Konjunktur

Wifo: Wirtschaft wächst heuer spürbar schwächer als bisher angenommen.

Nach einem deutlichen Wachstumsvorsprung gegenüber der Eurozone dürfte Österreich 2019 nur noch etwas rascher wachsen als der Euroraum. (Symbolfoto)
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Am Freitag haben die heimischen Wirtschaftsforscher ihre Wachstumsprognosen für heuer deutlich gesenkt. Der private Konsum wird immer mehr zur Stütze der Konjunktur in Österreich.

Wien — Deutlich gesenkt haben die heimischen Wirtschaftsforscher ihre Wachstumsprognosen für heuer, das Wifo von 2,0 auf 1,7 Prozent, das IHS von 1,7 auf 1,5 Prozent. Für 2020 ließen die Institute ihre Prognosen mit plus 1,8 bzw. plus 1,6 Prozent gegenüber Dezember gleich. 2018 hatte das reale Plus noch 2,7 Prozent betragen.

Die Industriekonjunktur in Österreich befindet sich „derzeit im Abschwung", und die Welthandelsflaute wirkt belastend, erklärte das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Freitag. Allerdings dürfte sich die Konjunktur im zweiten Halbjahr stabilisieren, glaubt das Institut. Der Außenhandel schwäche sich 2019 ab. Die USA und das dynamische Osteuropa würden aber weiter für solide Aufträge sorgen.

Langanhaltender Abschwung „wenig wahrscheinlich"

Nach einem deutlichen Wachstumsvorsprung Österreichs gegenüber der Eurozone dürfte Österreich 2019 nur noch etwas rascher wachsen als der Euroraum (1,3 Prozent), nimmt das Institut für Höhere Studien (IHS) an. 2020 dürfte sich das Wachstum angleichen.

Einen lang anhaltenden Abschwung hält das Wifo für „wenig wahrscheinlich", wenngleich er möglich sei. Zu vielleicht in der Öffentlichkeit bestehenden Sorgen, dass der jetzige Abschwung so intensiv und lang wie der vorhergehende Aufschwung sein könnte, betonten die Experten, dass erstens die Modellprognosen kein eindeutiges Bild eines hartnäckigen Abschwunges zeichnen würden, und zweitens erfolge ein Abschwung tendenziell rascher als ein Aufschwung, und er sei bereits im Gange.

Zur Stütze der Konjunktur in Österreich werde dabei immer mehr der private Konsum, so das Wifo. Gestärkt würden die Einkommen der Privathaushalte durch die leicht überdurchschnittlichen Lohnabschlüsse für 2019 und eine tendenziell expansive Fiskalpolitik, Stichwort Familienbonus. Das Konsumvertrauen habe zwar etwas nachgelassen, so das IHS, bleibe aber auf einem hohen Niveau. Wifo und IHS sehen heuer 1,7 bzw. 1,6 Prozent Realanstieg beim Privatkonsum.

Wachstumsprognose für Deutschland halbiert

Der Welthandel hat 2018 merklich an Schwung verloren und, so das IHS, gegen Jahresende „bestenfalls stagniert". Für Österreich besonders brisant: Das deutsche Forschungsinstitut Ifo hat erst kürzlich seine Prognosen für unseren wichtigsten Wirtschaftspartner nahezu halbiert. Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Prognose für das deutsche Wachstum 2019 von 1,6 auf 0,7 Prozent reduziert. Laut dem Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) dürfte in Österreich die erwartete Konjunkturabkühlung in Deutschland nicht ganz spurlos vorübergehen.

Als „Daumenregel" gelte, dass ein Wachstumsrückgang von einem Prozentpunkt in Deutschland ein Minus von einem Viertel-Prozentpunkt in Österreich zur Folge habe, sagte der Präsident des IfW und gebürtige Österreicher, Gabriel Felbermayr, Mitte März vor Journalisten. Eine zwingende Regel sei dies aber nicht. Österreich ist laut IfW für Deutschland der siebent-wichtigste Handelspartner. Umgekehrt steht Deutschland für Österreich jüngsten Daten der Statistik Austria zufolge an erster Stelle beim Außenhandel.

Rückgang der Exporte erwartet

Das Wachstum der heimischen Warenexporte dürfte sich auf 2,5 bzw.. 3,5 Prozent abschwächen, fürchtet das IHS, nach 5,1 Prozent im Vorjahr. Für die Gesamtexporte sieht das Institut 2019/20 Zuwächse von 2,4 bzw. 3,2 Prozent. Ähnlich rechnet das Wifo für 2019/20 mit 3,1 und 3,6 Prozent Anstieg der Gesamtexporte und 3,1 sowie 4,0 Prozent Zuwachs bei den reinen Warenausfuhren. Den Leistungsbilanzüberschuss sieht das Wifo von 2,0 Prozent 2018 auf heuer 1,9 und dann 1,8 Prozent schrumpfen.

Das Wifo nennt als Prognoserisiken neben einem ungeregelten Brexit auch ein Wiederaufflammen des EU-US-Handelskonflikts, die Entwicklung in Italien und eine mögliche Investitionsschwäche in Österreich. Deren Wachstum schwäche sich geringfügig ab — da der Investitionszyklus sehr volatil sei, könnte der kräftigen Steigerung der Ausrüstungsinvestitionen seit 2016 „demnächst ein stärkerer Rückgang folgen", warnt das Wifo.

Entspannung am Arbeitsmarkt geht weiter

Positiv in der neuen Prognose: Die schrittweise Entspannung am heimischen Arbeitsmarkt dürfte sich den Experten zufolge fortsetzen, und die Inflationsrate vor allem 2019, aber auch 2020, stärker nach unten gehen als bisher angenommen. Der Maastricht-Überschuss des Gesamtstaates dürfte heuer zulegen, laut Wifo auch 2020 nochmals.

Zudem wachsen durch die anhaltende Beschäftigungsexpansion die Steuereinnahmen zügig und dem Staatshaushalt helfen etwa die Niedrigzinsen, sodass der Budgetüberschuss heuer anwächst. Nach jüngsten Daten der Statistik Austria von Donnerstag, die Wifo und IHS gar nicht mehr berücksichtigen konnten, wurde im Gesamtstaat 2018 ein Maastricht-Überschuss von 0,1 Prozent des BIP erreicht, die Institute hatten noch bestenfalls eine schwarze Null prognostiziert. Das IHS geht für 2019 und 2020 von je 0,2 Prozent Überschuss aus, das Wifo heuer von 0,4 und dann sogar 0,7 Prozent.

Weitere Reformmaßnahmen notwendig

Dennoch hält das IHS „weitere Reformmaßnahmen zur Dämpfung der Ausgabendynamik" für „notwendig", um Spielräume für die Steuerreform zu schaffen, die auf eine Verringerung der hohen Abgabenbelastung abziele. Auch für eine Optimierung der Steuerstruktur würde die Reform Möglichkeiten bieten, heißt es. Vor dem Hintergrund der aktuellen Konjunktursituation hält es das IHS für „sinnvoll, die automatischen Stabilisatoren wirken zu lassen.

Zusätzliche Ausgaben bzw. eine nicht finanzierte Steuerreform wären nicht adäquat." Und Reformen in Bildung, Gesundheit, Pensionen und Föderalismus könnten die Widerstandskraft der heimischen Wirtschaft stärken. (APA, TT.com)