Gewinner“

Sporthilfe-Geschäftsführer Harald Bauer wehrt sich gegen die Kritik, dass die neuen Richtlinien vor allem Frauen benachteiligen würden. Vielmehr würde man das Fördersystem künftig besser verstehen.

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In der Kritik: Sporthilfe-Geschäftsführer Harald Bauer.
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Die Sporthilfe löste mit der Reform der Einstufungs- und Förderkriterien einen Sturm der Entrüstung aus. Wie sehen das Sie als Geschäftsführer?

Harald Bauer: Es handelt sich um die Folge eines zweieinhalbjährigen Diskussionsprozesses. Segeln kann man nicht mit Skispringen vergleichen, Judo nicht mit Diskuswerfen.

Und doch wollen bis hin zu den Frauen-Verantwortlichen von Parteien viele eine geschlechtsspezifische Ungerechtigkeit erkennen.

Bauer: Es gibt keine Benachteiligung der Frauen. Das heißt allerdings nicht, dass es da oder dort keine Nachbesserungen geben muss. So etwa bei Sabine Schöffmann (Snowboard, Anm.), die sich ja ungerecht behandelt sieht.

Vor allem die ehemalige Snowboard-Weltmeisterin Claudia Riegler (45) äußerte harte Kritik, man sei bei dieser Reform nicht mit der Zeit gegangen.

Bauer: Es stimmt mich nachdenklich, wenn jemand 21 Jahre Förderungen von der Sporthilfe erhielt und sich dann öffentlich gegen einen Partner stellt. Außerdem wäre Claudia Riegler auch nach alten Regularien nicht mehr als förderwürdig eingestuft worden. Skispringerin Daniela Iraschko hingegen wäre nach alten Regeln aus dem Förderprogramm geflogen und ist nun in der Gold-Stufe.

Läuft man nicht Gefahr, dass die neuen Förderrichtlinien jene ausschließen, die ums sportliche Überleben kämpfen?

Bauer: Wir haben sogar 49 Sportler im Pool, die sich außerhalb der Kriterien befinden. Die Regeln wurden insofern nicht verändert, sie wurde umformuliert. Früher hat sie keiner verstanden.

Die jeweiligen Förderungen bewegen sich bei einem Gesamtvolumen von drei Millionen Euro im dreistelligen Bereich. Hätte man sich den Wirbel nicht ersparen können, war das nicht ein PR-Eigentor?

Bauer: Wir sind privatwirtschaftlich finanziert, allein die Casinos bekommen für ihre 1,1 Mio. Euro Förderung einen Werbewert von 8,5 Mio. zurück. Und unsere öffentliche Sportförderung beläuft sich auf gerade 5500 Euro. Alle anderen wie die NADA (Nationale Antidopingagentur, Anm.), das ÖOC (Österreichisches Olympisches Komitee, Anm.) oder die BSO (Bundessportorganisation, Anm.) verfügen über eine Grundförderung. Dabei haben wir Ausgaben für unseren Betrieb oder Veranstaltungen, die uns im Gegenzug wieder Geld bringen sollen.

Stehen Sie also zu Unrecht am Pranger?

Bauer: Ich lese nicht viel – aber natürlich: Man hätte das alles besser kommunizieren können. Und wie gesagt: Sabine Schöffmann regt sich zu Recht auf.

Wie meinen Sie das mit der Kommunikation?

Bauer: Keiner spricht davon, dass Förderzyklen verlängert werden, Behindertensportler bis Platz 5 Kriterien erfüllen, dass Nachwuchssportler der Europäischen Jugendspiele für Medaillen belohnt werden. Es gibt viele Gewinner und einen Verlierer.

Was liegt der Tatsache zugrunde, dass Ihr Job als Geschäftsführer kürzlich neu ausgeschrieben wurde?

Bauer: Die wirtschaftlichen Daten sind gut, so gesehen hat man großes Vertrauen in mich. Aber man will sich auch andere Ideen ansehen, das ist legitim. Ich werde mich sicherlich erneut bewerben.

Das Gespräch führte Florian Madl


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